„Wir haben hart dafür gearbeitet“
Brian Mantle.

„Wir haben hart dafür gearbeitet“

Brian Mantle, Geschäftsführer des Deutschen Cricket Bundes, spricht über den Boom und den Nachwuchs

Cricket ist in England, Indien, Australien, Südafrika, Pakistan und Sri Lanka Nationalsport. In Deutschland können noch immer viele nichts mit der Schlagballsportart anfangen. Doch die Popularität steigt rasant durch den Zustrom von Flüchtlingen. Brian Mantle, Geschäftsführer des Deutschen Cricket Bundes spricht im Interview über die Entwicklung.

Herr Mantle, müssen Sie sich manchmal selber kneifen?
Nein, warum sollte ich?
Cricket erlebt in Deutschland einen unglaublichen Boom. Sogar in großen Nationen wie England, Indien und Australien wird über die Entwicklung in Deutschland positiv berichtet …
Wir haben sehr hart dafür gearbeitet – auch schon vor dem Zustrom an Flüchtlingen. Das ist jetzt die Belohnung für unsere gute Arbeit. Auch wenn wir natürlich nicht erwartet hatten, dass sich Cricket so rasant entwickelt. Wir haben jetzt bundesweit 117 Vereine mit 270 Mannschaften. Als ich vor fünf Jahren angefangen hatte, gab es lediglich 80 Mannschaften.
Die Entwicklung ist so sensationell, dass sogar Hollywood darauf aufmerksam wurde …
Ja, das stimmt. Es wird einen Spielfilm über die Geschichte eines Flüchtlings aus Afghanistan geben, der nach Deutschland kommt und hier Cricket spielt. Es basiert auf einer realen Geschichte von mir und einem 16-jährigen Flüchtling. Das Drehbuch für „Rites of Passage“ schrieb O‘neil Sharma, der auch an den Filmen „Inglorious Basterds“ und „Valkyrie“ beteiligt war. Ende 2017 soll dieser Film zu sehen sein.
Wie wichtig ist Cricket für die Flüchtlinge?
Für die Integration ist es wichtig, dass die Menschen glücklich sind. Und man kann nur glücklich sein, wenn man sich auch im fremden Land etwas aus der Heimat behält. Sie müssen ihre Sprache sprechen dürfen, ihr eigenes Essen kochen dürfen und ihren Sport ausüben. Dann kommt als nächster Schritt, dass sie die deutsche Sprache lernen. Wenn sich Menschen wohl fühlen, sind sie auch bereit, einen Beitrag für Deutschland zu leisten und beispielsweise im Verein beim Training helfen. Cricket gibt den Flüchtlingen auch eine Perspektive. Sie können sonst ja kaum etwas tun. In den Vereinen können sie sich präsentieren und auch noch Erfolge feiern. Das ist für das Ego natürlich auch wichtig.
Wie gut gelingt es denn, die typisch deutschen Tugenden zu vermitteln?
Das ist manchmal ein Kampf (lacht). Wir versuchen natürlich, dass in den Vereinen Deutsch gesprochen wird. Und auch, dass sie Pünktlichkeit lernen. Das gelingt noch nicht immer.
Vielen Deutschen ist Cricket noch immer fremd. Können Sie es in zwei Sätzen erklären?
Oh, das müssten sehr lange Sätze mit vielen Kommata werden (lacht). Ich versuche es einmal knapp: Es ist eine Mannschaftssportart, bei dem es aber auch einen Einzelkampf zwischen Werfer und Schlagmann gibt, Es ist nicht nur ein eleganter Sport, sondern eine Lebenseinstellung. Respekt für den Gegner sowie Schiedsrichter und gute Manieren gehören dazu. Es ist egal, welcher Religion oder Nationalität die Mitspieler und Gegner angehören. Es gibt ein gutes Miteinander. Das ist der „Spirit of Cricket“.
Wie können Sie denn mehr Deutsche für den Sport begeistern?
Das geht nur über Jugendarbeit. Wir müssen die Kinder frühzeitig für den Sport begeistern. Über Schulen kann man Kindern Cricket einmal näherbringen. Dann müssen Vereine Zeiten und Raum schaffen, um den Nachwuchs zu trainieren. Da sind wir inzwischen auch auf einem sehr guten Weg.
Wie bewerten Sie die Entwicklung der Mannschaft beim MTV Herrenhausen?
Sportlich hat sich das Team sehr gut entwickelt. Dadurch, dass bis zur neuen Saison im April ein Platz entsprechend hergerichtet wird, wird Cricket in Hannover noch größer, als es aktuell schon ist. So etwas spricht sich bei den Interessierten herum. Ich würde aber auch sagen, dass Konkurrenz wichtig ist. Es muss einen zweiten Verein in der Stadt geben. Denn Gewinnen und Verlieren gehört dazu, sonst ist der Reiz weg. In Hamburg gibt es beispielsweise acht Vereine.

Brian Mantle (45) ist gebürtiger Brite, lebt seit 21 Jahren in Deutschland. Mit seiner Frau und zwei Kindern wohnt er in Essen. Seit 2011 ist er Geschäftsführer des Deutschen Cricket Bundes.

Interview: Mark Bode

Schlagmann Jayendra Kumar Krishnaswamy wehrt gekonnt den Ball ab. Fotos: Bode

Schlagmann Jayendra Kumar Krishnaswamy wehrt gekonnt den Ball ab.
Fotos: Bode

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.