Bringt der Sport nur Ärger?
Hamburg geht als deutscher Kandidat für die Olympische Spiele 2024 oder 2028 ins Rennen. Im Hafen weht eine Fahne mit Logo Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg . Foto: imago

Bringt der Sport nur Ärger?

Nach der Diskussion um die WM 2006 stehen sportliche Großveranstaltungen in der Kritik

Von Reinhard Urschel
Berlin. Das Sommermärchen von 2006 kann man den Deutschen nicht mehr nehmen, ganz egal auf welche Weise die Fußballweltmeisterschaft vergeben worden ist. So denken viele Deutsche, ob Fan oder nicht. Zugleich aber kommen die Bedenken: Mit der Bewerbung für sportliche Großereignisse hat man nichts als Ärger. Die Berliner, die Münchner, die Hamburger, ja sogar die einstigen Außenseiter aus Leipzig wissen ein Lied davon zu singen, was in den Städten los ist, wenn es um Olympia geht. Sollte sich das Land angesichts der finanziellen Risiken und sonstigen Unannehmlichkeiten überhaupt noch für sportliche Großereignisse bewerben? EM, WM, Olympia nur noch anderswo, aber nicht hier?
Bislang werden sportliche Groß­ereignisse von den Veranstaltern fast immer als Gewinngeschäft verkauft: Sie sollen zahlreiche Besucher anlocken, die in den austragenden Städten dann die Einnahmen von Hoteliers, Restaurants und Geschäften ankurbeln, deren Steuereinnahmen wiederum die Ausgaben des Staates wettmachen. Sie sollen zum Bau neuer Stadien, Straßen oder gar Flughäfen führen. Und sie sollen die Austragungsorte in der ganzen Welt bekannt machen und somit auf Dauer für mehr Besucher sorgen.
In der Realität sprechen nahezu alle Zahlen gegen solch rosige Vorhersagen. Von den Olympischen Spielen 1976 etwa blieben Montreal laut „New York Times“ 2,7 Milliarden Dollar Schulden, die erst im Jahr 2005 zurückgezahlt wurden. Die Langzeitkosten der Spiele in Sydney im Jahr 2000 werden auf 2,2 Milliarden Dollar geschätzt. Und Athen veranschlagte für die Austragung im Jahr 2004 rund 1,6 Milliarden Dollar – die tatsächlichen Kosten sollen rund zehn Mal so hoch gelegen haben. Der amerikanische Ökonom Victor Matheson hat zahlreiche Studien zu den wirtschaftlichen Effekten von Mega-Sportereignissen rund um den Globus ausgewertet. Sein ernüchterndes Ergebnis: Die meisten Forscher finden keinen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und neuen Sportanlagen, Lizenzverkäufen oder Veranstaltungen.
Dazu kommen mögliche Image-Schäden. Beinahe jedes Großereignis wird umwabert von Korruptionsgerüchten, ob die Rede ist von den „Coca-Cola-Spielen“ in Atlanta oder den Öl-Schmiergeldern aus Katar. Nach Beweisen wird da kaum noch gefragt, der Anschein, dass man Groß-Events nur noch mit dunklen Geschäften an Land ziehen kann, ist allgegenwärtig.

Brauchen wir in Deutschland noch sportliche Großveranstaltungen? (Umfrage und Fotos: triller)
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Karsten Schlüter (62), Architekt, Hannover: Ich bin mir nicht sicher. Sollten die Olympischen Spiele in Hamburg stattfinden, wird der Hafen entwickelt, Brachen beseitigt und durch die Veranstaltung Geld verdient. Das ist gut. Andererseits sind die Kosten nicht sicher kalkulierbar.

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Monika Dreiling (59), Sozialpädagogin, Seelze: Ich möchte auf sportliche Großveranstaltung nicht verzichten. Weil viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenkommen. Die Kosten für die Veranstaltungen sollten aber im Rahmen bleiben.

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Lara Georgy (17), Schülerin, Hannover: Mir gefallen Großveranstaltungen wie die Fußballweltmeisterschaft. Es ist schön mit Freunden die Spiele zu verfolgen. Das Gemeinschaftsgefühl wird dadurch gestärkt. Für die Olympischen Spiele interessiere ich mich aber nicht.

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Irina Hempel (27), Assistentin, Hannover: Ja, zu den großen Veranstaltungen kommen viele Besucher. Die Veranstaltungen verbinden die Menschen unterschiedlicher Kulturen. Außerdem gewinnt das Land oder die Stadt an Aufmerksamkeit. Es sollte aber fair zu gehen.

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Heinz Heunecke (64), Angestellter, Hannover: Nein, brauchen wir nicht. Eine sinnvolle Nachnutzung der großen Stadien ist fraglich. Das Geld sollte besser in den Breitensport investiert werden. Von der Rund-um-Beleuchtung des Maschsees profitieren wir alle.

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