„Die Kunden sind genervt“
Die Kurt-Schumacher-Straße ist für den Durchgangsverkehr gesperrt – zum Leidwesen der Geschäftsleute. Foto: Haak

„Die Kunden sind genervt“

Für die Gleisbauarbeiten der D-Linie sind Straßen in der City gesperrt – Geschäftsleute haben Einbußen

Von Franka Haak
Hannover. Die Händler an der Goethestraße und an der Kurt-Schumacher-Straße haben es in diesem Sommer schwer. Beide Straßen sind gesperrt, weil die Infrastrukturgesellschaft (Infra), eine Tochter der Üstra, dort baut. Sie verlegt Gleise für die sogenannte D-Linie, die neue Streckenführung der Linien 10 und 17. „Durchgangsverkehr gibt es hier quasi nicht mehr“, sagt Sadeghi Tara von der Cocktailbar My Way an der Ecke Kurt-Schumacher-Straße/Rosenstraße. Am Wochenende mache sich das nicht so bemerkbar. „Aber unter der Woche sind wir stärker auf Laufkundschaft angewiesen. Durch die Baustelle ist da deutlich weniger los.“
Seit Beginn der Sommerferien ist die Kurt-Schumacher-Straße für den Autoverkehr voll gesperrt. Bis dahin galt dort noch eine Einbahnstraßenregelung, sodass Autofahrer in Richtung Hauptbahnhof fahren konnten. Auf der Goethestraße ist stadtauswärts zwar noch eine Spur frei, stadteinwärts ist sie aber ganz gesperrt. Die Stadtbahn macht seit dem Beginn der Sommerferien um beide Straßen einen Bogen. Das bekommt auch Siegfried Kapune, Inhaber des Angelfachgeschäfts an der Goethestraße, zu spüren. „Die Baustelle fällt genau in unsere Hauptsaison. Wir sind für unsere Kunden schlecht zu erreichen“, bedauert er. An der Goethestraße gebe es zur Zeit keine Parklätze und in den Nebenstraßen sehe es auch nicht viel besser aus. „Unsere Kunden sind sehr genervt. Sie müssen weite Fußwege in Kauf nehmen“, sagt Kapune.

Stadtauswärts ist die Goethestraße zwischen City-Ring und Goetheplatz vollständig gesperrt. Auch zu Fuß sind die Läden auf dieser Straßenseite nur schwer erreichbar. Foto: Haak

Stadtauswärts ist die Goethestraße zwischen City-Ring und Goetheplatz vollständig gesperrt. Auch zu Fuß sind die Läden auf dieser Straßenseite nur schwer erreichbar.
Foto: Haak

Die kleinen Kioske und Geschäfte, an der linken Seite der Goethestraße, vom Steintor aus gesehen, leiden besonders unter der Sperrung. Selbst für Fußgänger sind sie schwer zu erreichen. Es gibt nur einen Überweg über die Baufläche. „Wir haben etwa 70 Prozent weniger Kundschaft. Wie lange sollen wir das so schaffen?“, klagt Abb‘dulkadir Yildiz vom 63 Elektroshop. Denn die Händler müssen weiterhin ihre Mitarbeiter und die Miete für ihre Läden bezahlen. Eine Entschädigung von der Stadt oder von dem Bauträger Infra gibt es nicht.
Das Hauptproblem ist für die meisten die schlechte Verkehrsanbindung während der Bauzeit. Aber auch der Schmutz und der Baustellenlärm belasten die Geschäfte. „Wir müssen deshalb häufig die Tür schließen. Dann staut sich hier drin die Hitze von den Maschinen“, sagt Frank Philipps von der Textildruckerei Hannotex an der Kurt-Schumacher-Straße. Ali Oğlu von der Musikschule Özlem Saz an der Goethestraße überlegt sogar, für einen Monat zu schließen: „Viele meiner Schüler bleiben weg. Wegen der Baustelle ist es oft laut. Musikunterricht ist dann kaum möglich.“ Auch für die Internetcafés an der Goethestraße ist der Lärm ein Nachteil. „Die Geräusche von der Baustelle stören unsere Kunden, wenn sie in Ruhe im Internet surfen oder telefonieren wollen“, sagt Hinderin Abdi.
Die Straßenbahn wird nach den Sommerferien wieder die gewohnte Strecke fahren. Ende August soll die Goethestraße dann auch für den Autoverkehr wieder freigegeben werden – ein Lichtblick für viele Händler. Die Läden an der Kurt-Schumacher-Straße müssen noch länger durchhalten. Erst Ende November zum Weihnachtsgeschäft soll die Straße wieder freigegeben werden.

Welche Folgen hat die Baustelle für Ihren Laden? (Umfrage und Fotos: Franka Haak)
Thi_Phan_Pham_2

Thi Phan Pham (Asia Mekong Hannover)
Seit Ferienbeginn ist es durch die Vollsperrung noch schlimmer geworden. Es kommen hier nur noch wenige Menschen vorbei. Für unseren Verkauf ist das ein Problem. Die Baustelle ist geschäftsschädigend.

Torsten_Rzepka_2

Torsten Rzepka (Schlüsseldienst Bäte)
Als Schlüsselgroßhandel merken wir das kaum. Die Schlüsseldienste, die bei uns einkaufen, brauchen ihre Ware schließlich so oder so. Sie kommen trotz der Baustelle. Aber für die meisten anderen an der Goethestraße ist es schwierig. Da geht ja nichts mehr.

Siegfried_Kapune_1

Siegfried Kapune (Angelgeräte Kapune)
Die Baustelle fällt in unsere Hauptsaison. Vom Hauptbahnhof fährt jetzt keine Straßenbahn mehr hierher. Und auch mit dem Auto sind wir schlecht zu erreichen. An der Goethestraße gibt es gar keine Parkplätze und auch in den Nebenstraßen sieht es schlecht aus.

Sadeghi_Tara_1

Sadeghi Tara (My Way)
Obwohl Flächen für die Baufahrzeuge abgesperrt sind, parken sie teilweise auch noch vor unserer Tür. Das stört den Lieferverkehr. Die Baustelle wirkt sich auch auf unsere Umsätze aus. Vor allem unter der Woche ist weniger los.

Ali_Oglu_1

Ali Oglu (Musikschule Özlem Saz)
Meine Musikschule ist schlecht zu erreichen. Außerdem bleiben viele Schüler wegen des Baulärms weg. Musikunterricht ist unter den Bedingungen nur schwer möglich.

Frank_Philipps_1

Frank Philipps (Hannotex)
Zum Glück sind wir schon seit zehn Jahren hier und haben viele Stammkunden. Sonst sähe es schlecht aus. Aber auch so haben wir Umsatzeinbußen. Außerdem beeinträchtigen Lärm und Schmutz die Arbeitsatmosphäre.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.