Aus für Windräder am Kronsberg
Bekommen voraussichtlich keinen weiteren Zuwachs: die Windräder am Kronsberg. Foto: Thomas

Aus für Windräder am Kronsberg

Flugsicherung meldet Bedenken an / enercity hat Genehmigungsantrag für ein Windrad bereits zurückgezogen

Von Thomas Oberdorfer
Hannover. Die beiden geplanten Windräder auf dem Kronsberg werden voraussichtlich nicht gebaut: „Die Deutsche Flugsicherung hat Einspruch gegen das Projekt eingelegt“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Zwar hat die Region als Genehmigungsbehörde für den Neubau noch kein abschließendes Urteil gefällt, eine Zustimmung gilt nun aber als unwahrscheinlich.
Ursprünglich wollte enercity die beiden 200 Meter hohen Windräder auf dem nördlichen Kronsberg zwischen Misburg, Anderten und dem Waldgebiet Gaim errichten. Zusammen sollten die beiden Windriesen 6000 Haushalte mit Strom versorgen. Zehn Millionen Euro veranschlagte das hannoversche Energieunternehmen als Investitionskosten. Um den Bau überhaupt möglich zu machen, hatte die rot-grüne Ratsmehrheit erst im Februar ein eigentlich seit 2004 bestehendes Bauverbot für Windräder auf dem Kronsberg kassiert. Anwohner, Kommunalpolitiker vor Ort und Naturschutzverbände protestierten heftig gegen diese Entscheidung und die Baupläne für die beiden Windräder. Ihre Befürchtung: Die Rotoren der Anlage würden Fledermäuse tausendfach zerhäckseln. Zu Fall zu bringen scheinen das Projekt jetzt aber nicht Naturschutz-, sondern Sicherheitsbedenken. Der geplante Standort der Windräder auf dem Kronsberg – so die Einschätzung des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung – befindet sich zu nah an dem Funkfeuer „Leine“. Dieses steht nur wenige Kilometer entfernt auf dem Kipphut bei Sarstedt und sorgt für einen sicheren Anflug zum hannoverschen Flughafen. In einer höchstrichterlichen Entscheidung hatte das Bundesverwaltungsgericht erst im April dieses Jahres geurteilt, dass die Genehmigung von neuen Windkraftanlagen in einem Radius von 15 Kilometern um ein Funkfeuer abgelehnt werden kann. Auf dieses Urteil beruft sich nun das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherheit bei seiner Entscheidung. Keine 14 Tage nach dem Spruch der Leipziger Richter zog enercity am 20. April bereits den Genehmigungsantrag für eines der beiden Windräder zurück. Aber auch diese nun abgespeckte Version konnte die Bedenken der Flugsicherung nicht zerstreuen.
Wie es nun weitergehen soll, darüber will der Energieversorger nun erst einmal beraten. Formal läuft der Genehmigungsantrag noch. „Ob das so bleibt, oder ob wir auch den Antrag für das zweite Windrad zurückziehen, entscheiden wir in den kommenden Wochen. Im Moment sind wichtige, mit dem Projekt betraute Mitarbeiter im Urlaub“, kommentiert Carlo Kallen die Einschätzung der Experten für Flugsicherheit.
Bei der Ratspolitik ruft die sich abzeichnende Ablehnung ganz unterschiedliche Reaktionen hervor. „Ich freue mich für die Anwohner“, sagt Kerstin Seitz, stellvertretende Chefin der CDU Ratsfraktion und Fraktionsvorsitzende der Partei im Bezirksrat Misburg-Anderten. Die CDU-Politikerin weiter: „Es ist schon bezeichnend, dass erst technische Gründe herhalten müssen, um ein Projekt zu stoppen, das niemand der Menschen rund um den Kronsberg haben will.“
Ganz anders die Einschätzung von Jürgen Mineur. Der SPD Ratsherr ist Sprecher seiner Partei für den Umweltausschuss: „Wenn das Projekt jetzt scheitert, wäre das sehr schade. Wir müssen den Strom dort produzieren, wo er gebraucht wird und nicht über lange Trassen transportieren.“ Sein Kollege Patrick Drenske von Bündnis 90/Die Grünen sieht in der drohenden Ablehnung vor allem die bundesweite Bedeutung. „Das ist der Versuch des CSU geführten Verkehrsministeriums die Energiewende zu Fall zu bringen. Wenn um jedes Funkfeuer ein 15 Kilometer-Radius gezogen wird, dann können wir in Deutschland kaum noch neue Windräder errichten. Die aber brauchen wir für saubere Energie.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.