Die weißen Tauben sind Möwen
Mike Krüger sagt „Das Leben ist oft Plan B“. Foto: cle

Die weißen Tauben sind Möwen

Mike Krüger spricht über sein Buch, seinen Plan B und das Geheimnis seiner langen Ehe

von Clemens Niehaus

Mike Krüger hat mit Songs wie „Mein Gott, Walther“, „Der Nippel“ und „Bodo mit dem Bagger“ ganze Generationen geprägt, er war zusammen mit Thomas Gottschalk eine der beiden „Supernasen“ im Kino  und Ensemblemitglied bei „7 Tage, 7 Köpfe“. Mit seinem Buch „Mein Gott, Walther – Das Leben ist oft Plan B“, ist jetzt die Biografie von Mike Krüger erschienen.

Als Barbara Schöneberger anfing zu singen hieß es „jetzt singt sie auch noch“ – bei Mike Krüger muss es ja jetzt heißen „jetzt schreibt er auch noch“. Warum jetzt eine Biografie?
Es war ja ein schöner Anlass – nämlich mein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Das Angebot war zwar schon lange da, aber ich bin nicht so ein Typ, der mit 30 seine Biografie schreibt. Aber mit dem hohen Alter von 63 Jahren ist das natürlich etwas anderes. Außerdem hatte ich mir 2014 freigeschaufelt für das Buchprojekt und habe freudig erregt festgestellt, dass ich auch genau die Zeit gebraucht habe.

Ist das Buch 100 Prozent Mike Krüger, oder gab es einen Ghostwriter?
Ich habe das Buch zusammen mit meinem Freund Till Hoheneder – mit dem ich auch meine Bühnenprogramme entwickle – geschrieben. Und das war auch gut so, denn Till hat mich manches Mal gebremst und Textpassagen, die etwas zu ausführlich gerieten, gekürzt oder gestrichen. Ursprünglich war das Buch dreimal so dick.

Es gibt also noch Material für einen zweiten Teil?
Das wird nicht passieren. Ich werde jetzt keine Enthüllungsbiografie nachlegen. Wer etwas über mein Leben lesen will, muss sich schon auf dieses Buch beschränken.

Sie schreiben in Ihrem Buch von ihrer Kindheit, und ihrer Zeit im Internat die ja nicht so wirklich leicht war – war Humor da eine Art Überlebensstrategie?
Humor kann auf jeden Fall helfen. Im Internat herrschte eine sehr starke Hackordnung, die von Gewalt geprägt war. Und da blieb nur die Möglichkeit, selber gewalttätig zu werden, oder man kann versuchen, das mit Humor zu nehmen und vielleicht dadurch Freunde zu kriegen, dass man lustiger ist als die anderen. Und da das bei mir funktioniert hat, hab ich vielleicht im Unterbewusstsein gemerkt, dass man mit Humor auch Erfolg haben kann. Wenn man fröhlich auf die Leute zugeht, ist es meistens so, dass man auch eine fröhliche Reaktion zurückbekommt.

Zieht man mit 63 Bilanz vor den Hintergrund, dass einem nicht mehr so viel Zeit bleibt?
Ich bin kein Mensch, der darüber nachdenkt, wie viel noch bleibt, ich lebe immer lieber in der Gegenwart. Im Leben kann soviel passieren, dass ich über die „Restzeit“ nicht nachdenke. Der Untertitel heißt ja nicht zu Unrecht „Das Leben ist oft Plan B“.

„Mein Gott, Walther“ ist nicht nur einer ihrer größten Hits, sondern auch Titel des Buches. Gab es keine andere Titelalternative, als einen über 40 Jahre alten Hit?
Doch, es gibt ganz viele andere Titel, aber die sind alle als Kapiteltitel im Buch verarbeitet. „Wie ich wurde, was ich blieb“, zum Beispiel, oder „Bleib bei mir, wenn ich komme“ und „Die weißen Tauben sind Möwen“ – das wäre auch mein Lieblingstitel für das Buch gewesen. Der Verlag meinte aber, es wäre schön, wenn man einen Titel nähme, den jeder kennt. Und da ich mich persönlich in der Werbung auskenne, habe ich sofort erkannt, was mir der Verlag damit sagen wollte und habe dem jetzigen Titel natürlich begeistert zugestimmt.

