Eine träumerische Mondliebe
Witzig, spritzig und ein wenig wie eine moderne Pippi Langstrumpf: Marianna de Sanctis mit ihren Hula Hoop-Reifen in der „Manege“. Foto: Alexander Dacos

Eine träumerische Mondliebe

„La Luna“: Neues Programm im Mai ist spielerisch-charmant und irritierend

Von Heike Schmidt
Hannover. Die Mond ist einfach wunderschön. Sie beleuchtet nicht nur die Bühne. Sie lässt uns an diesem Abend auch im Wachzustand träumen. Denn nichts ist so träumerisch-real wie in dem neuen GOP-Programm, das jetzt Premiere feierte. Es heißt „La Luna“.  Wörtlich aus dem Italienischen übersetzt bedeutet das „die Mond“ – und genauso irritierend-charmant wie diese Übersetzung ist das ganze Programm – es ist immer wieder ein wenig neben der Spur, träumerisch, spielerisch und dabei doch hochklassig-artistisch-real.
Wie fällt es einem beispielsweise ein, mit einem so antiquierten Requisit wie einem Spazierstock zu jonglieren? Stand Großvaters Gehhilfe einst einfach in der Ecke, als Florent Lestage Ersatz für eine seiner Keulen suchte? Jedenfalls passt es sich exzellent, dass in einen Spazierstockgriff optimal eine Keule passt. Seine Jonglage kommt genauso spielerisch daher wie Marianna de Sanctis, die wie ein etwas hyperaktives Kind mit nur zwei Hula Hoop-Reifen eine wahrhaft große Show abzieht. Sie nutzt die Reifen nicht nur zum Seilspringen, sondern auch – wenn es darauf ankommt – als Schusswaffe. Und wie eine moderne Pippi Langstrumpf hängt sie sich auch einmal zur Freude des Publikums mitsamt Kleiderbügel an das Drahtseil von Lucas Bergandi, der auf dem Seil sogar Salti springt.

La Luna im GOP.

La Luna im GOP. Foto: Alexander Dacos

Rund geht es auch bei Santé Fortunato, Anna Ward und Vanessa Alvarez. Während  Fortunato kleine Hula Hoop-Reifen um die unterschiedlichsten Körperteile gleichzeitig kreisen lässt, steigt Ward – die einige Besucher aus dem Wintervarieté „Plüfoli“ kennen dürften – in einen Riesenreifen, genannt Cyr. Alvarez hingegen koordiniert auf dem Rücken liegend Tücher, die sie auf Fußspitzen oder auch Händen kreisen lässt. Wie aus einer anderen Zeit erscheinen die Manducas, die sich in altertümlichen Kostümen gegenseitig kraftvoll in die Höhe stemmen. Da sind Michele, der Zirkusdirektor von La Luna, und seine Amélie schon ein ganz anderes Kaliber. Ihre Partnerakrobatik gleicht einem Tango: kraftvoll und angezogen von den Gegensätzen. Da die beiden auch im realen Leben eine echte Beziehung führen, kann man zudem ihre Tochter Romina Chen auf der Bühne beobachten – und ihren Dackel, der ebenso professionell – oder einfach Frauchen-verliebt – mit treuem Blick ihr immer hinterherdackelt.
Mit das Schönste an La Luna ist aber auch, dass die Musik nicht immer aus der Konserve kommt, sondern alle Artisten zum Teil gemeinsam Musik machen. Federführend für das Livespiel ist Alexandre Leitao. Der Franzose beherrscht nämlich nicht nur das fürs Gypsy-Spiel obligatorische Akkordeon, sondern hat sich auch dem Klezmer verschrieben, was bei La Luna sehr deutlich zu hören ist.
Alles in Allem ist es ein Traum, der da sehr real und spielerisch über die Bühne geht. Es ist ein Programm, das genauso skurril-charmant daher kommt, wie wenn man „La Luna“ mit „die Mond“ übersetzt, dabei Opa seinen Spazierstock zum Jonglieren klaut, mit Hula Hoop-Reifen schießt oder sich einfach mal mit einem Kleiderbügel an ein Drahtseil hängt. Bravo.

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