„Der Pokal hat mein Leben geprägt“
Pokalsieger: Kalli Feldkamp (rechts) mit seinem Frankfurter-Kapitän Lajos Detari. foto: imago

„Der Pokal hat mein Leben geprägt“

Er weiß, wie Pokalfinale geht: Karl-Heinz Feldkamp gewann dreimal mit drei verschiedenen Vereinen den Pott

Am Sonnabend (27. Mai) steigt in Berlin das DFB-Pokalfinale zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund. Einer, der sich damit auskennt, ist ein echter Pokalspezialist: Mit drei Vereinen gewann Karl-Heinz Feldkamp als Trainer den DFB-Pokal: Zum ersten Mal mit Bayer Uerdingen 1985, 1988 mit Eintracht Frankfurt und schließlich 1990 mit Kaiserslautern. Im Interview erzählt der heute 82-Jährige, warum das Berliner Olympiastadion für ihn wie ein zweites Wohnzimmer ist und welche Momente immer in Erinnerung bleiben.

Herr Feldkamp, was ist besser: das Finale aus der Ferne genießen oder doch lieber an der Seitenlinie als verantwortlicher Trainer?
Das ist was ganz anderes. Ich bin immer gern ins Olympiastadion gegangen. Und wenn man dort dreimal spielt und dreimal gewinnt, dann hat man die Atmosphäre auch verinnerlicht.

Also ist Berlin für Sie wie ein zweites Wohnzimmer?
(lacht) Ein bisschen vielleicht. Ich muss immer das erste Endspiel in den Mittelpunkt rücken. 1985 mit Bayer Uerdingen gegen den FC Bayern – es war das erste Mal, dass in Berlin gespielt wurde, und es war nicht alles vorauszuplanen. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass die Wende noch weit weg war. Die Fans beider Mannschaften mussten durch die ehemalige DDR fahren. Keiner wusste, ob das komplikationslos abläuft …

Wie sind Sie denn mit der Mannschaft hingekommen?
Wir sind damals geflogen. Wir haben von den Strapazen unserer Anhänger, die mit Bussen oder Autos gereist sind, nichts mitbekommen; das durfte mich als Trainer auch nicht beschäftigen. Ich habe das erst später für mich verarbeitet.

Es ging für Sie mit Uerdingen gegen Bayern München, den Titelverteidiger und frisch gekürten deutschen Meister. Nach einer Überraschung sah es nach dem 1:0 durch Bayerns Dieter Hoeneß in der achten Minute nicht aus …
Aber in diesem Endspiel waren wir unbekümmert, und wir haben davon profitiert, dass das Umfeld unheimlich neugierig war. Wir haben in dieser Atmosphäre den Bonus des Außenseiters genutzt, als wir nach dem Rückstand mit 2:1 in Führung gingen. Die Stimmung kippte zu unseren Gunsten.

Ihr damaliger Spieler Friedhelm Funkel sagte einmal, Ihre Mannschaft sei konditionell besser gewesen, aber ohne die Rote Karte gegen Bayerns Wolfgang Dremmler, der bereits in der 48. Minute vom Platz flog, hätten Sie die Münchner nicht geschlagen. Hat er recht?
Ja, das hat er wohl. Mein Kollege Udo Lattek hatte viele Spieler, die nichts mehr zuzusetzen hatten, als der Wind von vorne kam. Und wir sind hungriger gewesen. Damit brachten wir bei der ersten Auflage in Berlin übrigens auch das Fernsehen in Probleme.

Inwiefern?
Das ZDF hatte für die Übertragung danach alles darauf ausgelegt, aus dem Kempinski Hotel zu senden, wo die Bayern wohnten. Dieter Kürten (ZDF-Moderator, Anm. d. Red.) hatte dann gesagt, wir sollten rüberkommen – das habe ich abgelehnt. Der Sender ist dann mit Sack und Pack zähneknirschend zu uns in den Schweizer Hof. Ich wollte einfach nicht in der Lobby noch Bayern-Funktionäre sehen.

Drei Jahre später waren Sie wieder im Endspiel. Mit Eintracht Frankfurt ging es gegen den VfL Bochum. Lajos Detari entschied mit einem spektakulären Freistoß ein wenig spektakuläres Finale.
Genauso habe ich das auch in Erinnerung. In der Saison zuvor wäre die Eintracht fast abgestiegen, und 1988 sind wir Neunter gewesen, aber Bochum stand noch tiefer. Wir waren also Favorit und sind dieser Rolle nur mühsam gerecht geworden.

Zwei Jahre später standen Sie dann mit dem 1. FC Kaiserslautern schon wieder im Finale. Ein packendes Spiel gegen Werder Bremen.
Zur Halbzeit hatten wir schon 3:0 geführt. Werder kam dann auf 3:2 heran und hatte eine Riesenchance durch Manfred Burgsmüller. Beim Ausgleich wären wir spätestens in der Verlängerung eingegangen.

Aber der knappe Vorsprung hielt. Wie haben Sie die Sekunde erlebt, in der Sie auch mit Ihrem dritten Verein den Pokal gewonnen haben?
Das hat mein Leben geprägt.

Dann ging anschließend die Post ab?
Ich habe immer relativ schnell die offizielle Feier verlassen, weil ich auch spürte, dass die Mannschaft dann für sich bleiben möchte. Mein Team hatte auf dieses Finale hingefiebert. Ich habe das vorher schon im letzten Bundesliga-Spiel gemerkt, als meine Spieler immer zu spät in die Zweikämpfe kamen – niemand wollte nämlich einen Platzverweis riskieren. Es galt noch die Regel, dass damit eine Sperre im Pokal verbunden gewesen wäre.

Wenn Sie nicht lange mit der Mannschaft gefeiert haben: Wo sind Sie dann hin?
Ich habe mich zurückgezogen, denn ich hatte meist eine Suite oder einen Raum für meine Familie oder meine Freunde gemietet, oft sogar selbst organisiert. Ich wollte mit den Menschen zusammen sein, die mir am meisten bedeuten.

Wie bewahren Sie die Erinnerungen an die Siege auf? Haben Sie Nachbildungen vom Pokal bei sich zu Hause stehen?
Diese Frage ist mir oft durch den Kopf gegangen, aber ich bin kein Trophäensammler. All das, womit ich ausgezeichnet worden bin – auch die Meistermedaille mit Kaiserslautern –, habe ich an diejenigen weitergegeben, die bei den Ehrungen leer ausgehen. Beispielsweise der Busfahrer. Ich weiß noch in etwa, wer meine Plaketten hat. Mir ist wichtig, mit wem ich über solche Erlebnisse reden kann, weil wir das tief im Herzen tragen. Ich habe nicht mal ein Archiv. Es wäre bei meinen Auslandsstationen auch schwer gewesen, eine Vitrine mit allen Andenken mitzubekommen (lacht). An den Pokal werde ich mich auch so immer erinnern.

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