Viele Trickdiebstähle in Hannover

Viele Trickdiebstähle in Hannover

HANNOVER (fh). Vorsicht vor Trickdieben: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Trickdiebstähle in Hannover und Umgebung fast verdoppelt. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 1106 Taten, zehn Jahre zuvor, im Jahr 2005, waren es noch 673 gewesen. Nun scheint die Zahl auf hohem Niveau annähernd konstant zu bleiben. 2015 verzeichnete die Polizeidirektion Hannover gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 200 Taten, eine Trendwende erwartet sie aber nicht. „Auch 2016 bleiben die Fallzahlen nach jetzigem Stand in etwa auf dem Niveau der Vorjahre“, so Polizeisprecher Sören Zimbal.

In den vergangenen Wochen hat es besonders viele Diebstähle mit dem sogenannten Wechseltrick gegeben. Dabei bitten die Trickdiebe bevorzugt Senioren, ihnen Geld zu wechseln und verwickeln sie dann in ein Gespräch. So lenken sie ihre Opfer ab, um selbst ins Portemonnaie zu greifen.

Seit Anfang Juni wurden bei der Polizeidirektion Hannover insgesamt 32 Versuche mit dem Wechseltrick gemeldet, 30 davon waren erfolgreich. Insgesamt wurden dabei 7000 Euro erbeutet. Allein bei einem Diebstahl in der vergangenen Woche hat ein Pärchen einem 68-Jährigen in Garbsen mit diesem Trick 400 Euro abgenommen. Weil diese Variante des Trickdiebstahls in den vergangenen Wochen so gehäuft aufgetreten ist, rät die Polizei zu erhöhter Vorsicht.

Es gibt immer mal wieder Phasen, in denen eine bestimmte Variante des Trickdiebstahls besonders gehäuft auftritt. „Meistens spezialisieren sich Täter auf einen Trick“, erläutert Michael Huwald vom Zentralen Kriminaldienst der Polizeidirektion Hannover. Einige der Täter würden in Hannover wohnen, es gebe aber auch Gruppen, die von einer Stadt zur nächsten ziehen. „Wenn beispielsweise eine Gruppe von Trickdieben nach Hannover kommt, die auf den Wechseltrick spezialisiert ist, häufen sich diese Fälle mit einem Mal“, so Huwald.

Grundsätzlich lassen sich zwei Vorgehensweisen von Trickdieben unterscheiden: Ein Teil der Täter versucht, unter einem Vorwand in die Wohnung ihrer Opfer zu gelangen, um Wertgegenstände zu entwenden. Der zweite Täterkreis spricht die Opfer auf der Straße an, um mitgeführtes Geld zu erbeuten. Besonders häufig sind in beiden Fällen Senioren betroffen. „Die Täter schildern oft eine Notlage. Älteren Menschen möchten dann gern helfen“, erklärt Huwald. „Die meisten Senioren wissen rational, wie sie sich verhalten sollten. Aber emotional entscheiden sie in der Situation anders, wenn der Täter vertrauenserweckend wirkt.“ Er rät nicht grundsätzlich davon ab, Fremden zu helfen. Senioren sollten dabei aber einige Vorsichtsmaßnahmen beachten. „Wer auf der Straße gebeten wird, Geld zu wechseln, sollte eine ausreichende Distanz zum Gegenüber wahren“, so der Kriminalhauptkomissar. Sollte man es mit Trickdieben zu tun haben, könnten diese dann nicht nah genug herankommen, um unbemerkt ins Portemonnaie zu greifen.

Senioren sollten Unbekannte auf keinen Fall in die Wohnung lassen. „Sie können beispielsweise erstmal durch den Türspion gucken, wenn es klingelt, um die Lage einzuschätzen“, erklärt Huwald. Die Tür sollte nur bei vorgelegter Kette geöffnet werden. Ein Glas Wasser oder Zettel und Stift ließen sich auch durch den Spalt reichen: „Vielen Senioren kommt das unhöflich vor, aber nur so können sie sich wirksam vor Trickdieben schützen.“

Ein weiterer Ansatzpunkt für Trickdiebe sei, dass Senioren häufig besonderen Respekt vor Amtsträgern haben. Trickdiebe geben sich beispielsweise als Polizeibeamte aus. „Auch wenn sich jemand als Polizist ausgibt, sollte man sich unbedingt einen Dienstausweis zeigen lassen“, betont Polizeisprecher Zimbal.

Dass sich ein gesundes Misstrauen auszahlt, zeigen einige Fälle der vergangenen Wochen, in denen Senioren mutmaßliche Trickbetrüger abblitzen ließen. So ließ sich eine 89-Jährige in Döhren nicht hinters Licht führen, als sich ein Mann vor ihrem Haus als Kriminalbeamter ausgab. Er hatte die Seniorin auf dem Heimweg abgepasst und behauptete wegen eines Einbruchs ihre Wohnung überprüfen zu müssen. Die 89-Jährige erkannte die Masche und ließ den falschen Polizisten an der Straße stehen. Ende Juni waren vier versuchte Trickdiebstähle in der Oststadt und in Vahrenwald an der Skeptsis der Bewohner gescheitert. Zwei Männer hatten sich als Mitarbeiter der Stadtwerke beziehungsweise als Handwerker ausgegeben und einen Wasserrohrbruch erfunden. Doch die Betroffenen waren nicht darauf reingefallen und hatten die Polizei verständigt.

Wer Opfer eines Trickdiebstahls wird oder sich nicht sicher ist, ob er es mit Trickdieben zu tun hatte, sollte sich an die Polizei wenden. „Es ist für uns auch wichtig auch von gescheiterten Trickdiebstählen zu erfahren“, betont Huwald. Betroffene können sich an die Polizei unter der Nummer 110 wenden.

 

Die häufigsten Tricks 2015

„Handwerker“ (188 Taten im Jahr 2015): Die Täter geben sich an der Wohnungstür oder vor dem Haus als Handwerker aus. Sie täuschen beispielsweise einen Wasserrohrburch vor oder behaupten, die Rauchmelder überprüfen zu müssen, um Zugang zur Wohnung zu erhalten . Während ein Täter den Bewohner in ein Gesrpäch verwickelt, suchen seine Komplizen die Wohnung nach Wertgegenständen ab.

„Ablenken“ (181 Taten): Die Täter lenken ihre Opfer auf der Straße, in ab, in dem sie beispielsweise nach der Uhrzeit oder nach dem Weg fragen. Ein Komplize greift dann nach Handtasche, Handy oder Portemonnaie zu gelangen.

Geldwechsler (135 Taten): In der Innenstadt oder auf Parlplätzen bitten die Täter insbesondere Senioren, ihnen Geld zu wechseln. Sie behaupten beispielsweise Kleingeld für Parkuhr oder Einkaufswagen zu benötigen. Die Täter verwickeln ihre Opfer dann in ein Gespräch und bieten teilweise sogar an bei der Kleingeldsuche zu helfen. Dabei entwenden sie unbemerkt Geldscheine.

 

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