„Das ist etwas Besonderes“

„Das ist etwas Besonderes“

Bernd Markgraf vom TSV Anderten hat beim Ironman auf Hawaii teilgenommen

3,8 Kilometer im Pazifik schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer laufen – und das bei sengender Hitze auf Hawaii. Bernd Markgraf (55) vom TSV Anderten hat kürzlich beim Ironman auf Hawaii teilgenommen. Nach 10:55:14 Stunden kam der Familienvater ins Ziel – mit Platz 18 von 134 Startern seiner Altersklasse. Anschließend erholte sich der Triathlon-Spartenleiter des TSV noch ein wenig auf Hawaii, nach seiner Rückkehr ins kalte Deutschland musste er zunächst eine Erkältung auskurieren. Im Interview spricht er nun über sein besonderes Erlebnis.

Herr Markgraf, haben Sie aktuell Lust auf Sport?
Nein, nicht wirklich (lacht). Ich merke, dass meine Motivation derzeit ziemlich weg ist. Das liegt einerseits an der physischen Konstitution, aber auch am Wetter.
Sie haben zum zweiten Mal am Ironman auf Hawaii teilgenommen. Was hat sich im Vergleich zur ersten Teilnahme im Jahr 2003 geändert?
Die Teilnehmer sind viel professioneller geworden. Das bezieht sich auf das Material und auch auf das ganze Wissen. Ich habe mich auch weiterentwickelt und werde von einem befreundeten Sportwissenschaftler unterstützt.

In Zürich hatten Sie sich für Hawaii qualifiziert. Dabei standen Sie schon ziemlich unter Druck …
Das stimmt (lacht). Ich wusste von meiner Erfahrung vor 14 Jahren, dass es schwieriger wird, ein Zimmer zu bekommen, je näher der Ironman rückt. Deshalb hatte ich schon vor einem Jahr ein Apartment gemietet. Jetzt musste ich mich nur noch qualifizieren. Das hat in Zürich gut geklappt, auch wenn ich erst als Zweiter meiner Altersklasse ankam und bis zum nächsten Morgen bangen musste, ob es wirklich reicht. Erst dann war die Siegerehrung.

Drei Wochen vorher sind Sie nach Hawaii gereist. Wie liefen Ihre Tage ab?
Man sagt, drei Tage Training, ein Tag frei. Und an den Trainingstagen packte ich meist morgens und abends eine der drei Sportarten rein. Manchmal habe ich auch mittags trainiert, um zu erleben, wie sich die Sonne anfühlt. Es blieb aber auch Zeit, um mit meiner Frau Christine etwas von der Insel zu sehen.

Dann stand der große Tag bevor. Konnten Sie gut schlafen?
Damit habe ich zum Glück gar kein Problem (lacht). Aber viele andere machen in der Nacht vor dem Ironman kaum ein Auge zu, weil man einfach aufgeregt ist. Hawaii ist die Kür. Es schaffen nur 2 500 Menschen jedes Jahr, sich dafür zu qualifizieren. Das ist etwas Besonderes.

Wie fing der Tag für Sie an?
Der Startschuss erfolgt traditionell um 7.05 aus einer alten Kanone. Ich bin um 3 Uhr aufgestanden, habe ein paar Toasts mit Marmelade gegessen. Meine Frau brachte mich zum Start, dort wurde man noch gewogen und die Startnummern wurden auf die Haut aufgetragen. Ich habe alles noch einmal überprüft, den Reifendruck gecheckt und bin dann schon eine halbe Stunde vor Startschuss in das warme Wasser. Dort muss man gute Ellbogen beweisen, um sich eine gute Ausgangssituation zu verschaffen. Ich hatte eine Gruppe erwischt, mit der ich gut mitschwimmen konnte. Man schwimmt aber im Meer und es gibt Wellen, das kostet viel Kraft und man sieht die Bojen oftmals gar nicht.

Auf dem Fahrrad ging es weiter …
Das ging zügig los, weil wir Rückenwind hatten. Aber man musste sich aufgrund der heftigen Fallwinde enorm konzentrieren. Es passieren dabei auch immer mal wieder Unfälle. Ab 120 Kilometern bekam ich Krämpfe in den Oberschenkeln. Das tat schon weh und ich musste etwas Druck rausnehmen. Für solche Fälle hatte ich ein krampflösendes Mittel dabei, das relativ schnell wirkt.

Wie kann man sich dann noch motivieren, anschließend einen kompletten Marathon zu absolvieren?
Man kann ziemlich gut starten, weil andere Muskelpartien beansprucht werden. Das Hauptproblem ist, sich immer wieder genug Energie zuzuführen. Man droht bei dem Wetter zu überhitzen. Deshalb musste ich mich auch ein wenig zurücknehmen. Das spürt man lange, auch zwei Tage später hatte ich noch erhöhte Temperatur.

Sie wurden auf der Strecke von Ihrer Familie – Frau, Tochter, Schwiegersohn und Sohn – angefeuert. Hatten Sie das überhaupt realisiert?
Ja, sie habe ich schon gesehen. Aber dass sie auch mit Kreide die Straße mit meinem Namen beschrieben hatten, hab ich erst später auf den Fotos gesehen.
Ihr erstes großes Ziel, eine Top-Ten-Platzierung in der Altersklasse, hatten Sie daher verpasst. Aber es gab ja noch eine andere Motivation …
Richtig, das sogenannte Daylight-Finish, das Ankommen bei Tageslicht. Die Dämmerung ist auf Hawaii nur ganz kurz, um 18.15 Uhr ist es stockdunkel. Zum Glück kam ich um 18 Uhr im Ziel an. Danach fällt eine große Last von einem ab. Aber es ist ein tolles Erlebnis, bei dem am Ende alle zusammen feiern.

Wie ist der deutsche Erfolg beim Ironman auf Hawaii in den vergangenen Jahren zu erklären?
Ich denke, es hat viel mit den deutschen Tugenden zu tun. Man hat feste Strukturen, arbeitet alles genau nach Plan ab, alles wird wissenschaftlich genau berechnet. Da haben wir gegenüber anderen Nationen wohl einen Vorteil.

Der älteste Teilnehmer auf Hawaii war 85 Jahre alt. Kommt eine dritte Teilnahme für Sie infrage?
Ich glaube nicht (lacht). Das überlasse ich eher der nächsten Generation. Mein Sohn Nico ist 21 und auch im Bereich Triathlon aktiv.

Interview: Mark Bode

VISITENKARTE

Bernd Markgraf (55) ist verheiratet mit Christine (55) und hat zwei Kinder – Nico (21) und Nele (26). Der Ausbilder bei einem Energieversorger ist Triathlon-Spartenleiter beim TSV Anderten und für das Team in der Landesliga aktiv.

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