Ich habe einen Traum von einer Galerie
Die Ausstellung „Buffalo Ballad“ des Fotografenehepaares Heidi und Hans-Jürgen Koch lockte zahlreiche Besucher an. Foto: Rein

Ich habe einen Traum von einer Galerie

Philipp Sann, Leiter der Galerie für Fotografie (GAF) in der Eisfabrik

Ich habe einen Traum von einem Ort für Fotografie. Einem Ort, der einen spannenden Blick auf viele Themen und Aspekte menschlichen Lebens bietet. Einem Ort, wo den Besucher die Sichtweise eines Fotografen auf ein bestimmtes Thema noch überascht, ihm neue Perspektiven bietet – auch wenn er das Thema schon zu kennen meint. Die Welt ist in den letzten Jahren merklich zusammengerückt – durch immer einfachere und schnellere Kommunikation und die ständige Abrufbarkeit von Wissen. Dennoch bleiben viele Zusammenhänge in der Flüchtigkeit der neuen Medien unklar. Vieles passiert so schnell, dass man kaum Zeit hat, es richtig zu begreifen. Längst ist die Fotografie nur noch im Internet ein Nachrichtenmedium, im Print ist sie viel zu langsam. Daher verlagern die Fotografen sich mehr und mehr auf das hintergründige Storytelling und nutzen Qualitäten, die ganz besonders die Fotografie besitzt.

Galerieleiter Philipp Sann. Foto:  Denev

Galerieleiter Philipp Sann. Foto: Denev

In Hannover hat der Fotojournalismus mittlerweile eine wichtige Rolle eingenommen: Der Studiengang Fotojournalismus an der Hochschule Hannover gilt als einer der besten weltweit. Und das von Professor Rolf Nobel ins Leben gerufene Lumix Festival für jungen Fotojournalismus, das im Juni zum 5. Mal auf dem Expo-Gelände stattfindet, ist unter anderem zum Aushängeschild für die Kultur- und Fotostadt Hannover geworden. Aber auch mit der Galerie für Fotografie in Hannover (GAF) bieten wir Fotobegeisterten in Form wechselnder Ausstellungen die Möglichkeit, Momentaufnahmen dieser komplexen Welt zu betrachten. Und das ausführlicher, als man es in den illustrierten Magazinen zu sehen bekommt.
In meinem Traum bietet der Raum Platz für viele Richtungen. Ob es die Kriegsbilder des Russen Jewgeni Chaldej, die Bilder vom Mississippi-Delta und den majestätischen Bisons des wilden Westens, sechs Sichten von internationalen Fotografen auf Afrika, mehrere Geschichten über das Abhauen, die Bilder der ermordeten Kriegsfotografin Anja Niedringhaus, die Sicht polnischer Fotografen auf ihr eigenes Land oder Andreas Meichsners ironische Sichten auf TÜV-Prüfungen und den Massentourismus sind – in der GAF finden sie den Raum, den sie verdienen. Ein Kerngedanke ist dabei immer, die Welt nach Hannover zu holen und gleichzeitig ein Fenster in diese Welt zu sein.
Wir legen dabei besonderen Wert darauf, nicht nur die Katastrophen oder die Schönheiten der Welt zu zeigen, sondern ebenso die feinen Facetten dazwischen. Einen regelmäßig geöffneten Ausstellungsraum findet man für dieses Feld der Fotografie relativ selten, denn die Kunstfotografie dominiert die Galerieszene. In meinem Traum hat jeder Besucher die Möglichkeit, sich einem Thema ganz in Ruhe und im eigenen Tempo zu nähern. Wer will, der kann in Ruhe ein Getränk zu sich nehmen und auf einer der Bänke innehalten.
Die Leitung der Galerie, die immer aus einem Fotografen und einem Kunstwissenschaftler besteht, wechselt sich in der Besetzung ab. Sie können weitergehende Fragen zum Fotografen, zur Printtechnik oder zum Sujet beantworten. Weil wir von unseren Besuchern ja nicht das andächtige museale Schweigen wünschen, sondern neugieriges Fragen und Diskutieren. Im besten Falle erlangt der Besucher bei uns neue Ideen, erhält neue Eindrücke und erweitert damit auch ein Stück weit seinen eigenen (fotografischen) Horizont.
In meinem Traum habe ich einen Ort gesucht, der der Fotografie Raum gibt. In der GAF hab ich ihn gefunden.

❱❱  www.gafeisfabrik.de

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