Ein folgenschwerer Abstieg
Es werden weniger: Hannover 96 rechnet in der 2. Liga mit geplanten 25 000 Zuschauern pro Spiel. Foto: deisterpics

Ein folgenschwerer Abstieg

96 spielt nicht mehr in der 1. Liga – Das hat auch Auswirkungen für die Stadt Hannover

Von Thomas Oberdorfer

HANNOVER. Schluss mit 1. Liga: Am Sonnabend, Punkt 17.20 Uhr, ist Hannover 96 kein Bundesligist mehr. Eine ganz bittere Situation für die Stadt, findet Hans Christian Nolte, Geschäftsführer der Hannover und Tourismus GmbH. „Der Abstieg bringt einen enormen Image-Verlust mit sich. Ob China, Amerika oder Australien – die Bundesliga ist überall Thema. Weltweit. Und damit war auch Hannover 14 Jahre lang Woche für Woche in den Medien präsent, und sei es auch nur in der Tabelle. Das wird fehlen“, ist sich Nolte sicher.
In Zahlen lassen sich diese Einbußen nicht fassen. Noch nicht. Ganz anders als beim Etat des künftigen Zweitligisten. Der wird von 80 Millionen Euro in dieser Saison auf „voraussichtlich 35 Millionen Euro“ in der nächsten Spielzeit zusammengestrichen, sagt Christian Bönig, Leiter Medien und Kommunikation bei 96. Verabschiedet ist das Zahlenwerk noch nicht, aber es fehlen vor allem Fernsehgelder in Millionenhöhe. Zudem rechnet der Verein mit weit weniger Besuchern im Stadion. Statt durchschnittlich 42 000 Zuschauer in den 17 Heimspielen in dieser Saison, kalkuliert 96 für die kommende Spielzeit mit lediglich „25 000 Besuchern“ pro Partie in der HDI Arena, sagt Christian Bönig.

Christian Bönig, Leiter Medien und Kommunikation bei Hannover 96. Foto: r

Christian Bönig, Leiter Medien und Kommunikation bei Hannover 96. Foto: r

Einbußen für die Geschäftswelt

Der Abstieg von Hannover 96 in die 2. Liga: Polizei hofft auf weniger Einsatzpersonal

Fortsetzung

Doch nicht nur die Kicker von Hannover 96 müssen den Gürtel enger schnallen, auch der hannoverschen Geschäftswelt drohen Einbußen. Bayern, Dortmund oder auch Bundesligadino Hamburger SV – die Großen der Branche werden künftig einen weiten Bogen um die Leinemetropole machen. Stattdessen laufen mit den Fußballern von Sandhausen oder Heidenheim nicht unbedingt die Publikumsmagneten im Stadion am Maschsee auf und bringen dabei auch noch weit weniger eigene Fans mit als die mit Stars gespickten Vereine aus dem Fußball-Oberhaus.
Das sorgt für ein Minus in den Kassen der City-Geschäfte. Denn viele Fußballfans nutzten den Stadionbesuch zu einem kleinen oder auch ausgiebigen Einkaufsbummel in den Innenstadtläden.
Nicht so schlimm wird es die Hoteliers erwischen. Ganze 154 000 Euro gaben auswärtige Fußballfans im vergangenen Jahr für Übernachtungen in Hannover aus, hat die Internetseite „GoEuro.de“ ermittelt. Eine Summe die zu verschmerzen sein dürfte, angesichts von „2,02 Milliarden Euro touristischen Gesamtumsatzes in der niedersächsischen Landeshauptstadt“, erläutert Marketing-Chef Hans Christian Nolte.
Auf schwerere Zeiten stellen sich auch Hannovers Taxiunternehmer ein. Rund 50, bei ausverkauftem Haus auch schon einmal bis zu 100 Droschken stehen pünktlich zum Schlusspfiff vor der HDI Arena und warten auf Gäste. Jeder Fahrer kann dann mit mehreren Touren rechnen. „Bis die letzten Fußballfans aus dem VIP-Bereich das Stadion verlassen und nach Hause gebracht werden wollen, kann es schon mal 21 Uhr werden. Wir rechnen in der nächsten Saison mit weniger Fahrten“, sagt Michael Frenzel, für Taxis zuständiger Vorstand beim Niedersächsischen Gesamtverband Verkehrsgewerbe. Das Taxiunternehmen 3811 will trotzdem an seiner Praxis festhalten und zwei bis drei Mitarbeiter an jedem Spieltag vor dem Stadion einsetzen, um an- und abfahrende Droschken zu koordinieren, kündigt Frenzel an.
Aber es gibt auch einen Bereich, in denen die zu erwartende Arbeitsreduzierung den Mitarbeitern keine Sorgenfalten auf die Stirn treibt: bei der Polizei. „Wir können zwar noch keine Aussagen zum Personalbedarf und damit zu den Kosten für unsere Zweitliga-Einsätze machen“, erklärt Sprecher Holger Hilgenberg. Klar ist, dass ein Spiel gegen Braunschweig einen hohen Aufwand für die Beamten bedeutet, „aber das ist auch nur ein Spiel in der Saison, andere werden sicher ruhiger“, sagt Hilgenberg weiter.
Einen Wunsch eint aber letztlich alle: „Wir hoffen, dass die Roten schnellstens wieder in die 1. Liga aufsteigen, das wäre sicher das Beste für Hannover“, bringt es Marketingchef Nolte auf den Punkt. tob

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