Das E-Auto braucht Finanzhilfe
E-Autos entwickeln sich vom Hoffnungsträger langsam zum Sorgenkind. Foto: Imago

Das E-Auto braucht Finanzhilfe

Das Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen zu haben, ist wohl nur mit Förderung zu erreichen

Von Isabel Christian
Berlin. So hatte man sich das in Berlin nicht vorgestellt. Autos, die mit Wasserstoff und Strom fahren, gelten als der Zukunftstrend auf den Straßen. Doch diese Zukunft kann für die Deutschen anscheinend noch warten. Nach dem stabilen Wachstum der Neuzulassungen in den vorvergangenen Jahren steigt die Zahl der E-Autos auf Deutschlands Straßen seit 2014 nur noch langsam. Nur etwa 26.000 E-Autos sind zurzeit angemeldet, der Marktanteil liegt weiterhin unter 1 Prozent. Doch die Bundesregierung lässt sich nicht beirren und hält weiter an ihrem ehrgeizigen Ziel fest: Bis 2020 sollen eine Million E-Autos auf den Straßen unterwegs sein. Notfalls mithilfe massiver Förderung.
Es ist vor allem dem Abgasskandal bei VW geschuldet, dass das Thema E-Mobilität auf der Agenda der Bundesregierung wieder weiter nach oben gerückt ist. Jetzt wird auch eine finanzielle Förderung für den Absatz von E-Autos immer wahrscheinlicher. Im Gespräch sind momentan sowohl Prämien für Käufer wie auch die Förderung des Ausbaus einer Infrastruktur für E-Autos. So kündigte Verkehrsminister Alexander Dobrindt im Oktober an, ein Förderprogramm von rund 100 Millionen Euro für den Aufbau von 10.000 neuen Ladestationen prüfen zu lassen. Zudem wolle er bis 2017 ein Netz aus mehr als 400 Schnellladestationen entlang deutscher Autobahnen schaffen lassen. Umweltministerin Barbara Hendricks brachte den niedersächsischen Vorschlag, Privatkunden mit einer Prämie zum E-Autokauf zu locken, wieder ins Gespräch. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies hatte im Frühjahr gefordert, den Kauf  von E-Autos mit einer Prämie von 5000 Euro zu belohnen. Dem stehen Dobrindt und Finanzminister Wolfgang Schäuble aber noch skeptisch gegenüber. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel rät dazu, mithilfe von Anreizen das Preisgefälle zwischen den recht teuren E-Autos und den herkömmlichen Wagen zu verringern.
Wie Umfragen zeigen, ist es auch vor allem der Preis, der potenzielle Kunden abschreckt.  Das Verbraucherportal energietarife.com hat in einer repräsentativen Umfrage ermittelt, dass 26,6 Prozent der Befragten sich schon für ein E-Auto entscheiden würden, wenn es genauso teuer wie ein Benzin- oder Dieselfahrzeug wäre. 18 Prozent würden sogar bis zu 2000 Euro mehr auf den Tisch legen. Nur 11 Prozent der Befragten würden erst das E-Auto wählen, wenn es billiger als herkömmliche Fahrzeuge ist.
Zudem schaffen nun immer mehr Kommunen Vorteile für E-Autofahrer. Nachdem Hamburg das kostenlose Parken für E-Autos eingeführt hat, zieht Hannover nun nach. Doch auf die anderen  Möglichkeiten, die sie laut Elektromobilitätsgesetz seit Anfang des Jahres haben, geht immer noch kaum jemand ein. Die E-Autos bekommen zum Beispiel keine eigenen Parkplätze und dürfen auch nicht auf den Busspuren fahren.  Daher wird es wohl das Geld sein, mit dem die Bundesregierung die Autofahrer jetzt von der E-Mobilität überzeugen muss.

Sollen E-Autos öffentlich gefördert werden? (Umfrage und Fotos: Haack)
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Jan Holdorf (33), Abiturient: Ich finde das sinnvoll, weil Elektrizität vergleichsweise umweltfreundlich mit wenig CO2-Emissionen erzeugt werden kann. Wenn E-Autos nicht so teuer wären, würde ich mir auch eins kaufen. So ist mein Kompromiss, einen Smart zu fahren.

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Jasmin Vu (17) und David Do (17), Schüler: Grundsätzlich ist es sinnvoll. Aber man muss auch wissen, wo der Strom erzeugt wird und welche Emissionen dabei auftreten. Ich könnte mir vorstellen, ein E-Auto zu kaufen. Aber ich kann noch nicht einschätzen, welche Folgen die E-Mobilität tatsächlich hat.

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Martina Reuter (46), Angestellte: Ich habe mein Auto vor 15 Jahren abgegeben und bin mit Öffis, zu Fuß und mit dem Rad unterwegs. E-Autos sind eine gute Möglichkeit, um den CO2-Austoß zu senken. Aber nicht jeder kann sie sich leisten. Es wäre gut, den Kauf von E-Autos zu bezuschussen.

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Moana Jaschke (29), Wirtschaftspsychologin: Ich finde es gut, wenn E-Autos gefördert werden. Auch die Idee, kostenlose Parkplätze zur Verfügung zu stellen, finde ich sinnvoll. Aber E-Autos sind noch viel zu teuer. Wenn sie bezahlbarer wären, hätte ich auch eins.

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Yolanda Angeles Navarro (43), Versicherungsangestellte, mit Sohn Luis Pablo (5): Wenn die Elektromobilität wirklich ökologischer ist als Benzin und Diesel, finde ich das sinnvoll. Der Strom muss aber auch irgendwo erzeugt werden. Wir haben als vierköpfige Familie ein Auto. Ich bin aber fast immer mit Öffis unterwegs.

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