Bach auf Bierflaschen
Prelude von Bach einmal anders: Das Duo Gama spielt den Klassiker auf den Flaschenhälsen an einer Bierkiste. Foto: Frank Wilde

Bach auf Bierflaschen

Das Duo Gama zeigt im aktuellen GOP-Programm „Frühlingsreigen“ einfallsreiche Musik-Comedy

Von Franka Haak
Hannover. Gemessenen Schrittes und mit gewichtigen Blicken betreten sie die Bühne des GOP. Beide tragen Anzug, Gael Michaux einen dunklen, Maxime Dautremont einen in hellem Beige. Am vorderen Bühnenrand stellen sie einen Notenständer auf – und einen geheimnisvollen kastigen Gegenstand, verhüllt von einem schwarzen Tuch. Mit stolzen Blicken und bedeutsamem Nicken zeigen sie ihr Notenblatt vor: Bach. Alles ist vorbereitet, nur von einem Musikinstrument fehlt jede Spur.
An dieser Stelle kommt das verhüllte Objekt ins Spiel. Unter dem Tuch kommt eine Bierkiste zum Vorschein. Mehr als die 24 geöffneten Flaschen braucht das Duo Gama nicht, um Bachs bekannte Prelude erklingen zu lassen. Gefühlvoll lassen sie ihre Finger über die Flaschenhälse kreisen. Während ihres gesamten Auftritts sprechen die beiden kein Wort. Sie verständigen und missverstehen sich nur mit Blicken und Gesten.
Das Duo Gama tritt mit der stummen und poetischen Musik-Comedy im aktuellen GOP-Programm „Frühlingsreigen“ auf. Moderiert wird die Show von dem Klavierkabarettisten Mathias Brodowy. Seine Lieder sind mal melancholisch, mal lokalpatriotisch und mal frühlingshaft-heiter. „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“ – die allzu bekannte und oft strapazierte Gedichtzeile macht er zum Ausgangspunkt eines einfallsreichen Frühlingsliedes, das den bunten Reigen im GOP eröffnet. Zwischen den einzelnen Auftritten plaudert Brodowy charmant mit dem Publikum, lässt sich vom Geschmack der Cocktails erzählen oder von dem Heimatdorf der Zuschauer. Mit viel Selbstironie erzählt er von seinen ersten Bühnenerfahrungen, aber auch von der Faszination, die die bunte Welt von Theater und Artistik für ihn hatte. „Am meisten hat mich im Zirkus immer das Trapez fasziniert – die Leichtigkeit, mit der die Akrobaten durch die Luft flogen“, sagt er, und kündigt damit Shauna Kotka an.
Ihre Akrobatik am Luftring erscheint in ganz besonderem Licht: Kotka vollführt über der Bühne nicht nur faszinierende Figuren und atemberaubende Verrenkungen. Scharf zeichnet sich ihr Schatten an der bunt ausgeleuchteten Bühnenwand ab. Ihre Präsenz im dreidimensionalen Bühnenraum und der zweidimensionale Schattenwurf fügen sich zu einem spannungsreichen Gesamtbild zusammen.
Licht und Schatten stehen auch im Mittelpunkt bei der Gruppe Halves Project. In ihrem Schwarzlichttheater scheint sich ein menschlicher Körper in der Mitte zu teilen. Die beiden Hälften, von Kopf bis Fuß in ein eng anliegendes leuchtend weißen Kostüm gekleidet, nähern sich immer wieder an, können aber nie ganz zusammen kommen. In immer neuen Konstellationen lassen sie in dem ansonsten dunklen Bühnenraum immer neue Bilder und Szenarien entstehen.
Mit klassischen Varieté-Darbietungen runden Kontorsionskünstlerin Kristina Piskliukova, Laurence Tremblay-Vu am Drahtseil und der Jongleur Jean-Baptiste Diot das Programm ab.

Die Show ist noch bis zum 1. Mai im GOP, Georgstraße 36, zu sehen. Am heutigen Sonnabend und am morgigen Sonntag moderiert noch Matthias Brodowy. Vom 5. April an übernimmt dann der Comedian und Zauberer Martin Sierp. Karten kosten je nach Wochentag und Preiskategorie zwischen 15 und 44 Euro. Sie sind an der Thaterkasse und unter Telefon (0511) 30 18 67 10 erhältlich.

Bildquelle

  • Reigen03: Wilde

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