Ich habe einen Traum vom Ihme-Zentrum
Constantin Alexander ist Unternehmensberater. Unter ihmezentrum.org beschreibt er, wieso das Quartier keine Ruine, sondern ein Möglichkeitsraum ist. Er bietet auch einmal im Monat Rundgänge durch das Viertel an. Foto: Kleinschmidt

Ich habe einen Traum vom Ihme-Zentrum

Constantin Alexander engagiert sich für eine nachhaltige und kreative Transformation des umstrittenen Quartiers

Hannover ist eine wachsende, in vielerlei Hinsicht pulsierende Stadt. Und das Bürgerbeteiligungsprogramm Hannover2030 hat gezeigt, wie viel Engagement die Menschen an der Leine und Ihme aufbringen, wenn es darum geht, ihre Heimatstadt fit für die Zukunft zu machen. Dabei wird eine der größten Herausforderungen immer ein wenig ignoriert: das Ihme-Zentrum.
Das umstrittene Quartier ist eine gescheiterte Utopie. In den 1970er-Jahren galt es international noch als wegweisend:  Moderne und zum größten Teil barrierefreie Wohnungen, beste Lage und ein modernes Zentrum für Läden, Kultur und Sport. Durch eine Mischung aus Immobilienspekulation, Missmanagement und fehlgeleiteter Kommunikation zwischen Bewohnern, den Besitzern des Gewerbegebiets und der Politik wurde dieser Traum zur Ruine.
Als Berater für Nachhaltigkeit kenne ich die Schwierigkeiten, wenn sich Firmen, Vereine, Privatpersonen oder andere Institutionen in einer gefühlten Sackgasse kennen. Doch das wichtigste ist zu erkennen: Es gibt eine Alternative. So auch beim Ihme-Zentrum.
Vor zwei Jahren bin ich ins Zentrum gezogen, um zu erfahren, warum das Quartier kaputt ist und – viel wichtiger – wie es sich reparieren ließe. Während meiner Analyse bin ich vielen tollen, engagierten und klugen Menschen begegnet – Architekten, Stadtplaner, Ingenieure, Wissenschaftler, Künstler, Aktivisten und vielen Bewohnern. Sie alle wünschen sich, dass das Ihme-Zentrum wieder funktioniert. Und das ist gar nicht so unrealistisch.
Alles, was im Quartier nicht mehr richtig funktioniert, lässt sich reparieren. Das Zentrum könnte so umgebaut werden, dass es nicht mehr wie eine abweisende Burg wirkt. Es könnte zum Plus-Energie-Gebäude werden, also mehr Strom erzeugen, als es verbraucht. Die Fassade könnte bunt sein, Pflanzen würden sich überall hoch ranken, und auf den Dächern gäbe es neben Solaranlagen auch Gärten und Restaurants mit dem besten Ausblick der Stadt. Im Bauch dieses schlafenden Riesen wäre neben ein paar Läden auch Platz für Proberäume, Ateliers, Galerien, Werkstätten, soziale Begegnungsstätten, Cafés, vielleicht sogar eine Schule.
Das Ihmezentrum könnte ein neues Wahrzeichen für Hannover werden. Ein Symbol, dass diese Stadt sich in die Zukunft aufgemacht hat. Und Touristen würden nicht mehr nur zum Maschseefest oder in die Herrenhäuser Gärten fahren, sondern direkt zum Ihmezentrum. Diesem neuen Leuchtturm einer kreativen, nachhaltigen, bunten und lebenswerten Stadt. Das ist mein Traum, und dafür setze ich mich ein.

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