„Wir sind zu lieb, zu brav“
Trainerikone Rainer „Anna“ Behrends wechselt zur kommenden Sasion zum Kreisligisten TuS Wettbergen. Foto: Bode

„Wir sind zu lieb, zu brav“

Fußball: Der Abstieg mit dem HSC nagt an Trainerikone Rainer Behrends

Er ist seit über 30 Jahren als Trainer tätig und eine Institution in Hannover. Im Interview spricht er über den Abstieg mit dem HSC, die neue Aufgabe in der Kreisliga und seinen Spitznamen.

Herr Behrends, können Sie nach dem Abstieg mit dem HSC schon wieder ruhig schlafen?
Nein, das ist schon sehr belastend. So etwas nagt an mir. Schließlich wollte ich nicht mit dem Abstieg den HSC verlassen. Es dauert auch, bis ich das verdaut habe. Man hinterfragt sich auch immer, ob man etwas anders hätte machen können. Ich bin aber der Meinung, dass Trainerkollege Frank Kittel und ich alles versucht haben.

Im Winter galt der HSC für viele bereits als sicherer Absteiger, dann legten Sie eine furiose Runde hin und dennoch hat es nicht gereicht.
Wir hatten am Ende fünf Matchbälle und haben alle vergeben. Das ist ganz bitter. Besonders, weil es gegen Mitkonkurrenten ging. Ein einziger Sieg hat uns gefehlt, um eine tolle Geschichte für den HSC zu schreiben.

Woran hat es Ihrer Meinung nach gelegen?
Wir sind zu lieb, zu brav. Uns fehlten einige Führungsspieler, die für so eine Situation nötig gewesen wären. Kleine Rampensäue, die auf dem Platz mal ein Zeichen setzen. Mit solchen Spielern hätten wir die Partie in Göttingen nach 2:0-Führung nicht noch verloren.

Sie hatten frühzeitig Ihren Abschied bekanntgegeben. Warum zieht es Sie in die Kreisliga?
Die Arbeit in Wettbergen bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. Ich kann vom Haus mit dem Fahrrad zum Sportplatz fahren. Die Gegner sind deutlich näher, die langen Auswärtsfahrten bleiben aus. Außerdem kommen wir mit deutlich weniger Training aus.

Wird es dennoch eine große Umstellung für Sie? Schließlich haben Sie bis zur damals dritthöchsten Spielklasse trainiert.
Natürlich ist zwischen der Oberliga und der Kreisliga ein Unterschied. Aber ich freue mich auf die Aufgabe. Es wird alles entspannter laufen, es gibt nicht mehr den ganz großen Druck.

Aber wer Sie kennt, der weiß, dass Sie immer ehrgeizig sind. Das ändert sich doch sicherlich auch in Wettbergen nicht…
Natürlich bleibe ich ehrgeizig. Wenn ich eine Aufgabe angehe, mache ich die mit vollem Engagement und will gewinnen und Erfolge feiern. Das Ziel für die neue Saison lautet, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Ich möchte meine Tätigkeit aber gerne mit der Bezirksliga abschließen.

Wie lange wollen Sie sich denn noch als Trainer an die Seitenlinie stellen?
Das kann ich nicht sagen. So lange es mir körperlich gut geht und Spaß bereitet. Wenn das nicht mehr der Fall ist, höre ich auf. Aber Fußball ist eine Droge für mich (lacht).

Was für ein Trainertyp sind Sie denn?
Ich möchte gerne Spaß mit den Spielern haben und bin auch gerne der Kumpeltyp. Aber das geht nur, wenn der Erfolg auch da ist. Wenn die Spieler nicht richtig mitziehen, kann ich auch laut werden.

Was für Spiele aus Ihrer inzwischen über 30 Jahre andauernden Trainerkarriere sind Ihnen denn besonders in Erinnerung geblieben?
Dazu gehören sicherlich die Spiele mit Sportfreunde Ricklingen im DFB-Pokal. Und ganz besonders das Relegationsspiel mit Arminia beim Heider SV. Das Hinspiel bei uns ging 0:0 aus und jeder aus dem Umfeld hatte den Aufstieg in die Regionalliga schon abgehakt. Dann haben wir dort 4:0 gewonnen. So etwas vergesse ich nie. Mein Herz schlägt schließlich auch immer für Arminia.

Erklären Sie zum Schluss noch, wie Sie zu Ihrem Spitznamen Anna gekommen sind?
So richtig weiß ich das selber nicht. Denn den Namen hatte ich schon als Kind weg. Es war vermutlich so, dass einer meiner Freunde den Namen Rainer nicht aussprechen konnte und mich Anna rief. Bei Arminia kannten sie mich eigentlich nur unter dem Spitznamen. Stadionsprecher hatten mich sogar so vorgestellt. Die Zuschauer fragten sich dann, ob da eine Frau mitspielt. Ich drehe mich auch heute immer noch um, wenn jemand „Anna“ ruft.
Interview: Mark Bode

Visitenkarte: Rainer Behrends

Der 65-jährige Rainer Behrends ist Vollstreckungsbeamter. Der frühere Jugendnationalspieler kickte beim OSV, VfL Wolfsburg, beim SV Arminia und Sportfreunde Ricklingen. Der Ricklinger übernahm 1986 bei Sportfreunde als Trainer, führte diese in zehn Jahren bis in die Regionalliga und zweimal in den DFB-Pokal. Mit Arminia stieg er als Coach ebenfalls in die Regionalliga auf, den HSC führte er in die Oberliga, stieg in der zurückliegenden Spielzeit aber direkt wieder ab. Er übernimmt in der Kreisliga nun TuS Wettbergen.

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