Die Pfeile fliegen wieder
Eine bunte Truppe: Die Ricklinger Moskitos in der Gaststätte „Alt-Ricklingen“.

Die Pfeile fliegen wieder

Seit mehreren Jahren ist der Darts-Sport im Aufwind / Zur Zeit läuft die WM in London

Aus dem Kellerraum in der Gaststätte „Alt-Ricklingen“ dringt ein leises „Plop, plop, plop“. Alle paar Sekunden begleitet von einer kurzen Melodie. Es ist Training bei den E-Dartsspielern der Ricklinger Moskitos. Auf dem Fernseher an der Wand läuft die Übertragung der WM aus dem Londoner Alexandra Palace. Bis zum 2. Januar fliegen dort wieder die Pfeile.
Obwohl dank des Fernsehens viel Geld bewegt wird, haftet dem Sport immer noch ein Kneipenimage an. Eigentlich stimmt das gar nicht mehr. Etwa 1 500 organisierte Spieler (www.vdhev.de) gibt es in Hannover. „Der Darts-Sport ist seit fünf bis sechs Jahren im Aufwind“,  betont Stefan Weber vom DC Treffnix.
Seit 2013 gibt es sogar eine E-Dart-Bundesliga. Im Gegensatz zum Steel-Darts (Variante bei der WM) wird hier mit einem Automaten gespielt, der die Punkte zählt. Neben den Treffnix sind die DU Undertaker, die Erzengel und Aufsteiger Ricklinger Moskitos unter den neun Clubs in der Nordstaffel dabei. Die Gegner kommen unter anderem aus Kiel und Köln. Neben dem Zeitaufwand „sind das erhebliche Fahrtkosten“, sagt André Gross, der Kapitän der Moskitos.
Um Kosten zu sparen, reiste man zur Deutschen Meisterschaft am letzten Novemberwochenende in Kalkar erst zum Beginn am Freitag an. Abfahrt in Hannover um 4.30 Uhr. „Der Schlaf fehlt“, erklärt Moskito Steffen Siepmann. Das ist ein Nachteil, zumal über den ganzen Tag die Konzentration hoch gehalten werden muss. Siepmann gelang das allerdings gut. Am Ende schnappte er sich den Vizetitel.
Derweil klingelt der Darts-Automat wie eine Musikbox. Einer der Spieler hat eine 180 geworfen. Bei der WM im „Ally-Pally“ würde der berühmte Caller Russ Bray jetzt mit einem „Oooonehuuuun-dredandeeeeeiiightyyy“ die Stimmung anheizen. Karten für die WM sind zwar kaum zu bekommen, doch Stars wie James Wade, Dave Chisnall, Roland Scholten, Justin Pipe und Bray durften die Hannoveraner im September im Hangar No.5 hautnah erleben. „Das war klasse“, schwärmt Moskito Hans-Peter Pape. Das faszinierende am Spiel sind für ihn die „Eins gegen eins-Duelle“. Wenn die Pfeile fliegen, ist der Ehrgeiz groß: „Am Board will ich die Gegner verhauen“, ergänzt Sven Jürges von den Undertakern und lacht. Fairness wird jedoch großgeschrieben. Wenn der Automat einen Pfeil falsch zählt, einigen sich die Spieler. Man versteht sich. „Spaß und Kameradschaft sind wichtig“, betont Erzengel-Kapitän Carsten Busch.
Die Sympathien für die Stars sind indes verteilt. Den Weltranglistenersten Michael van Gerwen (Niederlande) mag Busch nicht: „Der sieht aus wie ein Werwolf. Ich gucke lieber Phil Taylor.“
Wenn die Darts-Legende aus England am 20. Januar ins „RP5 Stage“ am Raschplatz kommt, werden die Ricklinger fehlen. Tags drauf ist Bundesliga in Kiel. „Unser Zug fährt um 7 Uhr“, bedauert Gross. dv

Darum geht es beim Darts

Das Spiel: Jeder beginnt mit 501 Punkten (häufigste Variante). Es gibt Einzel-, Doppel- und Triple-Felder. Es gewinnt, wer mit genau Null Punkten abschließt. Beendet werden muss das Spiel mit einem Treffer auf ein Doppelfeld oder das sogenannte Bulls Eye.
Varianten: Gespielt werden Steeldarts (wie bei den Profis) und Elektronikdarts (Kunststoffscheiben). „Wie Slalom und Riesenslalom beim Skilaufen“, sagt Hans-Peter Pape von den Moskitos.
(Erst-)Ausstattung: Ein (Dart)-Board und drei Darts kosten etwa 100 Euro. Es gibt auch teurere Pfeile, das Dreierset für 80 Euro.
Pfeile: Bestehen aus einer Wolfram-Nickel-Legierung und haben ein Gewicht von 12 bis 26 Gramm. dv

Treffsicher am Dortboard: Steffen Siepmann wirft die Pfeile für die Ricklinger Moskitos. Fotos: dv

Treffsicher am Dortboard: Steffen Siepmann wirft die Pfeile für die Ricklinger Moskitos. Fotos: dv

Vereine in Hannover

DU Undertaker, im Darts-Tempel  Spichernstraße (List), vier E-, zwei Steelmannschaften,  40 Mitglieder, Training Dienstag, Kontakt: Sven Jürges (0176) 84 64 90 14
Ricklinger Moskitos, in der Gaststätte „Alt-Ricklingen“, zwei Mannschaften, 20 Mitglieder. Training: Donnerstag, Kontakt: André Gross, andreundvera@t-online.de
Erzengel, Kleingartenverein Burgland in Vinnhorst, zwei Mannschaften, 15 Mitglieder, Training: Donnerstag, Kontakt: Carsten Busch, carstenbusch61@gmx.de
DC Treffnix, in der Gaststätte San Francisco in Letter, eine Mannschaft, sechs Spieler, Training Mittwoch, Kontakt: Stefan Weber, (0151) 15 55 98 31. dv

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