Herr Bettels und der Spieltrieb
Knut Bettels im Gespräch mit Heike Schmidt. Foto: Oberdorfer

Herr Bettels und der Spieltrieb

Neues Leben in alten Hallen: Im Großraum Hannover ist eine große Abenteuer- und Freizeiarena entstanden

Das Jim und Jimmys ist eine neue Erlebnisarena in Hildesheim, nur 20 Autominuten von Hannover entfernt. Ursprünglich waren dort Tennis- und Squashhallen. Knut Bettels hat daraus eine Freizeitarena mit einer Grundfläche von 100 000 Quadratmetern gemacht, auf denen Besucher mehr als 20 verschiendene Attraktionen im Innenbereich und zudem auf dem sehr großen Außengelände finden. Unter anderem können sie in Hochseilgärten klettern, auf Flying Foxen und über einen Sprungturm in einen BagJump fliegen oder auch zwischen Pferdekutschen und Strohballen wie im Wilden Westen Paintball spielen. Und in den Wintermonaten im Rahmen eines viermonatigen „Winterzaubers“ Schlittschuhlaufen, Eisstockschießen und auf fünf Rodelbahnen mit angeschlossenem Lift Winterfeeling aufkommen lassen.

Wenn ich Sie charakterisieren müsste, dann würde ich sagen: Das ist ein Mann, der gerne spielt und als Kind sicherlich gerne Wild-West-Filme geschaut hat. Ist da was dran?
Ich würde sagen: das trifft es schon ziemlich gut. Als Kind habe ich tatsächlich gerne Wild-West-Filme geschaut; und da ich drei Kinder und davon noch einen kleinen Nachzügler habe, kann ich wirklich behaupten: Ich habe mir den Spieltrieb erhalten. Tatsächlich hat aber der Ausbau der ehemaligen Sportwelt Hildesheim zum „Jim+Jimmy“ im Wesentlichen wirtschaftliche Gründe.

Es geht also eher um die Umnutzung einer Freizeitimmobilie als um die Auslebung eines Spieltriebs?
Ja. In den Hallen wurde früher Tennis oder auch Squash gespielt. Doch diese Racket-Sportarten sind jetzt nicht mehr so gefragt. Der angrenzende Golfplatz blieb hinter den Erwartungen zurück. Da drängte sich ein neues Konzept auf. Das hat mich gereizt. Wir wollen den Besuchern etwas Besonderes bieten und haben eine Erlebnis- und Freizeitarena mit vielfältigen In- und Outdoormöglichkeiten geschaffen.

Wie viel haben Sie bislang invstiert?
Seit Ende 2013 bis zum aktuellen Zeitpunkt haben wir rund fünf Mio. € in das Projekt investiert.

Woher kommt eigentlich der Name?
Es gibt einen Fitness- und einen Erlebnisbereich. Jim steht für Gym, was rein phonetisch nahe liegt. Und Jimmy ist der Bruder von Jim. Also zwei Bereiche, die unter einem Dach fungieren. Im ersten Moment ist das vielleicht erklärungsbedürftig, aber für die Vermarktung ist die Namensverwandtschaft sowie wechselnde Logogebung unter Hervorhebung des Bereiches, der gerade bei der Vermarktung im Vordergrund steht, sehr positiv.

Wie viele Besucher gab es denn zu Anfang? Wie viele sind es jetzt?
2014 waren es rund 40 000 Besucher. Für dieses Jahr rechne ich mit 150 000 Besuchern. Und da wir schon viele Stammgäste haben, arbeiten wir bereits an Neuerungen für unsere Besucher. So überlegen wir derzeit, ob wir vielleicht noch eine Racer-Car-Bahn bauen. Das sind innovative und neuartige Fahrzeuge, die wie Gokarts funktionieren, die man aber mit einem Hebel in der Höhe verstellen kann, so dass man durch die Kurven driften kann und ein noch aktiveres Fahrerlebnis hat.

Haben Sie eigentlich alles ausprobiert, was Sie anbieten? Was machen Sie am liebsten?
Ja klar, ich habe alles selbst ausprobiert. Den höchsten Adrenalinpegel verspüre ich in dem 16m-hohen Outdoorseilgarten sowie dem längsten Flying Fox mit rd. 180m Länge.

Der Hochseilgarten ist am Mast des größten Flying Fox  rd. 30 Meter hoch. Wie steht es da um die Sicherheit?
Sicherheit wird bei uns ganz groß geschrieben. Wir haben ein Sicherungssystem, aus dem der Besucher gar nicht allein herauskommt. Er hat zwei Karabiner an seinem Geschirr, und er kann immer nur einen öffnen, wenn er von einer Station zur nächsten geht. Erst wenn er den ersten Karabiner wieder geschlossen hat, kann er den zweiten öffnen. Zudem setzen wir ausschließlich auf geschultes Personal, das im Zweifelsfall auch Menschen sicher auf den Boden zurückbringt, die Angst bekommen. Überdies machen wir einen Sport- und Gesundheitscheck. Gäste, die Alkohol getrunken haben, lassen wir grundsätzlich nicht hinein. Und jeder, wirklich jeder – auch die, die schon bei uns waren – bekommen eine Einführung. Egal, ob Hochseilgarten, Paintball, Bogenschießen oder andere Aktivmodule.

Gibt es beim Paintball eine Altersbeschränkung?
Bei uns gilt eine Altersbeschränkung ab zwölf Jahren. Bei den Hochseilgärten hingegen ist eine Minimum-Körpergröße wichtig für die Nutzung: In dem großen Hochseilgarten draußen muss man mindestens 1,40 Meter groß und 30 Kilogramm schwer sein, drinnen mindestens 1,25 Meter und 20 Kilogramm. Wir haben aber auch einen Niedrigseilgarten und natürlich viele weitere tolle Attraktionen bereits für unsere ganz kleinen Gäste

Sie sind Geschäftsführer des Jim und Jimmys, was sind Sie von Haus aus?
Ich bin Rechtsanwalt und wollte ursprünglich Insolvenzverwalter werden. Aus einer Insolvenz habe ich auch die Anlage bei Hildesheim heraus gekauft. Nach Eintritt in das Familienunternehmen im Rahmen der Umstrukturierung der Transportbetonsparte habe ich mich dann aber entschieden, die eigenen Unternehmen mit Schwerpunkten im Bereich Infrastrukturbau, Rohstoffgewinnung sowie Transportbetonherstellung  im Rahmen einer Unternehmensnachfolge weiter zu führen und diese in den letzten zehn Jahren stark aus Sanierungen und Unternehmensübernahmen im Bereich  Entsorgung zu expandieren. So beschäftigen wir uns beispielsweise in Niedersachsen marktführend mit Asphaltentsorgung- sowie Aufbereitung zu Recyclingtragschichten, in Bayern mit der Wäsche von kontaminierten Materialien sowie Gleisschotteraufbereitung und in NRW mit der Aufbereitung und Vermarktung von Kunststoffabfällen. Aber ich habe meine Zulassung als Rechtsanwalt weiterhin und könnte auch als solcher arbeiten. Aber dazu fehlt mir einfach aufgrund der vielfältigen anderen Aufgaben die Zeit.

Interview: Heike Schmidt

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