Wirtschaftsreport: Mehr Stellen – noch immer viele Arbeitslose
Auch im Gesundheitswesen ist die Zahl der Beschäftigten laut dem Wirtschaftsreport deutlich gestiegen. Foto: Wilde

Wirtschaftsreport: Mehr Stellen – noch immer viele Arbeitslose

Die Wirtschaft wächst, die Zahl der Beschäftigten steigt – doch die Arbeitslosigkeit in der Region Hannover ist noch immer vergleichsweise hoch. Zu diesem Fazit kommt der aktuelle Wirtschaftsreport, den die private Forschungseinrichtung CIMA Institut für Regionalwirtschaft erstellt hat. Er untersucht die Entwicklungen seit 2005 und vergleicht sie mit ähnlichen Gebieten, also anderen deutschen Großstädten mit ihrem jeweiligen Umland.

490 000 Menschen waren dem Bericht zufolge zur Mitte des vergangenen Jahres in der Region Hannover beschäftigt – deutlich mehr als sechs Jahre zuvor. Damals gab es etwa 430 000 Beschäftigte. Das bedeutet: Seit dem Jahr 2010 sind jährlich durschnittlich 10 000 neue Stellen entstanden. Damit hat sich die Beschäftigung dem Wirtschaftsreport zufolge besser entwickelt als in anderen Großstadträumen. Mit einem jährlichen Zuwachs von 2,2 Prozent belegt die Region Hannover jetzt den sechsten Platz unter den 21 Vergleichsgebieten. Für den Zeitraum von 2005 bis 2010 hatte sie noch auf dem 19. Platz gestanden.

Arbeitslosigkeit in der Region Hannover weiterhin hoch

Trotz des positiven Trends ist die Arbeitslosigkeit in der Region Hannover mit 7,5 Prozent noch immer vergleichsweise hoch. Deutschlandweit liegt sie bei 5,9 Prozent, im Durchschnitt der Großstadträume bei 6,7 Prozent. In der Region Hannover beziehen auch besonders viele Menschen Hartz IV. Seit 2012 ist ihre Zahl sogar leicht gestiegen. Im Vergleich mit den anderen Großstädten und ihrem Umland hat die Region Hannover mit 13,4 Prozent den vierthöchsten Anteil an Leistungsempfängern.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre in der Region bewertet der Wirtschaftsreport insgesamt trotzdem positiv. Ausgerechnet mit der Weltwirtschaftskrise, die im Jahr 2007 begann, habe in der Region Hannover eine Trendwende eingesetzt.

Vorher wies sie demnach eine unterdurchschnittliche Beschäftigungsentwicklung auf. Doch in der Krise behauptete sie sich besser als viele Vergleichsregionen, heißt es im Wirtschaftsreport. Als mögliche Ursache wird der große Anteil des Dienstleistungssektors genannt, der weniger stark von der Krise betroffen war. In diesem Bereich arbeiten in Hannover 79 Prozent der Beschäftigten, der vierthöchste Wert im Großstadtvergleich. Der Durchschnitt lag bei 74,5 Prozent. Seit 2009 weise die Region Hannover sogar stärkeres Wachstum auf als andere Regionen.

Fast alle Branchen legen kräftig zu

Das Besondere sei, dass nicht nur Arbeitslosigkeit abgebaut, sondern auch darüber hinaus Beschäftigung aufgebaut werde. „Der Markt saugt auch stille Reserven auf. Es werden also auch Leute eingestellt, die in unseren Statistiken vorher gar nicht aufgetaucht sind“, erklärt Habenicht. Aber auch auf die Arbeitlosenquote wirken sich die neu geschaffenen Stellen positiv aus. Sie ist seit 2010 um 1,5 Prozentpunkte gesunken und liegt jetzt bei 7,5 Prozent. Seit 2005 hat sie sich sogar halbiert. „In den vergangenen Monaten haben jetzt auch die Langzeitarbeitslosen davon profitiert“, weiß Habenicht. Ihre Zahl sei gegenüber dem Vorjahr um fast sieben Prozent gesunken.

Einen Anstieg der Beschäftigung gab es in fast allen wichtigen Branchen vom Handwerk über die Logistik bis hin zur Wissenschaft und Forschung. „Wir haben eine stabile und robuste Konjunktur und die meisten Handwerksbetriebe blicken optimistisch in die Zukunft“, sagt Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. Dabei profitiere das Handwerk von gestiegenen Einkommen und niedrigen Zinsen. „Sparen lohnt sich nicht. Es wird viel investiert, gerade auch in der Baubranche“, so Ernsting. Auch Stefan Noort von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover wertet die Entwicklung der vergangenen Jahre positiv. Die Beschäftigungslage in der Region sei so gut wie nie. „Andererseits haben Unternehmen aber zunehmend Schwierigkeiten passende Fachkräfte zu finden“, sagt er.

Besonders gut entwickelt haben sich dem Bericht zufolge wissensbasierte Unternehmensdienstlesitungen mit einem Anstieg um 28 Prozent. Dazu gehören unter anderem Unternehmensberatungen in Rechts- und Steuerfragen und Unterstützung beim Marketing. Zuwächse von mehr als zehn Prozent gab es außerdem in Messe- und Kongresswesen, Informations- und Kommunikationswirtschaft, Automobilbranche, Kreativwirtschaft und Gesundheitswesen.

Der vollständige Bericht ist auf der Internetseite der Wirtschaftsförderung als PDF-Datei verfügbar.

 

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