Auf der Jagd nach dem „Schnatz“
Eine Spielerin versucht, an den Schnatz zu gelangen. Sie darf den neutralen Spieler dabei nur von vorne attackieren und nicht von der Seite oder gar von hinten. Foto: Bode

Auf der Jagd nach dem „Schnatz“

Die etwas andere Sportart: Quidditch bei der SG 1874

Anfangs hat Rebecca Ernst immer noch nett gelächelt, wenn sie nach ihrem Hobby Quidditch gefragt wurde. „Inzwischen nervt es schon ziemlich, wenn immer die Frage kommt, ob wir auch auf Besen fliegen“, sagt sie. Sie betreibt den Sport mit Gleichgesinnten bei der SG 1874 in der Nähe der Herrenhäuser Gärten.
Quidditch dürfte vielen als rasante Ballsportart aus dem Harry-Potter-Universum bekannt sein. „Man muss aber kein Fan von Harry Potter sein, um Quidditch spielen zu können“, so Ernst. Allerdings fügt sie schnell hinzu, dass sie große Anhängerin des Zauberers sei. Quidditch erschließt sich einem Neuling nicht unbedingt auf den ersten Blick. Das fängt schon bei den drei unterschiedlichen Bällen an: Da gibt es einen „Schnatz“, drei „Klatscher“ und einen „Quaffel“. Mit Letzterem werden die Punkte erzielt. Der Volleyball muss dabei durch einen der drei aufgehängten Ringe geworfen werden. Mit den Klatschern können gegnerische Spieler abgeworfen werden, die dann kurzzeitig aus dem Spiel sind und erst wieder zur eigenen Grundlinie zurücklaufen müssen. Der Schnatz kommt nach 18 Minuten in das Spiel. Es ist ein in eine Socke gesteckter Tennisball, der im Hosenbund eines neutralen Spielers steckt. Sobald ein Spieler den Schnatz erfolgreich erobert hat, ist das Spiel beendet.
Klingt verwirrend? Es geht mit den unterschiedlichen Spielpositionen weiter, die durch verschiedenfarbige Stirnbänder gekennzeichnet sind: Drei Jäger (weiße Stirnbänder) versuchen mit dem Quaffel Punkte zu erzielen, ein Hüter (grün) versucht die eigenen Ringe zu verteidigen, zwei Treiber (schwarz) werfen mit den Klatschern auf die Gegner, ein Sucher (gelb) versucht den Schnatz zu fangen. Und alle Spieler haben dabei eine Art Besen zwischen den Beinen. Doch statt eines echten Holzbesens handelt es sich bei den Spielen inzwischen um Plastikröhren, die zwischen 81 und 106 Zentimeter lang sein dürfen. „Holz kann splittern und Spieler können sich verletzen“, erklärt Ernst.
Es gibt noch weitere Regularien. So ist es ein Sport, bei dem nicht zwischen Männer- und Frauenmannschaften unterschieden wird. Es müssen jeweils vier Spieler eines Geschlechts auf dem Platz stehen. „Das sorgt bei den fliegenden Wechseln manchmal für Verwirrung, wenn man erst einmal überlegen muss, ob nun eine Frau für einen Mann auf das Feld darf“, sagt Ernst mit einem Lachen.
Sie wurde im vergangenen Jahr auf den Sport aufmerksam und besuchte mit einer Freundin die Weltmeisterschaft in Frankfurt/Main. „Es hat mir sehr gut gefallen“, sagt sie. Ernst hat sich anschließend nach einer Gruppe in Hannover umgeschaut und ist auf die Spieler aufmerksam geworden, die sich nun der SG 74 angeschlossen hatten.
Ernst, die auf dem Feld die Position des Jägers bekleidet, bezeichnet Quidditch als „Mischung aus Handball, Dodgeball und Rugby“. Verletzungen kommen bei dem Vollkontaktsport durchaus vor. „Eine blutende Nase ist nicht so selten“, sagt die Spielerin. Besondere Fähigkeiten müssen neue Spieler nicht mitbringen, wenngleich immer mehr dazukommen, die früher Handball oder Rugby in Vereinen spielten. Da auf den Positionen unterschiedliche Fähigkeiten gefragt sind, seien auch unterschiedliche Spielertypen nötig.
Die Mannschaft der SG 74, die sich selbst Hannover Niffler nennt (in Anlehnung an maulwurfartige Tiere aus dem Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“), nimmt an der Nordliga mit Teams aus Hamburg, Bremen und Braunschweig teil. Die Saison beginnt im Mai und endet Ende Juli. Dazu gibt es in jedem Jahr eine Deutsche Meisterschaft, zu der sich alle Teams anmelden können. Im Winter wird auch im Freien gespielt. „Es finden im Rest des Jahres viele Freundschaftsspiele statt“, so Ernst. Das Miteinander mit anderen Mannschaften sei besonders gut, man versteht sich beim Quidditch trotz sportlicher Rivalität.

Infos über Quidditch bei der SG 1874

Im Oktober vergangenen Jahres hat sich die kleine Gruppe an Quidditch-Spielern gefunden, die zunächst immer im Georgengarten übten, ehe sie sich im Januar der SG 1874, In der Steintormasch 48, anschlossen. Etwa 15 Spieler gehören dem Team an, der Frauenanteil überwiegt aktuell. Trainiert wird immer donnerstags von 18 bis 20 Uhr sowie entweder sonnabends oder sonntags von 13 bis 15 Uhr – diesen Termin legt die Gruppe immer kurzfristig fest. Wer Quidditch kennenlernen möchte, kann an einem Training kostenlos teilnehmen. Die Vereinsmitgliedschaft kostet für Erwachsene 17 Euro, ermäßigt 11 Euro, der Familienbeitrag liegt bei 30 Euro.
Nähere Informationen gibt es per E-Mail an info@hannover-niffler.de oder auf der Facebookseite.

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