„Ich bin jetzt eine Legende“
Sorgt bei seinen Auftritten auch für eine gute Show: Usain Bolt. Foto: imago

„Ich bin jetzt eine Legende“

Usain Bolt ist der schnellste Mann der Welt: Im Interview spricht der Ausnahmesportler über Weltrekorde, Gier – und Gott

Usain Bolt ist nicht nur der schnellste Mensch der Welt, er besitzt mythischen Status. Was der 30-Jährige zu inszenieren weiß: „Ich bin jetzt eine Legende. Ich bin außerdem der großartigste lebende Athlet“, tönt der Jamaikaner gerne. Große Klappe, große Leistung. Der Superstar aus Jamaika will nach den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in London seine Karriere beenden: Acht Goldmedaillen von Olympischen Spielen hat er zuhause liegen, die neunte (2008 in Peking über 4-mal-100-Meter) musste er wegen Dopings seines Sprintstaffelkollegen Nesta Carter abgeben. Dazu kommt elfmal WM-Gold. Seine unglaublichen Weltrekorde: unvergessen!

Mister Bolt, der 16. August 2009, Sie laufen über den Zielstrich: 9,58 Sekunden! War das der Moment Ihres Lebens?
Für mich war es das perfekte Rennen. Als mein Trainer das Rennen später analysierte, war er jedoch der Meinung, dass ich immer noch Bereiche habe, in denen ich mich verbessern kann. Meine Priorität ist, Rennen zu gewinnen. Zeiten sind für mich nur ein zusätzlicher Bonus. Dass ich dabei meinen eigenen Weltrekord verbessert habe, machte das Ganze natürlich noch besser.

Nur ein paar Tage später: erneut Weltrekord – diesmal über Ihre Lieblingsstrecke, die 200 Meter, in 19,19 Sekunden. Was hat Sie in diesem Jahr so schnell gemacht?
Ich konnte in den Jahren 2008 und 2009 sehr gut trainieren – mit so gut wie keinen Verletzungsproblemen. Verletzungsfrei trainieren zu können ist der ausschlaggebende Faktor.

Sie hatten ebenfalls am 16. August ein Jahr zuvor die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Peking gewonnen – mit Weltrekord. Damals sind Sie ausgelaufen und haben sich auf die Brust geklopft. Darüber wurde viel diskutiert. War das Auftreten aus heutiger Sicht ein Fehler?
Nein. Ich war der erste jamaikanische Mann, der jemals die 100 Meter bei den Olympischen Spielen gewonnen hat, und ich habe mich einfach extrem gefreut in diesem Moment.

In Ihrer Karriere haben Sie bei Großereignissen bei jedem Start seit 2008 den jeweiligen Titel gewonnen. Nur 2011 bei der WM in Daegu haben Sie Nerven gezeigt und wurden wegen eines Fehlstarts disqualifiziert. War dies der schwerste Moment Ihrer Karriere?
Ich würde nicht sagen, dass ich in Daegu aufgrund von Nervenschwäche einen Fehlstart gemacht habe. Die schwierigsten Momente meiner Karriere waren und sind immer, wenn ich verletzt bin und nicht trainieren kann.

Vor Wettbewerben spielen Sie gern ein bisschen mit Mimik und Gestik. Mal ehrlich: zur Ablenkung? Oder für die Show?
Die Zuschauer vor dem Rennen zu unterhalten hilft mir, relaxt zu bleiben. Und den Leuten scheint es zu gefallen.
Vor dem Start bekreuzigen Sie sich, deuten mit dem Finger gen Himmel und tragen immer ein Glücksamulett bei sich. Warum?
In diesen Sekunden bitte ich Gott, mir Stärke zu geben.

Ihnen wird manchmal vorgeworfen, mit leistungssteigernden Substanzen nachzuhelfen. Ärgert Sie das?
Leute, die meine Karriere verfolgt haben, seit ich zwölf Jahre alt war, sehen, dass ich mit einem großen Talent geboren wurde.

Was ist dann das Geheimnis Ihrer Schnelligkeit? Die langen Beine?
Ein Sprinter braucht Talent, einen guten Trainer und den Willen, hart zu arbeiten.

Ihnen wurde früher häufig gesagt, Sie seien zu groß. Jetzt sind Sie einer der erfolgreichsten Leichtathleten der Geschichte. Verspüren Sie Genugtuung?
Ich laufe nicht, um etwas zu beweisen. Ich versuche lediglich, mein Bestes zu geben.

Früher hatten Sie kein einfaches Leben, Sie stammen aus eher schlichten und armen Verhältnissen.
Ich hatte eine glückliche Kindheit und habe bis heute ein enges Verhältnis zu meinen Eltern. Es ist schön, jetzt in der Lage zu sein, der nächsten Generation helfen zu können.

Bolt hat einen jüngeren Bruder und eine ältere Schwester, doch alle drei Geschwister haben unterschiedliche Mütter.

„Das mag vielen merkwürdig vorkommen, aber so sieht das Familienleben in Jamaika aus. Es hat mich nie gestört. Es erschien mir als ganz normal.“

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