„Der Böse aus dem Krimi“
Florian Battermann (von links) und Ulli Kinalzik sprechen mit Wochenblätter-Redaktionsleiterin Heike Schmidt auf dem Roten Sofa. Foto: Oberdorfer

„Der Böse aus dem Krimi“

Theater statt TV: Florian Battermann und Ulli Kinalzik im Gespräch über Kino und Komödie

Von Heike Schmidt
Das_Rote_Sofa_Logo.inddHannover. Mit diesen beiden macht ein Gespräch richtig Spaß. Man merkt, dass sie zusammen arbeiten und jetzt sogar noch gemeinsam in die Ferien fahren werden. Dabei könnten sie auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein: Florian Battermann leitet nicht nur die Komödie im Theater am Aegi, sondern auch das Neue Theater und die Komödie am Altstadtmarkt in Braunschweig. Ulli Kinalzik ist bekannter TV-Serien-Bösewicht, spielte in zahlreichen Krimis wie Tatort, Der Alte, Ein Fall für Zwei oder auch Derrick. Im Neuen Theater spielt der 77-Jährige einen Senior in dem Battermann-Stück „Mensch ärgere Dich nicht“. Was sie verbindet? Die Liebe zum Theater und eine sehr ähnliche Art von Humor.

Herr Battermann, wie war die Saison?
Battermann: Gott sei Dank, dass sie fast vorüber ist…

Wieso das denn?
Battermann: Die Vorweihnachtszeit ist immer stressig. Wenn dann der April auch hinter uns liegt und es langsam Sommer wird, dann freuen wir uns alle am Theater, dass die Spielzeit bald vorbei ist. Das ist aber immer so.
Kinalzik: Ja, und wir fahren ja zusammen an den Gardasee..
Battermann: Das ist so etwas wie betreutes Reisen…
Kinalzik: …mit unseren Frauen.

Verstehen die sich gut?
Kinalzik: Besser als wir uns!
Battermann: Zudem haben wir das ja schon in London erprobt. Da waren wir auch gemeinsam mit unseren Frauen.

Warum geht es denn an den Gardasee?
Kinalzik: Ach, in den fünfziger Jahren waren wir auch schon da. Das war eine großartige Zeit, mit den Isettas… Das war ja das erste Ziel nach dem Brenner. Das konnte man gut erreichen, und es war schon Italien.
Battermann: Und es ist heute noch schön! Außerdem ist mein Sohn mit meiner Exfrau in Tirol. Er will unbedingt auch noch mit uns Urlaub machen. Wir holen ihn einfach auf einem Wege ab.
Kinalzik: Und wir werden uns in Verona die Aida ansehen…
…und vielleicht auch George Clooney?
Battermann: Nee, der ist doch am Comer See. Da ist ein Berg dazwischen.
Kinalzik: Ich würde mir den ja schon ansehen. Seltsam ist: Meine Frau findet den weniger gut als ich. Ich finde ihn wirklich gut aussehend, er ist gebildet.

Er ist durch seine Filme ja auch sehr bekannt. Sie sind als ewiger TV-Bösewicht Fernsehzuschauern ebenfalls sehr präsent.
Kinalzik: Ja, ich habe eine gewisse Gesichtsbekanntheit. Wenn Sie heute Leute um die 50 fragen, wer ich bin, werden Sie immer hören: „Das ist der Böse aus dem Krimi.“ Aber damals gab es ja auch nur drei Programme. Ich war jeden Freitag und Sonnabend zu sehen. Klar kennt man dann einen. Ich habe sogar einmal einen Krimi gespielt, in dem ich auch der Böse war und gar nichts gesagt habe. Eigentlich hätte ich drei Sätze gehabt. Aber die habe ich mir auch streichen lassen. Ich habe gesagt: „Ich will gar nichts sagen. Streich das.“ Ich war einer, der mit einer Bombe im Auto umher fuhr, der stark schwitzte, der Angst hatte.

Aber immer nur den Bösen zu spielen, nervt das nicht?
Kinalzik: Nein, das waren doch immer die besseren Rollen – und sind es heute noch!

Hätten Sie denn mal wieder Lust, in einem Tatort mitzuspielen? Die sind ja im Vergleich zu früher unheimlich schnell geworden…
Kinalzik: Das stimmt! Und die haben Kameras überall: von hinten, vorn, sogar von oben wirst du mit einer Drohne gefilmt. Zudem: Früher haben wir fünf bis acht Minuten pro Tag gefilmt; heute sind es 50 Minuten am Tag. Das sind dann Sequenzen wie am Theater. Da muss man den Text parat haben.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie TV lieber als Theater machen…
Kinalzik: Ja, klar. Man reist. Da ist man auf den Malediven statt in Hannover. Man lebt in guten Hotels, und man verdient natürlich auch weitaus mehr.

Trotzdem spielen Sie in Hannover Theater. Warum?
Kinalzik: Beim Theater muss man sich mehr beweisen. Ich bin manchmal richtig froh, wenn ich eine Premiere hinter mir habe. Ich bin jetzt 77 Jahre alt. Was meinen Sie, wie viele gleichaltrige Kollegen das noch können?
Battermann: Das sind sehr wenige. Ich erinnere mich da noch an einen Fall eines sehr bekannten Kollegen, der seinen Text gar nicht mehr konnte…

Sie setzen ja oft auch auf gesichtsbekannte TV-Stars bei der Besetzung Ihrer Komödien, Herr Battermann. Ist das eine Chance?
Kinalzik: Es hat einmal jemand gesagt: Das Boulevard-Theater zieht die Rest-Popularität auf die Bühne – das ist in Deutschland wohl tatsächlich so.
Battermann: Aber das ist nur in Deutschland so. In London haben Filmstars ihr eigenes Theater!
Kinalzik: Und Daniel Craig spielt mit seiner Frau Rachel Weisz am Broadway für eine weitaus geringere Gage als im Film.

A propos Film. Herr Battermann, Sie bringen durchaus Filme auf die Bühne: Einer davon war „Ziemlich beste Freunde“, in der kommenden Spielzeit wird es „Honig im Kopf“ sein. Warum?
Battermann: Wir nutzen die Popularität des Films fürs Theater. Unsere größten Erfolge in dieser Spielzeit hatten wir mit der Feuerzangenbowle, Loriot und Ekel Alfred. Die Menschen wollen das sehen, was sie kennen.

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