Ein Elfmeterkick ins Glück
Eiskalt vom Punkt: Salif Sané trifft in der letzten Minute der Verlängerung per Elfmeter zum 3:2. Foto: deisterpics

Ein Elfmeterkick ins Glück

Hannover 96 übersteht die erste Runde im DFB-Pokal – Freitag geht es zum VfL Bochum

Hannover. Das war verdammt knapp. Als schon alle mit einem Elfmeterschießen rechneten, da entschied ein Elfmeter in der Schlussminute der Verlängerung die Partie: Der eingewechselte Salif Sané lief an, verwandelte sicher und verschwand wenig später in einer Jubeltraube hannoverscher Spieler. Fußball-Zweitligist Hannover 96 hatte mit 3:2 nach Verlängerung beim Viertligisten Offenbacher Kickers gewonnen und sich in die zweite Runde des DFB-Pokals gezittert.
Sané war der Mann des Abends, auch vor dem Anpfiff. Seine anfängliche Nicht-Berücksichtigung sorgte für Gesprächsstoff. „Es war eine rein sportliche Entscheidung für Fynn Arkenberg, und für mich auch die richtige“, sagte Trainer Daniel Stendel später. „Am Ende war ich froh, dass Salif da war.“
Mit Ruhm hat sich 96 wahrlich nicht bekleckert. Vielmehr konnte einem der unterlegene Regionalligist leid tun. Er hatte vor 10 573 Zuschauern einen beherzten Auftritt hingelegt und die „Roten“, denen jegliche Souveränität abging, lange am Rande einer Niederlage gehabt. Es war riesiges Glück für 96, dass es anders kam.
Dabei hatte es anfangs nach einem hannoverschen Spaziergang ausgesehen. 96 war das Spiel seriös angegangen, war in den Zweikämpfen schnell da. Und nach nicht einmal drei Minuten traf Martin Harnik zum 1:0 für die selbstbewusste Elf. So, jetzt geht es nur noch um die Höhe des Ergebnisses, mag sich manch hannoverscher Fan gedacht haben. Und dieser Gedanke wurde noch verstärkt, als Felix Klaus zum 2:0 
(22. Minute) traf. Die nächste Runde ist erreicht, was soll da noch schiefgehen?
Aber im Gefühl der sicheren Überlegenheit schlichen sich einige Unachtsamkeiten ein. Einige zu viel. Man ließ die OFC-Spieler häufiger Flanken, war in den Zweikämpfen nicht mehr giftig genug. Es war Stendel deutlich anzusehen, dass ihm das überhaupt nicht gefiel. Als dann Serkan Firat mit einem unhaltbar abgefälschten Freistoß zum Anschluss traf, da wurde es im schmucken Sparda-Bank-Hessen-Stadion noch lauter.
Die zweite Halbzeit hatte mit einem Kontrastprogramm zur ersten begonnen. Und das war gar nicht gut für die Gäste. Erst vergab Niclas Füllkrug eine große Chance zum vorzeitigen 3:1, als er, wie viele 96er meinten, elfmeterreif vom Ball getrennt wurde. Nahezu im Gegenzug sah Waldemar Anton, wegen der anfänglichen Nichtberücksichtung Sanés am Montag Abwehrchef, die Rote Karte, weil er Dren Hodja unfair zu Fall gebracht hatte. Zu allem Überfluss verwandelte dann Firat den fälligen Freistoß auch noch direkt zum 2:2 (49).
Danach wurde es ein wahrlich nicht gutes, aber packendes Kampfspiel. 96 verlor völlig die Kontrolle. Vieles wirkte halbherzig und wenig durchdacht. Füllkrugs Chance war bis in die Verlängerung hinein sogar die letzte für 96. Plötzlich hatten die Kickers auch die spielerisch besseren Aktionen.
Egal, Hauptsache eine Runde weiter werden sich Stendel & Co. denken und Hannover 96 darf nun auf einen attraktiven Gegner hoffen in Runde zwei, die am Freitagabend ausgelost wird.
Doch vorher müssen die Roten wieder zum Zweitligalltag zurückkehren. Bereits Freitag steht die nicht minder schwere Auswärtspartie beim VfL Bochum (Anstoß 18.30 Uhr) auf dem Programm, die sich im Pokal bei FC Astoria Walldorf (3:4 nach Verlängerung) blamierten. Die Truppe von VfL-Coach Gertjan Verbeek dürfte auf Wiedergutmachung brennen vor den eigenen Fans und das sollte für 96 Warnung genug sein, um nicht ins offene Messer zu laufen. Schnelle Regenaration ist jetzt angesagt, um die 120 Minuten in Offenbach aus den müden Beinen zu bekommen. Zur Not muss halt Sané wieder mit einer Sahne-Aktion herhalten – warum nicht…

jg/ck

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