Herr Günter und seine Volleyballer
Verstehen sich nicht nur am Netz gut: Trainer Günter Heinig (hintere Reihe zweiter von rechts) mit seinen Spielern aus Afghanistan. Foto: Bode

Herr Günter und seine Volleyballer

Beim TB Stöcken haben sich afghanische Spieler einer Hobby-Herrenmannschaft angeschlossen

„Hallo Herr Günter! Wie geht es dir?“ Mit diesen Worten wird Günter Heinig (61) jede Woche beim Training begrüßt. Er ist Leiter der Volleyballabteilung des TB Stöcken und Trainer der Hobby-Herrenmannschaft. Das Kuriose dabei: Die Mannschaft besteht nahezu komplett aus afghanischen Spielern. „In der Mannschaft sind die Deutschen die Fremden“, sagt Heinig mit einem herzhaften Lachen. Nur er und zwei Spieler sind Deutsche. Doch die Mannschaft harmoniert bestens – trotz aller sprachlicher Barrieren und kultureller Unterschiede.
Seit drei Jahren besteht die Mannschaft. Durch private Kontakte entstand die Verbindung von einem afghanischen Volleyballspieler zu TB. Als Heinig nach der Auflösung der zweiten Mannschaft Kapazitäten als Trainer frei hatte, kümmerte er sich um die Hobbymannschaft. Und die Spieler danken es ihm. Mit netten Worten, mit kleinen, freundlichen Gesten wie einem Lächeln.
Auf dem Spielfeld sprechen die afghanischen Spieler untereinander Farsi. „Es gibt manchmal Probleme mit der Verständigung“, sagt Heinig und muss schmunzeln. Er denkt an eine Anekdote, als er einem neuen Spieler bestimmte Anweisungen zum richtigen Schlagen am Netz gab, der Spieler ständig nickte. Erst nach einer Weile stellte sich heraus, dass er kein Wort von Heinig verstanden hatte. Aber auch das ist kein Problem in der Gruppe. „Einige sprechen perfekt Deutsch“, so der Coach. Notfalls werden seine Anweisungen ins Persische übersetzt. Manche Begriffe wie „Gut“ oder die Zahlen für die Feldpositionen kann Heinig inzwischen auch in Farsi sagen. „Wir wollen aber, dass vorwiegend Deutsch gesprochen wird“, sagt er.
Wie schafft es die Gruppe, dass sie sich so gut versteht? „Bei uns ist jeder Mensch einfach nur Mensch“, sagt der 31-jährige Spieler Kasem Goljany. „Wir lassen Politik und Religion bei Gesprächsthemen komplett außen vor“, fügt Heinig hinzu. Bei der Mentalität mussten sich die drei Deutschen im Team auch etwas umgewöhnen. „Trainingsbeginn um 20 Uhr heißt nicht, dass um 20 Uhr tatsächlich Beginn ist.“ Doch er weiß, dass dieses Phänomen nicht nur die Afghanen betrifft. „Das ist bei meiner vorwiegend deutschen Mädchenmannschaft genauso“, sagt er lachend.
Die Afghanen sind dankbar, dass sie die Chance erhalten, beim TB ihrer Leidenschaft nachzugehen. „In Afghanistan ist Volleyball ein großer Sport“, sagt Goljany. Sie bauen eigenhändig das Netz vor dem Training auf, machen sich selber warm, hören intensiv den Worten von „Boss“ Heinig zu und verlassen die Halle anschließend sauber. „Ich bin mit den Jungs sehr zufrieden“, sagt der Trainer.
In der neuen Saison wollen sie den Versuch unternehmen, in der untersten Spielklasse – der Bezirksliga – am Punktspielbetrieb teilzunehmen. Doch Heinig hat ein paar Bedenken, wenn er an den Fastenmonat Ramadan denkt. „In der Zeit findet kein Training statt. Ich weiß nicht, was passiert, wenn wir in der Zeit ein Spiel haben.“ Doch auch das Problem wird „Herr Günter“ mit seiner Mannschaft meistern.

Infos zu den Trainingszeiten

Das Training findet immer mittwochs von 20 bis 22 Uhr in der oberen Sporthalle der Grundschule Auf dem Loh (Zugang über die Haltenhoffstraße) statt. Interessierte aller Nationen können sich an Trainer Günter Heinig unter Mobiltelefon (0174) 331 18 37 oder per E-Mail an info@tb-stoecken.de an die Geschäftsstelle wenden.

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