„Wir sind kein Folklorefestival“
Gerd Kespohl und Christoph Sure im Gespräch. Foto: niehaus

„Wir sind kein Folklorefestival“

Das Masala Weltbeat-Festival ist in die 21. Runde gestartet – und ist erfolgreich wie zu Anfang

Interview: Heike Schmidt
rotes-sofaHannover. 21. Runde für das Masala Weltbeat Festival: Gestern ist es im Pavillon mit einem Konzert von Tony Allen (Nigeria) und Pat Thomas (Ghana) eröffnet worden. Von Beginn an haben Christoph Sure und Gerd Kespohl das Festival geleitet, Künstler zusammengesucht und das Programm erstellt. Ein Gespräch über die Anfänge von Masala, wie es überhaupt zu dem Namen kam und warum Unmada in jedem Jahr dabei ist.

Das zwanzigste Masala Weltbeat Festival steht an…
Kespohl: Das 21. Festival. Wir haben ein Jahr pausiert, das stimmt schon, aber eigentlich ist es ja schon das 22. Jahr.

Das ist ja eine lange Zeit. Wie war die Anfangszeit? Kamen überhaupt Besucher?
Sure: Und ob! Es waren ja nur vier Tage, und der Pavillon war restlos ausverkauft. Es gab ja auch nichts mehr in der Art. Das Womad Festival, das Peter Gabriel damals einige Jahre für Hamburg im Stadtpark organisiert hat, kam nicht mehr zustande, da der Senat den Stadtpark nicht mehr freigab. Es gab also nichts Ähnliches mehr. Masala war überfällig. Die Menschen wollten das. Es war ja auch das einzige Weltmusik Festival in Deutschland. Es war, als hätten die Menschen darauf gewartet.

Heute gibt es Alternativen. Was macht Masala heute aus?
Kespohl: Für Deutschland ist es in dieser Art schon einzigartig. Masala hat sich ja auch weiterentwickelt. Früher ging es eher um die Musiktradition der einzelnen Länder. Da konnte es schon folkloristisch hergehen. Aber wir sind kein Folklorefestival. Auch die Musikrichtung hat sich weiterentwickelt: Heute gibt es ganz viele Aspekte vom Jazz oder elektronischer Musik, die eher mit folkloristischen Elementen verbunden sind.
Sure: Und kaum ein Rock- oder Popmusiker bindet heute nicht auch folkloristische Elemente in seine Musik ein.
Kespohl: Das haben damals schon Sting oder auch Peter Gabriel gemacht…
Sure: Ja, aber die jungen Menschen heute, da gibt es auch Hip-Hop mit Anteilen von Tradition. Das ist schon sehr modern.

A propos Alter: Wenn Sie vor 21 Jahren Masala gestartet haben, dann könnten heute ja die Kinder von einst jetzt als Erwachsene Masala besuchen. Gibt es eine solche Masala-Generation?
Kespohl: Ja, klar. Unsere Kinder zum Beispiel, die sind mit Masala aufgewachsen. Damals mit Unmada… Der ja heute auch noch dabei ist…
Sure: Und darüber haben wir uns auch im Vorfeld der Programmgestaltung unterhalten. Muss das sein, haben wir uns gefragt.
Kespohl: Aber dann haben wir gesagt: Klar, Unmada gehört zu Masala. Der Vorverkauf gibt uns Recht: Die Karten für seine erste Veranstaltung in diesem Jahr waren ruck-zuck weg.

Aber das Programm hat sich im Laufe der Jahre schon geändert?
Kespohl: Natürlich. Es sind ja viele junge Künstler in allen Ländern nachgewachsen, die jüngste Musikerin ist 20 Jahre, der älteste 70. Wir schauen immer, dass der Mix stimmt.
Sure: Und wir stellen auch gern Musikstile gegenüber. Klar gibt es da auch Menschen, die raus gehen. Aber sie haben zumindest einmal ihre Ohren für Neues geöffnet. Das ist doch großartig – auch wenn der Musikstil nicht ihrer ist.

Was ist Masala heute?
Kespohl: Es hat nicht mehr den exotischen Charakter wie in den ersten Jahren. Weltmusik ist auch Anteil bei vielen Pop,- Rock- und Jazzfestivals geworden und hat sich etabliert. Masala hat seinen ganz eigenen Charakter gefunden.
Sure: Und ist durchaus erfolgreich: Inzwischen beraten wir auch den Feuerwerkswettbewerb oder das Maschseefest und schauen, welche Gruppen zu dem jeweiligen Event passen könnten.

Und wieso heißt Masala nun Masala?
Kespohl: Wir haben damals lange zusammen gesessen und überlegt, dann kam uns die Idee: Es gab da diesen Film: Mississippi Masala. Darin geht es um eine Liebe zwischen einer Inderin und einem Afrikaner, die trotz aller Probleme gelingt – und genau das wollten wir: Kulturen zusammenbringen.
Sure: Masala ist zudem eine feurig-scharfe Gewürzmischung.

Aber dann hätte es auch Curry heißen können, das ist ja auch eine Gewürzmischung…
Kespohl (lacht): Ja, eigentlich schon. Aber bedenken Sie: Curry Weltbeat Festival, an was denkt man da?

An die Wurst, schon klar.

Danke für das Gespräch!

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