Sofa-Akrobatik im Foyer
Trägt Artistin Dodo auf Händen: Raoul Schoregge auf dem roten Sofa. Foto: Oberdorfer

Sofa-Akrobatik im Foyer

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Das rote Sofa steht im Foyer der Madsack Mediengesellschaft. Wir bitten interessante Gäste, darauf Platz zu nehmen und uns Fragen zu beantworten. Heute: Raoul Schoregge.

Künstler aus China in Hannover

Hannover. Es kommt nicht häufig vor, dass es im Foyer der Mad­sack Mediengruppe zu akrobatischen Höchstleistungen kommt. Anders in dieser Woche: Raoul Schoregge war zum Gespräch auf dem Roten Sofa geladen. Er ist Produzent des Chinesischen Nationalcircus, der in Hannover gastieren wird. Und da man zwar vieles beschreiben, aber einiges eben auch erleben muss, hatte er Artistin Dodo mitgebracht.

Willkommen auf unserem roten Sofa…
Ich habe auch eins in meinem Büro.

Rot ist ja in China die Farbe des Glücks.
Ja, und die Farbe des Universums, aber auch die Farbe der Partei. Die Farbe meines Sofas hat aber nichts damit zu tun. Das war einfach günstig.

Aber sonst sind Sie ja schon sehr asiatisch-affin. Wie kam es dazu?
Mein Vater war Kunstmaler und hat mich auf asiatische Kunst aufmerksam gemacht. Hinzu kam, dass ich ein Jahr vor dem Abitur den bürgerlichen Bereich verließ und Clown wurde. Ich habe also nicht nur ein rotes Sofa, sondern auch eine rote Nase.

Da hing der Haussegen bei Ihnen aber bestimmt schief, oder?
Klar, als ich sagte: Das wird nichts mit dem Medizinstudium, ich werde jetzt Clown. Aber ich bin dann recht schnell erfolgreich geworden.

Raoul Schoregge auf dem roten Sofa. Foto: Oberdorfer

Raoul Schoregge auf dem roten Sofa. Foto: Oberdorfer

Und wie kamen Sie auf China?
Wir gastierten 1989 in Frankreich und neben uns war das Zelt von chinesischen Akrobaten. Das Zelt sah echt schrecklich aus, da war nichts Schönes dran. Aber die chinesischen Artisten brachten eine solche Leichtigkeit mit, nach der ich immer gesucht hatte.

Und das hat Sie nicht mehr los gelassen?
Genau. 1994 kam ich dann mit André Heller in Kontakt. Damals zeigte er die Show „Begnadete Körper“. Ich habe an wesentlicher Position in Hellers Produktion Chinesischer Nationalcircus gearbeitet. Das hat so einen Spaß gemacht. André Heller hat sich schließlich zurückgezogen. Die Show lag ein Jahr brach. Da bin ich eingestiegen.

Sie produzieren nun seit 15 Jahren die Show. Das ist eine lange Zeit. Fällt Ihnen da eigentlich immer etwas Neues ein?
Natürlich. Die Chinesen haben eine 5000-jährige Geschichte und eine 2000-jährige Zirkushistorie. Das ist ein Fundus, aus dem man sich bedienen kann. Es gibt rund 150 verschiedene Akrobatiknummern. Aber faktisch ist es schon so, dass das Publikum manche Sachen immer wieder sehen will.

Ja? Welche gehören dazu?
Die Kontorsionsnummern, also die Verbiegenummern, bei denen die Mädchen scheinbar keine Knochen haben. Oder auch die Tellermädchen müssen eigentlich in jeder Show vorkommen. Von daher ist es nicht immer ganz so einfach, etwas komplett Neues zu machen. Aber meistens finde ich auch etwas, was dem Zeitgeist entspricht.

Und das ist bei „Chinatown“..?
Seit 250 Jahren wandern Chinesen regelmäßig aus. In anderen Ländern entwickeln sich innerhalb der Städte „Chinatowns“. Die spannende Frage ist doch: Was passiert mit deren Kultur, die sie mitbringen?

A propos mitbringen: Hatten Sie jemals Probleme, Künstler aus China zu holen?
Im Prinzip nein. Mit Hilfe des chinesischen Kulturministeriums kann man das als Kulturaustausch deklarieren. Zudem kennen sich die Leute aus der Szene.

Wie kommt man denn da rein?
Ich war damals gemeinsam mit Oleg Popov in China als Clown.

Echt? Und? Konnten die Chinesen über Sie lachen?
Ja, konnten sie. Ich war zu Anfang auch skeptisch. Aber es hat geklappt. und das war kein Lachen, bei dem der Boss beginnt und alle aus Höflichkeit mitlachen.
❱❱ Mehr Informationen unter www.chinesischer-nationalcircus.com

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