Ich habe einen Traum von Zeit und Raum
Der Wasserturm auf dem Gelände der Wasserstadt Limmer ist das Wahrzeichen der ehemaligen Continental Reifen- und Gummiwerke. Jetzt hat sich der Künstler Matthias Lehmann aus Meißen gemeinsam mit seinen Helfern vom Verein Kunst in Kontakt dem Industriedenkmal angenommen. Mit der Installation „12 Uhr Mittags“ ist der Turm zum Zentrum einer überdimensionalen Sonnenuhr geworden. Wenn es sonnig ist, fällt sein Schatten zwischen 9 und 16 Uhr auf massive, aus Beton gegossene Ziffern im sandigen Untergrund. Der Titel „12 Uhr Mittags“ bezieht sich dabei einerseits auf einen bekannten Westernklassiker und andererseits auf die prärieartige Landschaft des ehemaligen Conti-Geländes. Foto: kunst in kontakt

Ich habe einen Traum von Zeit und Raum

Künstler Matthias Lehmann verwirklichte im Rahmen der Intraregionale 2016 auf der Conti-Brache eine begehbare Sonnenuhr

Wenn ich zurück denke, waren meine Erinnerungen, Vorstellungen und auch Träume immer schon von einer starken Räumlichkeit geprägt. Ich bewege mich durch einen weiten Raum. Ich laufe, gleite oder schwebe sogar. Dinge bewegen sich an mir vorbei. Meist sind es bekannte: ein Tisch, ein Stuhl, eine Raumsituation die ich irgendwie kenne und die sich vor mir öffnet wie in einem Videospiel.
Gibt es im Raum Bewegung, so entsteht Zeit. Zeit, die man braucht, um von A nach B zu gelangen. Zeit, die notwendig ist, einen Raum zu erfassen oder einen räumlichen Körper in seiner Form und Gestalt wahrzunehmen. Dabei ist es egal, ob wir uns in der Realität oder in der Vorstellung bewegen. Mit unserer Einbildungskraft kommen wir oft sehr schnell zu anderen Orten, in Bruchteilen von Sekunden. Aber es sind immer noch Bruchteile.
So ist der Raum nicht ohne die Zeit und die Zeit nicht ohne den Raum zu „träumen“.
Für die Conti-Brache in Hannover-Limmer habe ich ein künstlerisches Projekt verwirklichen können, bei dem diese beiden Komponenten eng miteinander verwoben sind.
Im Rahmen der „Intraregionale 2016“ gab es Anfang des Jahres eine Ausschreibung, zu der 10 von 200 Künstlern ihre Ideen für zehn verschiedene Standorte in und um Hannover verwirklichen konnten. Dabei hat mich dieser Ort – die Brache des ehemaligen Continentalwerkes – von Anfang an sehr beeindruckt. Die Brache, gleich einer Sandwüste, liegt da wie ein leeres Blatt Papier, wie eine leere Leinwand, die danach schreit, gefüllt, bemalt, und gestaltet zu werden. Da ich kein Maler bin, sondern Bildhauer, ist es besonders der leere Raum, der mich anregt.  Doch der Raum ist nicht leer. Er ist voller Geschichte und vor allem voller Sand – über 50.000 Kubikmeter Sand, die sich in einer zwei Meter dicken Schicht über dem ursprünglichen Erdniveau türmen – und in der Mitte steht ein Turm, der Wasserturm der zugleich Orientierungspunkt und Wahrzeichen für den Stadtteil Limmer und das ehemalige Continentalwerk ist. 51 Meter hoch soll er sein oder doch nur noch 49 Meter?
Tausende Kubikmeter Sand lagern über Spuren der Zeit und der Vergangenheit.
Der Turm wirft einen gigantischen Schatten, der sich mit dem Verlauf der Sonne durch den leeren Raum bewegt. Ein Raum, in dem die Zeit stillzustehen scheint, denn erst in drei bis vier Jahren soll hier ein neuer Stadtteil entstehen.
Ziffern aus Beton füllen nun den leeren Raum und geben ihm mit der Bewegung der Sonne seine Zeit zurück.

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