Komasaufen kommt aus der Mode
Trinken bis zur Besinnungslosigkeit? Bei Jugendlichen in Hannover kommt das immer seltener vor. Foto: Pixabay

Komasaufen kommt aus der Mode

Komasaufen ist out: Immer weniger Minderjährige übertreiben es beim Alkoholkonsum. Im vergangenen Jahr sind 279 junge Menschen bis einschließlich 18 Jahren mit einer Alkoholvergiftung in das Kinderkrankenhaus auf der Bult eingeliefert worden. In diesem Jahr waren es bisher 150. Björn-Oliver Bönsch, Pressesprecher des Kinderkrankenhauses, rechnet damit, dass die Zahl auch bis Jahresende deutlich unter dem Wert von 2015 zurückbleiben wird. „Ein Grund für den Rückgang ist sicherlich die gelungene Alkoholprävention der Region Hannover“, sagt er. In den Krankenhäusern des Klinikums Region Hannover nimmt die Zahl seit einem Höchstand im Jahr 2011 ebenfalls deutlich ab. Damals wurden 134 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert, im vergangenen Jahr waren es noch 87. Das ist ein Rückgang um mehr als ein Drittel. Für dieses Jahr scheinen die Zahlen auf ähnlichem Niveau zu bleiben.

Projekt „Halt“ hilft

Bönsch verweist vor allem auf die positive Wirkung des Projektes „Hart am Limit“ (Halt), das es seit 2008 in der Region gibt. Mit dem Projekt will das Team Jugendarbeit der Region frühzeitig auf riskanten Alkoholkonsum bei Jugendlichen reagieren. Konkret heißt das: Wenn ein Kind oder ein Jugendlicher mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommt, bietet das Team Jugendarbeit ihnen und ihren Eltern Beratungsgespräche an. Am Wochenende kommen die Berater im Krankenhaus auf der Bult sogar direkt ans Krankenbett. Ansonsten bekommen die Betroffenen eine Einladung in eine Beratungsstelle.

Die Zahl der jungen Menschen, die mit einer Alkoholvergiftung in eine Klinik kamen, war von 2006 an in der Region Hannover insgesamt stark angestiegen. Ganz besonders waren die 14- bis 17-Jährigen betroffen. Vor zehn Jahren wurden 64 Jugendliche in dieser Altersgruppe nach übermäßigem Alkoholkonsum im Krankenhaus behandelt. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl dann mehr als verdoppelt: 2010 erreichte sie mit 151 ihren Höchststand. Seitdem gibt es wieder einen deutlichen Rückgang. 2014 war mit 69 Alkoholvergiftungen in etwa wieder das Niveau von 2006 erreicht. Die Beobachtungen aus dem Kinderkrankenhaus auf der Bult legen nahe, dass es seitdem noch weniger geworden sein könnten.

Drogenberater: Keine Entwarnung

Carsten Theile von der Drogenberatungsstelle Drobs will deshalb aber keine Entwarnung geben. „Wenn Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, handelt es sich meistens um einen Unfall. Sie haben das dann völlig falsch eingeschätzt“, schildert er seine Erfahrung. Das wiederholten sie dann meist nicht. Problematischer als das Komasaufen sind aus seiner Sicht oftmals Jugendliche, die trinken ohne aufzufallen. „Weil niemand bemerkt, dass sie regelmäßig trinken, ist die Gefahr größer, dass sie abhängig werden“, so Theile. Der Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol trinken, sei in etwa gleichbleibend, vermutet er.

Das Team Jugendarbeit informiert im Internet über das Projekt „Hart am Limit“ (HaLt). Weitere Infos zur Arbeit der Drogenberatungsstelle Drobs gibt es hier.

 

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