Immer mit dem Blick nach vorn
Haben Olympia vor Augen: Igor Wandtke (links) und André Breitbarth. Foto: Treblin

Immer mit dem Blick nach vorn

Olympische Träume: Die Judokas Igor Wandtke und André Breitbarth wollen in Tokio wieder angreifen

In Rio wollten sie Medaillen holen. Doch ihre ersten Olympischen Spiele endeten für Igor Wandtke im Achtelfinale und für André Breitbarth schon nach dem ersten Kampf. Ein Jahr danach ist Olympia für die beiden Judoka, die am Olympiastützpunkt in Hannover trainieren, ein Stück kleiner geworden. Trotzdem wollen sie 2020 in Tokio erneut angreifen.
Für Breitbarth ist das Jahr nach Rio ein schmerzhaftes. Seit Februar plagen den 27-Jährigen, der in der Gewichtsklasse über 100 Kilogramm kämpft, Leistenprobleme. Nicht nur Olympia ist für ihn momentan weit weg. Das Wettkampfjahr 2017 findet ohne ihn statt.
„Manchmal werde ich noch auf die Spiele angesprochen“, sagt er. In Rio war er eine der Medaillenhoffnungen des Deutschen Judobundes. Doch schon nach zwei Minuten und einer Niederlage gegen den Kirgisen Juri Krakowezki war der Wettkampf für ihn beendet.
Neben der sportlichen Enttäuschung sind ihm vor allem Szenen aus dem Deutschen Haus in Erinnerung geblieben: „Die Stimmung dort nach den Wettkämpfen war schon besonders. Aber weil ich vorher schon bei den Europaspielen gewesen war, hat mich das ganze Drumherum nicht mehr so beeindruckt.“
Von selbst denkt er nicht mehr oft an Rio zurück: „Ich habe mir neue Ziele ge­steckt.“ Die WM Ende August in Budapest wird er verpassen. Umso besser soll es nächsten Sommer laufen, wenn die Qualifikation für Tokio 2020 losgeht. Die olympischen Judo-Kämpfe im Mutterland der Sportart möchte er nicht verpassen. „Die Spiele haben sportlich immer noch einen hohen Stellenwert für mich. Und in Japan wird auf Judo ein Riesenfokus liegen. Wenn schon eine Verletzung sein muss, dann ist dieses Jahr das richtige dafür“, sagt er.
Abhaken und nach vorne schauen – das ist auch die Taktik von Igor Wandtke. Der 26-Jährige kämpft in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm. In Rio schied er im Achtelfinale gegen den Israeli Sagi Muki aus. „Ich denke immer mal wieder daran“, sagt er, „aber letztlich war es nicht mehr als alle anderen Wettkämpfe.“ Die Spiele seien für ihn „ein ganzes Stück von dem hohen Podest runtergekommen“. Warum? „Ich habe gesehen, dass das IOC genauso manipuliert wie die Weltpolitik.“ Die Organisatoren hätten immer von „grünen Spielen“ geredet: „Aber das Einzige, das wirklich grün war, war der Pool.“ Algen hatten das Becken der Turmspringer während der Spiele grün gefärbt.
Trotz aller Kritik, die Wandtke am IOC übt, be­stimmen die Spiele weiterhin seinen Rhythmus. In Tokio möchte er unbedingt wieder dabei sein: „In Sportarten wie Judo zählt eben nur Olympia.“
Die Folgen, besonders in Form der Spitzensportreform, sieht er kritisch. Nach Rio hatten DOSB und Bundesinnenministerium den Leistungssport neu strukturiert. Seitdem werden weniger Athleten gefördert. Laut Wandtke entscheiden sich auch weniger für eine Sportkarriere. „Dadurch fehlen uns Trainingspartner, die Grundlage wird uns entzogen“, sagt Wandtke, der im Januar deutscher Meister wurde.
Ansonsten herrsche bei ihm „Business as usual. Ich habe ja keine Olympia-Medaille gewonnen.“ Und doch, ganz ohne Neuerungen geht es nicht. So setzt er nun verstärkt auf mentales Training.
Gerade simuliert der Bundestrainer ein olympisches Jahr, das auf die WM zuläuft. Seit gestern hat Wandtke schwarz auf weiß, dass er in Budapest im Aufgebot steht. „Ziel ist der Titel“, sagt er. Aber auch die Abläufe, die im olympischen Jahr klappen müssen, sollen getestet werden. Dass die nächsten Spiele in Tokio stattfinden, ist für Wandtke eher Fluch als Segen: „Da wird es noch schwerer, die Japaner zu schlagen.“
Er hat ohnehin einen neuen Leitsatz für Olympia gefunden: „Das Erlebnis an sich ist die vier Jahre Vorbereitung nicht wert – aber die vier Jahre das Erlebnis.“

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