Ich habe einen Traum von Unendlichkeit
Staatsoper Hannover 2016/2017 Manon Lescaut VP

Ich habe einen Traum von Unendlichkeit

 Karine Babajanyan – Opernsängerin aus Armenien – träumt von einem Auftritt an der Metropolitan Opera in New York

Ja, ich gebe es gerne zu: Ich habe einen traumhaft schönen Beruf. Ich bin Opernsängerin. Und ich habe das Glück, auf der ganzen Welt singen zu dürfen. Geboren wurde ich in Eriwan, der Hauptstadt von Armenien. Armenien ist ein wunderschönes Land, es hat eine jahrhundertealte Tradition, und die Hauptstadt Eriwan ist sogar älter als Rom! Es ist übrigens auch das erste Land, in dem das Christentum Staatsreligion wurde.
Ich hatte eine glückliche Kindheit. Meine Eltern liebten Musik, mein Großvater war ein großer Opernliebhaber, und so war es kein Wunder, dass auch ich zur Musik strebte. Meine Stimme wurde im Chor entdeckt. Als ich schließlich zu studieren begann, kam eine schwierige Zeit auf Armenien zu. Es war die Zeit der Perestroika, das Kulturleben lag fast völlig darnieder. Wie viele Konzerte musste ich in nicht geheizten Räumen singen! Irgendwann wusste ich: Du musst nach Deutschland, wenn du weiterkommen willst. 1999 war es dann soweit. Und ich hatte das Glück, von hier aus Karriere zu machen. Jetzt bin ich nach Hannover zurückgekehrt – hier wohnt übrigens auch mein treuester Fan. Die Hannoveraner sind so höflich, fast zu höflich, denke ich mir manchmal. Ich bin sehr glücklich, hier eine musikalische Heimat gefunden zu haben.
Glück, das habe ich früh gelernt, ist nicht gleichbedeutend mit Wohlstand. Eigentlich beherzigen das alle Armenier: Wir freuen uns über die kleinen Dinge des Alltags. Ein Essen mit Freunden. Eine Tasse Kaffee am Nachmittag. Wir Armenier sind Individualisten. Wir haben gelernt, uns durchzukämpfen. Nicht umsonst gibt es uns auf der ganzen Welt: Denken Sie an Charles Aznavour, den großen Chansonnier. Oder an Calouste Gulbenkian, der so viel für das Kulturleben getan hat! Dass auch meine Eltern mir die Liebe zur Kunst ermöglicht haben, werde ich ihnen ewig danken.
Natürlich träume ich auch weiterhin. Ich würde gern an der Met singen. Am besten gleich meine Traumrolle, die Turandot. Aber ob dieser Wunsch je in Erfüllung gehen wird? Egal, ich finde: Wir dürfen nicht aufhören zu träumen! Träume machen unsere Welt erst lebenswert. Und als Tosca oder Manon Lescaut oder bald als Mimì auf der Bühne zu stehen, wie jetzt in Hannover, ist bestimmt nicht das Schlechteste! Übrigens wollte ich immer Filmschauspielerin werden, schon als Kind. 2008 durfte ich dann Tosca im Film spielen, zusammen mit Daniel Craig im James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ auf der Bregenzer Seebühne. Sage noch einer, Träume seien Schäume!

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Karine Babajanyan ist neues Ensemblemitglied an der Staatsoper Hannover. Sie singt die Titelpartie in der Oper „Manon Lescaut“. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann in Budapest, ihre Tochter studiert in Wien. Heute Abend ist sie in der Oper zu sehen.

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