Wie sehr nervt es Sie, wenn man Sie immer noch mit 35, 40 Jahre alten Songs in Verbindung bringt? Sie haben im Laufe der Jahre ja viel mehr gemacht.
Das nervt mich überhaupt nicht. Die Leute können mich gerne auf meine Hits reduzieren. Wenn das eine Reduktion ist, dann gefällt sie mir sehr gut. Und ich freue mich besonders, wenn mich heute junge Mütter auf der Straße ansprechen und sagen ‚Herr Krüger, ich muss Sie mal kurz sprechen, unsere letzte Urlaubsfahrt hat schon sehr genervt‘ – dann weiß ich schon worum es geht, nämlich um „Bodo mit dem Bagger“.

Die Unterzeile „Das Leben ist oft Plan B“  impliziert auch einen Plan A. Wie sah der bei Ihnen aus?
Ich hatte einen sehr genauen Plan A. Ich hatte Betonbauer gelernt und wollte mit meinem praktischen Wissen wie Bagger fahren, Wände mauern und Betondecken schütten auch noch Architektur studieren. Und wenn „Mein Gott, Walther“ nicht gekommen wäre, wäre ich heute Architekt.

Was ein Leben ohne Rampenlicht bedeutet hätte. Können Sie sich das heute noch vorstellen?
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ich wäre auch ohne Rampenlicht gut klargekommen. Und wenn ich sehe, was viele gute Architekten zur Zeit an schönen Häusern bauen, hätte ich gehofft, dass ich mich da hätte einreihen können. Ich lese auch heute noch Architekturzeitschriften oder kaufe mir interessante Bücher über Architekten. Ich sehe mir gerne tolle Häuser an. Ich bin auch ein Fan der Elbphilharmonie, weil ich finde, dass das eine sensationelle Architektur ist. Ich habe mich mit dem Thema schon etwas länger beschäftigt und war auch zufällig der erste, der da schon drin gesungen hat – da war sie noch im Rohbau.

Was haben Sie da gesungen?
Da habe ich für den NDR ein umgetextetes Lied auf die Elbphilharmonie gesungen. Damit liegt die Latte für alle nachfolgenden Künstler natürlich sehr hoch.

In 40 Jahren Showbusiness gab es keine großen Skandale bei Ihnen – wie kommt das?
Ich habe ja nicht nur 40-jähriges Bühnenjubiläum, sondern bin gleichzeitig auch seit 40 Jahren verheiratet. Und als ich damals das erste Mal einigermaßen vernünftig Geld verdient habe, habe ich meine damalige Freundin gefragt, ob sie nicht Lust hätte, mich zu heiraten.

Das klingt nicht nach Rock‘n‘Roll – ist Mike Krüger privat eher langweilig?
Mike Krüger ist im Privaten der erotischste, aufregendste, lustigste Ehemann den man sich weltweit vorstellen kann – deshalb ist meine Frau auch immer noch mit mir zusammen.

Wie schafft man das im Showbusiness, so lange verheiratet zu sein?
Erstmal muss man natürlich eine Frau haben, die da mitzieht. Meine Frau ist ja gleichzeitig auch meine oberste Managerin und damit quasi Chef des Unternehmens Krüger. Und sie muss natürlich sehr tolerant sein und sich damit abfinden, dass ihr Mann zwei Drittel des Jahres nicht zuhause ist. Da meine Frau wusste, was ich tue und sogar daran mitgearbeitet hat, hat sich das alles super ergänzt. Und zufällig war sie auch noch meine große Liebe. Sie hat mir den Rücken freigehalten, unsere Tochter erzogen und das gesamt Homeoffice gemanagt – und dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Das Buch „Mein Gott, Walther – Das Leben ist oft Plan B“ ist im Buchhandel erhältlich.

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