„Für Hannover würde eine Bratwurst reichen“
Grischa Niermann auf dem Roten Sofa. Foto: Niehaus

„Für Hannover würde eine Bratwurst reichen“

Die neue „Nacht von Hannover“ will mit Stars der Radsportszene und einem Familienfest punkten

Von Heike Schmidt
rotes-sofaHannover. Grischa Niermann, selbst ehemaliger Radprofi, ist sportlicher Leiter der neuen „Nacht von Hannover“. Im Interview verrät der 40-jährige Vater zweier Söhne, warum er sich nach dem Ende seiner Radsportkarriere immer noch aufs Fahrrad setzt, und warum er der Tour de France lieber fern bleibt.

Herr Niermann, am 26. Juli steigt in Hannover ein Radsportevent, das eigentlich schon weg vom Fenster war. Sie sind sportlicher Leiter der Veranstaltung. Was können die Besucher von der neuen Nacht von Hannover erwarten?
Die Besucher erwartet auf alle Fälle eine tolle Veranstaltung. Wir wollen an die Tradition der alten Nacht anknüpfen, die ja Tausende von Besuchern angelockt hat. Anders wird sicher das Drumherum. Das Team um Steffi Eichel hat sich ein Rahmenprogramm ausgedacht, in dem es einiges Neues gibt.

Die Nacht von Hannover ist ja gleich im Anschluss an die Tour de France. Ist das nicht wahnsinnig anstrengend für die Fahrer?
Ach, die anderthalb Stunden können sie auch noch fahren. Die Besucher wollen ja die Profis, die sie auf dem Bildschirm gesehen haben, einmal in echt erleben.

Sie sind ja auch mehrfach bei der Tour wie auch bei der Nacht von Hannover gestartet. Hätten Sie nochmal Lust auf die Tour? Oder auf die Nacht?
Ich selbst? Nein, ich würde nicht mitfahren wollen.

Sie haben auch einmal gesagt, bei den Anstiegen innerhalb der Tour tat es einfach nur noch weh.
Ja, das stimmt…

Nun gibt es ja in Hannover glücklicherweise nicht so viele Berge …
Nein, gibt es nicht, aber das ist anders anstrengend. Bei dem Kurs auf dem Friedrichswall gibt es mehrere 180-Grad-Kurven. Da muss man alle 400 Meter wieder antreten und abbremsen. Man hat also viel mehr Antritte.

Verliert man eigentlich mal die Übersicht nach so vielen Runden?
Nein, dazu gibt es doch die Anzeigentafeln.

Aber die Radfahrer haben doch immer den Kopf unten.
Ach, ab und an heben die den auch.

Denkt man eigentlich über das Unfallrisiko nach?
Wenn man das tut, hat man schon verloren. Das muss man ausblenden.

Was isst man eigentlich vor so einem Rennen?
Vor oder bei der Tour de France auf alle Fälle genügend Kohlehydrate. Aber auch Eiweiß und Fett sind wichtig, damit der Körper sich erholt. Aber ich denke, für Hannover würde eine Bratwurst reichen. Oder besser gesagt, ein Hot Dog, weil der Name so schön passt. Die Strecke in Hannover sieht ja aus wie ein Hot Dog.

2010 haben Sie einmal gesagt, sie führen rund 35.000 Kilometer pro Jahr. Wie viele sind es heute?
So 17- bis 18-tausend Kilometer sind es schon. Ich bin auch relativ fit und fahre im Trainigslager (des niederländischen Nachwuchsteams) beispielsweise mit dem Rad statt mit dem Auto mit. So lange ich die anderen nicht ausbremse oder die auf mich warten müssen, mache ich das auch weiter.

Unbenannt-2Sie trainieren das niederländische Nachwuchsteam. Zuhause sind Sie in Gehrden. Sind Sie eigentlich oft daheim?
Ich würde sagen, ich bin so oft unterwegs wie damals zu meiner Profizeit. 180 bis 200 Tage im Jahr bin ich nicht daheim.

Fahren Sie eigentlich auch privat Fahrrad?
Ja klar, zweimal die Woche 70 bis 100 Kilometer sind es schon. Ich fahre auch mit Freunden, aber ich habe keine Ambitionen mehr, einen Wettkampf zu fahren.

Sie sind ja jetzt auch aus Gehrden nach Hannover mit dem Rad gefahren. Was für ein Fahrrad haben Sie denn?

Mehrere. Ich habe bestimmt zehn, zwölf Stück im Keller. Ich bin ja auch Testfahrer für Giant, so dass ich immer neue Räder bekomme. Aber ich habe auch ein altes Stadtrad, mit dem ich durch Gehrden radel.

Und Ihre Kinder? Haben die Radfahr-Ambitionen?
Meine Söhne, die jetzt neun und zwölf Jahre alt sind, sind da nicht so ambitioniert. Und ich bin nicht derjenige, der sie antreibt. Die spielen lieber Fußball. Sie sollen das tun, was sie wollen. Sie werden gefördert, aber ohne Druck, Profis werden zu müssen.

 

Die „Nacht“ live

Übertragen wird die „Nacht von Hannover“ von TVN, der Medienproduktionsfirma der Madsack Mediengruppe, die das abendliche Radspektakel in der City als Livestream anbieten werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.