Von Limmer auf den Benther Berg
Von Kollrothshöhe aus bietet sich ein schöner Blick auf Hannovers Norden und Westen.

Von Limmer auf den Benther Berg

Eine Radtour von der Wasserstadt nach Harenberg und quer durchs Calenberger Land bietet große Abwechslung

Von Hartmut Heinze
Hannover. Es ist Sonntag. Felix, mein 15-jähriger Sohn, muss heute nicht in die Schule, und auch ich habe frei. Ohne Mama und ohne kleinen Bruder: Nur wir beide wollen endlich einmal einen ganzen Tag lang etwas gemeinsam unternehmen. Wir wollen Rad fahren – und zwar von Limmer nach Badenstedt. Allerdings nicht auf direktem Weg, sondern quer durch das Calenberger Land auf meinem Exte Cross Racer S von Stadler – einem perfekten Rad für solche Überlandtouren.
Los geht es mit der Straßenbahn, Linie 10, Richtung Ahlem. Wir steigen an der Station „Brunnenstraße“ in Limmer aus – sehr bequem, denn es handelt sich um einen Hochbahnsteig. Nach einigen Metern erreichen wir den alten Kern von Limmer – einem der schönsten Orte Hannovers. Hier lohnt sich ein Besuch der denkmalgeschützen, aus dem Jahr 1878 stammenden St.-Nikolai-Kirche. Immer wieder reizvoll ist auch ein Blick über die Schleuse am Leineabstiegskanal und ein Abstecher zur Wasserkunst mit dem Wasserkraftwerk und dem historischen Ernst-August-Kanal. Weiter geht es über die gerade erst fertig gestellte Erschließungsstraße für die Wasserstadt Limmer in Richtung Ahlem. Sand, Sand und nochmal Sand: Wie eine riesiger Spielplatz wirkt das ehemalige Fabrikgelände der Conti Limmer heute. An diesem Ort soll in naher Zukunft ein neuer Stadtteil entstehen. Über den Stichkanal Linden fahren wir weiter nach Ahlem. Hier besuchen wir die Gedenkstätte an der Heisterbergallee, die auf dem Gelände der ehemaligen Israelitische Gartenbauschule Ahlem liegt. Während eines etwa einstündigen Rundganges begeben wir uns auf eine eindrucksvolle und gleichzeitig beklemmende Zeitreise in die dunkle NS-Zeit. Felix saugt die Fotos und Fakten der Ausstellung geradezu auf – er interessiert sich sehr für Geschichte. „Wie konnten die Menschen damals nur so unmenschlich sein“, sagt er.
Weiter geht es Richtung Westen – hinein ins Calenberger Land. Kurz hinter Ahlem kommen wir am Englischen Soldatenfriedhof vorbei. In langen Reihen liegen hier die Gräber von fast 2500 Soldaten des Commonwealth, die im Zweiten Weltkrieg in Deutschland gefallen sind. Wir radeln los in Richtung Harenberg. Der Anstieg in den Seelzer Ortsteil ist nicht ohne – so einige Höhenmeter müssen überwunden werden. Aber die Anstrengung lohnt sich: Der Blick über Hannovers Norden und Westen von der Siedlung Kollrothshöhe aus ist einfach grandios. In Harenberg bietet sich ein Besuch der neugotischen St.-Barbara-Kirche an, die sich mitten im Ortskern befindet. Im Rahmen der Reihe 12xk findet hier immer am 12. eines jeden Monats um 19 Uhr ein Konzert oder eine Lesung statt – lohnenswert. Gestern gastierte dort das Trio „Remember“. An der Tankstelle in Harenberg biegen wir dann nach links auf die Gehrdener Straße ein und radeln in Richtung Lenthe, das wir nach knapp zwei Kilometern erreichen. Eindrucksvoll sind die Güter des Ortes, Obergut und Untergut. Auf dem Obergut steht das Geburtshaus von Werner von Siemens, dem berühmten Erfinder und Begründer der Elektrotechnik, der hier einen Teil seiner Kindheit verbrachte.
Am Ortsausgang von Lenthe kehren wir dann in der Gaststätte des Sportvereins Northen-Lenthe zum Mittagessen ein. Felix isst ein Jägerschnitzel, ich bestelle mir Spargel mit Schinken für 14.50 Euro. Uns schmeckt es prima. Nach 45 Minuten ist unsere Pause beendet, wir radeln weiter in Richtung Benther Berg. Der Höhenzug, der etwa 3,5 Kilometer lang und 500 Meter breit ist, misst an seiner höchsten Stelle knapp über 170 Meter und ist damit die höchste Erhebung in der Umgebung von Hannover. Wir fahren erst einmal rund um den Berg. Im Benthener Ortsteil Sieben Trappen lohnt sich ein Blick auf die Windmühle und die sagenumwobenen Kreuzsteine „Sieben Trappen“, die früher vermutlich als Gerichtsstätte dienten und heute ein Mahnmal für mehr Ehrlichkeit darstellen.
Zurück in Benthe, nehmen wir ordentlich Anlauf und erklimmen den Gipfel. Die auf dem Berg liegenden Hügelgräber aus der Bronzezeit finden unser besonderes Interesse. Vom östlichen Rand des Höhenzuges hat man eine schöne Sicht nach Davenstedt, Badenstedt und Empelde. So langsam geht unsere Tour zu Ende – es sind nun nur noch knapp zwei Kilometer bis zur Stadtbahnhaltestelle „Safariweg“ in Badenstedt.
Es war ein sehr schöner Tag. Felix und ich haben viel gesehen, haben so einige Kilometer auf dem Sattel abgespult und was am wichtigsten war: Wir hatten Zeit für uns. Nur für uns.

 

Informationen
Anreise: In die Busse und Stadtbahnen der Üstra können Fahrgäste ihre Fahrräder kostenlos mitnehmen. Dieses Angebot gilt werktags von 8.30 bis 15 Uhr sowie nach 19 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen ganztägig.
Route: Die etwa 22 Kilometer lange Tour kann beliebig verlängert oder auch verkürzt werden. Im Calenberger Land gibt es viele weitere sehenswerte Dörfer, Mühlen und Wälder.

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