Ein Herz für Europa
In Deutschland demonstrierten am vergangenen Wochenende – wie hier in Hannover – zahlreiche Menschen für Europa. Foto: Kutter

Ein Herz für Europa

Unter dem Motto „Pulse of Europe“ demonstrieren Tausende Sonntag für Sonntag

Sonntag für Sonntag verwandelt sich der Gendarmenmarkt im Herzen Berlins in ein Meer aus blauen Bannern mit gelben Sternen. Der Burgplatz in Düsseldorf auch, der Dresdner Neumarkt, der Goetheplatz in Frankfurt am Main, der Jesuitenplatz in Koblenz, der Stockhof in Hameln, die Bahnhofstraße in Hannover. „Pulse of Europe“, zu Deutsch: „Herzschlag Europas“, heißt die Kundgebung, bei der in fast 40 deutschen Städten sowie in sechs Nachbarländern nicht gegen, sondern für etwas demonstriert wird. Für Europa, für Gemeinsamkeit, für Toleranz – kurzum: für Werte, die jetzt, kurz vor dem 60. Geburtstag der EU, vielen als bedroht erscheinen.
Seinen Ausgang nahm „Pulse of Europe“ nicht etwa in einem Brüsseler Büro, sondern in einem Frankfurter Wohnzimmer. Daniel Röder, der Gründer der Bewegung, erinnert sich noch gut an den Tag, als ihm klar wurde, dass er etwas unternehmen muss. Es war der Tag nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. „Diese Wahl hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen“, sagt der Rechtsanwalt. „Ich wusste: Das Unmögliche ist jetzt möglich.“
In den Nachrichten waren Bilder von Menschen zu sehen, die durch New York und Washington zogen und gegen Trump demonstrierten. Es war mal wieder so ein Tag danach, wie Röder ihn schon einige Monate zuvor erlebt hatte, nach dem Votum der Briten für den Austritt ihres Landes aus der EU. Auch damals protestierten Tausende in London gegen gerade erst geschaffene Tatsachen. Röder und seine Frau fragten sich: Warum werden die Vernünftigen immer erst im Nachhinein aktiv? Und sie beschlossen, Präventivmaßnahmen zu ergreifen. Für den Erhalt dessen, was ihnen lieb und teuer ist – für eine rechtsstaatliche, liberale, weltoffene EU. „Wir müssen rechtzeitig Initiative zeigen und nicht erst dann, wenn es zu spät ist“, sagt Röder. Dass aus dieser Idee eine europaweite Bewegung erwachsen sollte, konnte Röder nicht ahnen. Doch während Regierungschefs und Kommissionsvertreter das selbstbewusste Eintreten für mehr Europa aus Angst vor den lautstarken EU-Verächtern von rechts scheuen, ziehen Sonntag für Sonntag Tausende mit dem blauen Sternenbanner auf die Plätze. Szenen, wie man sie vom Kiewer Maidan kannte, spielen sich plötzlich in Hannover, Leipzig, Kiel ab. Noch bis vor Kurzem hätte es kaum einer für möglich gehalten: Es breitet sich tatsächlich so etwas wie Leidenschaft für Europa aus.

Demos pro Europa – hat die EU das nötig?

Ich persönlich denke schon, dass die jetzigen Demonstrationen pro Europa notwendig sind. Durch solche Demos kann man einen guten Gegenwind erzeugen. Ebenfalls zeigt man dadurch eine gewisse Präsenz. Und diese zu zeigen ist meiner Meinung nach wahnsinnig wichtig. Auch sehe ich es so, dass man durch nichts tun auch nichts erreichen beziehungsweise ändern kann.
Kevin Schoolmann (21),
IT-Administrator

 

 

 

 

 

Eine Demokratie lebt von einer demokratischen Partizipation und ist wichtig für ein offenes Europa. Alle Menschen sollten hier einen Platz haben – auch die Schwächsten und diejenigen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten müssen. Daher sind die Demonstrationen pro Europa auf jeden Fall notwendig. Denn sie bieten die Möglichkeit, wichtige Werte auf die Straße zu bringen.
Marvin Andermann (20), Student

 

Meiner Meinung nach ist die Europäische Union für unser aller Zusammenleben sehr wichtig. Denn daraus besteht auch unsere Zukunft. Aus diesem Grund finde ich auch die Demonstrationen pro Europa in der jetzigen Zeit sehr wichtig. Denn dadurch wird sich noch einmal mehr für ein gemeinsames und kein getrenntes Leben innerhalb von Europa eingesetzt.
Lucas Golka (19),
Schüler

 

Ich denke, dass jeder das Recht dazu hat, seine persönliche Meinung auszudrücken und auszusprechen. Deswegen finde ich die Demonstrationen pro Europa schon in Ordnung. Gerade weil man sich dadurch in der Öffentlichkeit ausdrückt, möchte man damit ja auch etwas bewegen und erreichen. Ein besseres Miteinander kann so auf jeden Fall gefördert werden.
Joel May (20),
Auszubildender

 

Demonstrationen sind immer gut, wenn man seine eigene Meinung kundgeben möchte. Und dazu hat auch jeder das Recht. Auch kriegen die Politiker davon etwas mit. Ich hoffe, dass sie dadurch beeinflusst werden. Was die Politker dann daraus machen, ist dann aber ja ihre eigene Entscheidung. Zusätzlich gibt es dadurch auch noch ein Signal an die restliche Bevölkerung.
Alex Sievers (22),
Student

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.