Die Ringmacherin
Sie entschied den Wettbewerb für sich: Petra Marklein-Paas in ihrer Misburger Werkstatt.

Die Ringmacherin

Goldschmiedin Petra Marklein-Paas gewinnt Wettbewerb für den Leibniz-Ring

Von Franka Haak
Hannover. Beim Anruf sind Petra Marklein-Paas vor Glück die Tränen gekommen. Damit hätte die Misburger Goldschmiedin nicht gerechnet: Zum zweiten Mal hat sie den Goldschmiede-Wettbewerb für den Leibniz-Ring gewonnen. Die Jury hat den von ihr gefertigten Ring für den diesjährigen Preisträger Peter Maffay ausgewählt. „Meine Auszubildende hat sofort eine Flasche Sekt aufgemacht, um mit mir anzustoßen“, sagt sie. Gestern ist sie ausgezeichnet worden.

Über die Auszeichnung freue sie sich nicht nur wegen des damit verbundenen Preisgeldes und Renommees. „Der Ring wird somit Peter Maffay übergeben, also dem Menschen, für den ich ihn geschaffen habe“, so Marklein-Paas Die Verleihung des Rings sei für sie deshalb der krönende Abschluss: Erst wenn Maffay sich den Ring über den Finger streife, sei der Prozess für sie richtig abgeschlossen. Denn gerade darin sieht sie das Besondere an Schmuck: „Es ist keine Trophäe, die im Regal steht. Schmuck soll am Körper getragen werden und den Menschen in seiner Persönlichkeit unterstützen“, betont die Goldschmiedin. Deshalb habe sie dem Ring für Maffay auch ein Lederband beigelegt. So könne der Rock-Musiker den ihn nicht nur am Finger, sondern auch als Kette am Hals tragen.
Die Misburger Goldschmiedin hat sich in diesem Jahr zum zweiten Mal an dem hochdotierten Wettbewerb beteiligt. Vor zwei Jahren hatte Marklein-Paas zum ersten Mal einen Ring eingereicht und konnte die Jury auf Anhieb überzeugen. Ihre Anfertigung wurde als Siegerring für den Neurochirurgen Professor Madjid Samii ausgewählt. Im vergangenen Jahr saß Marklein-Paas dann in der Jury und war an der Auswahl des Rings für Rita Süssmuth beteiligt. Eine erneute Jury-Mitgliedschaft lehnte sie in diesem Jahr ab. „Es hat mir in den Fingern gekribbelt, ich wollte dieses Mal wieder selbst einen Ring einreichen“, begründet Marklein-Paas.
Überrascht von der Vielseitigkeit
Doch bis der Ring für Peter Maffay fertig war, war es ein langwieriger Prozess. Maffay sei ihr vor allem als Musiker bekannt gewesen. „Ich kannte Hits wie ‚Und es war Sommer‘“, so Marklein-Paas. Für den Leibniz-Ring habe sie sich dann intensiv mit dem Preisträger beschäftigt. „Ich war überrascht, wie vielseitig er ist“, sagt sie. Mit einem Mal kam ihr ein Leibniz-Zitat in den Sinn: Omnia at Unum – Alles in einem. Sie hat es auf der Rückseite des Rings eingraviert.
Die Worte stellen für sie nicht nur eine Verbindung zwischen dem diesjährigen Träger und dem Namensgeber des Preises her. Sie wurden auch zum Leitgedanken ihrer Arbeit: Die Goldschmiedin hat acht Symbole ausgewählt, die jedes für sich einen Aspekt von Maffays Persönlichkeit ausdrücken: beispielsweise ein Herz, eine Brücke und den Drachen Tabaluga. Ein kleines Fenster an der Vorderseite des Rings gibt den Blick auf eines der Bilder frei; die übrigen sind verdeckt. Ein drehbarer Mechanismus ermöglicht es, sie abwechselnd sichtbar zu machen. Genau so sei es auch mit dem Menschen Peter Maffay. „Er ist so vieles zugleich, in einer Person“, sagt Marklein-Paas. Mal trete er als Sänger auf, dann engagiere er sich mit seiner Stiftung für Kinder: „Es ist nicht alles zugleich sichtbar, aber all das ist immer in ihm drin.“
Die Begeisterung ist Marklein-Paas anzumerken, wenn sie über Maffay spricht. „Am meisten fasziniert mich, dass er so viel bewegt, und um sich selbst so wenig Aufhebens macht“, schwärmt sie. Maffay nutze seine Popularität, um denen eine Stimme zu geben, die ihre selbst nicht mehr erheben können. Ihre Begeisterung habe sie in dem Schmuckstück umgesetzt.
Etwa vier Monate lang hat sie sich mit der Goldschmiede-Arbeit beschäftigt. Peter Maffay und der für ihn bestimmte Ring seien während dieser Zeit immer präsent gewesen. „Meine Idee hat sich komplett in meinem Kopf formiert, es gab keine technische Zeichnung“, sagt Marklein-Paas. Die reine Bauzeit habe dann nur etwa zweieinhalb Wochen gedauert. Es sei alles Handarbeit, ein Lasergerät setze sie nicht ein. Auch die kleinen Symbole im Format acht mal acht Millimeter habe sie per Hand ausgesägt. „Dass ich alles per Hand mache, ist vielleicht auch ein wenig mein Trotz“, sagt die Goldschmiedin. Denn ihr rechter Arm ist aufgrund einer Verletzung des Nervengeflechts kürzer als der linke und in der Bewegung eingeschränkt. Viele hätten ihr deshalb zu einem Bürojob geraten. „Aber ich wollte unbedingt handwerklich und kreativ arbeiten“, erinnert sie sich. Ihr sei damals aufgefallen, dass sie mit Metall besser arbeiten konnte, als mit leicht verformbaren Materialien. Nach vielen Zurückweisungen fand sie schließlich eine Lehrstelle bei einem Goldschmied. Bereut hat sie ihre Berufsentscheidung nie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.