Ein Heimspiel in Hannover
Ein Mann, eine Gitarre. Wolfgang Niedecken ist mit seiner neuen Duesenber-Gitarre zu Gast auf dem Roten Sofa. Fotos (2): Oberdorfer

Ein Heimspiel in Hannover

Wolfgang Niedecken: „Ein Caruso bin ich ja nicht gerade“ / Das Rote Sofa

Wolfgang Niedecken kommt schwer bepackt zum Interviewtermin. „Ich war noch eben einkaufen“, erzählt er und präsentiert seine neue Duesenberg-Gitarre. Gut gelaunt nimmt er auf dem Roten Sofa Platz und stellt sich den Fragen von hallo Wochenende-Redakteur Clemens Niehaus.

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Herr Niedecken, als wir uns das letzte Mal getroffen hatten – bei Tietjen und Hirschhausen – hatten sie gerade ihren Schlaganfall überwunden und einen Echo für ihr Lebenswerk bekommen…
Wolfgang Niedecken: … und wie der Udo (Lindenberg, Anm. d. Red.) schon sagte, ‚hinter‘m Lebenswerk gehts weiter‘…
Und, ging es weiter?
Ja, klar (lacht). Es ging super weiter. Nach dem halben Jahr Pause, die ich wegen des Schlaganfalles im November 2011 einlegen musste, haben wir die ausgefallenen Tour nachgeholt. Anschließend habe ich in den USA mein Soloalbum aufgenommen – mit amerikanischen Musikern. Die Erfahrungen da waren auch richtungsweisend für BAP. Das war schon immer so, wenn ich ein Soloalbum aufgenommen hatte, hatte BAP immer am meisten davon.
Klingt die neue Platte „Lebenslänglich“ deshalb so amerikanisch?
Ja, das kann man sagen. Das hat sich alles wunderbar organisch entwickelt. Nach dem Soloalbum mit Songs, die ich in den vergangenen 25 Jahren für meine Frau geschrieben hatte, kam unsere „BAP zieht den Stecker“-Tour. Die dann wieder richtungsweisend für das aktuelle Album war. Abgemischt wurde „Lebenslänglich“ in New York vom selben Menschen, der mein Soloalbum aufgenommen und abgemischt hatte.
Sie malen ja auch – ist Songschreiben ein bisschen wie Malen?
Das stimmt, das ist wirklich wie Malen. Ich hab mal in einem Haus gewohnt, da war der Raum, wo Musik gemacht wurde, im Keller, und mein Atelier war im Parterre. Da wusste ich morgens nicht, ob ich es bis in den Probenraum schaffte oder ob ich im Atelier hängen bleiben würde. Aber mein eigentlicher Beruf ist ja weder Maler noch Musiker – mein eigentlicher Beruf ist Geschichtenerzähler.
Auf dem Cover steht „Sänger“ – ist das nicht untertrieben?
Das ist sogar ÜBER-trieben (lacht). Das Motiv haben wir im  Laufe der Jahre drei Mal verwendet. Es fing 1978 an mit einem Soloplakat an, zehn Jahre später haben wir es nochmal fotografiert und jetzt wieder. Und über das Brett, was ich da halte, haben wir uns damals schon beömmelt. Von wegen ‚ich und singen‘. Ich meine, ein Caruso bin ich ja nicht gerade (lacht).
Sie möchten die Zitate gegenlesen und einen Blick auf die Fotos werfen – sind Sie ein Kontrollfreak?
Nee, eigentlich überhaupt nicht, aber ich stelle fest, wenn ich es nicht tue, kotzen die Pferde vor der Apotheke. Besser ist es wirklich, wenn ich einen Blick drauf werfe, denn ich erkenne die Fehler ja. Der Stern hat kürzlich zur aktuellen Tour geschrieben, das sei meine erste Tour nach dem Schlaganfall – das stimmt natürlich überhaupt nicht.
Ärgern Sie sich darüber?
Ja, das nervt. Ich geb‘ mir ja auch Mühe, und will es ordentlich machen. Beim Interview kommt es ja nicht nur auf die Länge an, sondern auch auf den Inhalt. Ich will ja, dass es gut wird (lacht).
Ende vergangenen Jahres und zu Beginn diesen Jahres sind viele Musiker gestorben – denkt man da auch über den Tod nach?
Über den Tod nachgedacht hab ich nach meinem Schlaganfall – und ich weiß natürlich, dass mir soo viel Zeit nun auch nicht mehr bleibt. Wir waren in Berlin und haben unser Album promotet, als David Bowie starb. Das war eine gespenstische Stimmung dort. Überall hingen die großen Plakate mit dem schwarzen Stern drauf und es hatte gerade geschneit, es war nebelig – ganz Berlin sah aus wie eine riesige Totenanzeige. Das war irre. Das war eine Atmosphäre, die ich nie vergessen werde.
Am 19. Mai spielen sie in Hannover. Sie haben Gitarren aus Hannover, Musiker aus Hannover – ist das ein bisschen eine Art Heimspiel?
Ein Heimspiel (lacht), gute Idee – ein Heimpiel in Hannover. Die Furys sind Freude von mir, die beiden Wingenfelder-Brüder auch, und ich kenne sogar welche von den Scorpions (lacht). Ach ja, und wir spielen die beliebtesten Lieder aus der 40-jährigen Bandgeschichte.

Interview: Clemens Niehaus

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Wolfgang Niedeckens BAP
spielen am 19. Mai, 20 Uhr, in der  Swiss Life Hall. Karten gibt es an den bekannten VVK-Stellen. Wir verlosen 5 x 2 Karten. Anruf bis zum 30. April unter Telefon (0137) 97 96 450-03. Der Anruf kostet 50 Cent aus dem Festnetz, mobil deutlich teurer.

 

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