„Geld war lange ein Tabuthema“
Jürgen Wache im Gespräch. Foto: Oberdorfer

„Geld war lange ein Tabuthema“

Volksbank-Chef Jürgen Wache über Geldanlagen, Finanztipps und die New Economy

Das_Rote_Sofa_Logo.inddVon Heike Schmidt
Über Geld redet man nicht – oder doch? Jürgen Wache, Vorstand der Hannoverschen Volksbank, hat jedenfalls kein Problem mit dem Thema. Da künftig einmal im Monat ein Finanzexperte der Hannoverschen Volksbank  im Hannoverschen Wochenblatt oder Hallo Wochenende einen Finanztipp geben wird, wollten wir vorab vom Chef schon einmal wissen, wie er mit seinem Geld umgeht.

Herr Wache, warum fällt es eigentlich vielen Menschen so schwer, über Geld zu reden?
Sicherlich war es lange ein Tabuthema in der Gesellschaft. Wer Geld hatte, erzählte nicht gern davon. Der, der es brauchte, auch nicht.

Hat sich das inzwischen geändert?
Ja, ich meine schon. Heute wird offener über Geld gesprochen.

Lag das vielleicht auch an der Zeit, in der plötzlich alle – egal, ob sie Ahnung hatten oder nicht – an der Börse tätig waren?
Sie meinen die Zeit der New Economy? Ja, sicherlich auch. Alle wollten auf einmal vom Hype und von Börsengängen profitieren. Die Telekom wurde zur neuen Volksaktie, wir erinnern uns an die Werbung mit Manfred Krug.

Wer sollte an der Börse spekulieren?
Direkt investieren kann der, der über das notwendige fachliche Wissen verfügt. Grundsätzlich gilt, das investierte Kapital breit zu streuen und nicht alles auf einen Aktienwert zu setzen. Wer das beherzigt, für den empfiehlt sich auch der Kauf eines Investmentfonds.

Ist das nicht einfach Zocken auf hohem Niveau?
Zocken würde ich es nicht nennen. Aktienanlagen sind grundsätzlich langfristige Anlageentscheidungen. Der Anleger profitiert von der positiven Entwicklung der Unternehmen, der Branche und der gesamten Volkswirtschaft. Wichtig ist aber, den Ausstiegszeitpunkt frei bestimmen zu können.

Also lieber keine VW-Aktien kaufen?
Für eine Anlageberatung empfehle ich gern unsere Spezialisten.

Kann denn ein Laie den Aktienmarkt eigentlich wirklich durchschauen? Wo kann oder wo sollte man sich informieren?
Es ist sicherlich sinnvoll, sich selbst mit Finanzthemen zu beschäftigen. Auf der Internetseite unserer Bank finden Interessierte ausgezeichnete Informationen. Aber Sie sollten auch immer die Bankberaterin oder den Bankberater Ihres Vertrauens kontaktieren.

Früher war es so, dass man auf drei Säulen baute: Immobilien, Aktien und festverzinsliches Geld. Ist das heute noch immer so?
Im Prinzip ja, aber Sie sollten die Säule der Liquidität nicht vergessen.

Das heißt, was ich für den täglichen Bedarf brauche?
Nicht ganz. Eher das was Sie benötigen, wenn ungeplant größere Anschaffungen notwendig werden, wenn zum Beispiel die Waschmaschine kaputt geht. Früher sagte man: drei Monatsgehälter sollte man als Reserve auf das Sparbuch legen. Heute würde man sagen: drei Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto oder als Dispo-Kredit.

Es heißt, dass Bauen noch nie so günstig war wie heute, da die Zinsen für die Baufinanzierung so tief sind wie nie. Stimmt das?
Ja, bauen ist günstig, zumindest was die Zinskosten für das Baudarlehen betrifft. Was die Kosten für den Bau oder den Kauf betrifft, sollte man aber auch in diesen Zeiten genau rechnen und vergleichen. Zudem können die Zinsen in der Zukunft auch wieder steigen.

Hinzu kommt ja auch, dass man durchaus zwischendurch einmal Geld brauchen könnte, wenn beispielsweise nach zehn Jahren erste Renovierungen am Haus anstehen.
Dafür sollte man Reserven schaffen, beispielsweise durch das Besparen eines Bausparvertrages.

Wie haben Sie persönlich ihr Geld angelegt?
Bei der Bank (lacht). Ich lasse mich genauso von meiner Beraterin informieren, wie unsere Kunden auch.

Echt? Sie?
Klar. Ich kann doch gar nicht die Übersicht über alle Anlagemöglichkeiten haben. Wir haben da Fachleute, die sehr kompetent sind. Mir fehlt einfach auch die Zeit, mich selbst so gründlich zu informieren als dass ich das Beste für mich herausfinden könnte.

Seit wann haben Sie eigentlich ein Konto bei der Volksbank?
Seitdem ich meine Lehre angefangen habe. Das war 1980.

Warum haben Sie sich für die Volksbank entschieden?
Es war die Bank vor Ort. Zudem gefielen mir die Menschen, die dort arbeiteten. Die Bank war im Aufbruch, dass spürte ich auch.

Sie haben es selbst angesprochen: Wohnortnähe ist wichtig. Wie lässt sich das mit Filialschließungen in Einklang bringen?
Dazu müssen wir erst einmal Nähe beschreiben. Neben der räumlichen Nähe gibt es auch die persönliche Nähe. Für viele Dienstleistungen des Tagesgeschäftes ist die räumliche Nähe nicht mehr von Nöten. Vieles erledigen unsere Kunden ungebunden von Zeit und Ort heute bequem am PC oder Smartphone. Unsere Kunden kommen zur Beratung in die Filialen, zum Beispiel um über Vorsorge oder Kreditbedarf mit ihrem Berater zu sprechen. Dann ist die regionale Erreichbarkeit wichtig.

Sie haben ja eine kleine Enkeltochter. Wie würden Sie für sie vorsorgen?
Ich würde empfehlen, einen Aktiensparplan mit regelmäßigen Raten abzuschließen – schließlich handelt es sich um einen langen Sparzeitraum. So kann man in Niedrigzinszeiten auch an attraktiven Renditen partizipieren.

Und wofür würden Sie ihren letzten Euro ausgeben?
Oh, schwierige Frage. Auf alle Fälle für etwas, an dem ich besonders Freude hätte.

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