Ein Ort zum Luftholen

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Aegidius-Haus eröffnet: Durch die Betreuung behinderter Kinder können ihre Eltern neue Kräfte schöpfen

Bult. Endlich Entlastung für die Eltern schwer kranker Kinder: Nach einer zehnjährigenPlanungsphase und einem Jahr Bauzeit haben die Niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt und Oberbürgermeister Stefan Schostok das Aegidius-Haus neben dem Kinderkrankenhaus auf der Bult eröffnet. Dort werden ab Mitte Oktober bis zu zwölf schwerbehinderte Kinder für eine begrenzte Zeit betreut. Für sie bedeutet es einen Kurzurlaub, für ihre Eltern eine Entlastung von der Pflege.

„Endlich ist es eröffnet – einfach Klasse“ freut sich Mutter Tanja Emme aus Barsinghausen. Im November wird ihre 14-jährige Tochter Celine, die eine Gehirnfehlbildung und starke Epilepsie hat, im Aegidius-Haus eine Woche verbringen. Auch für die Osterferien sei ein Aufenthalt ihrer Tochter im Haus geplant. „Für uns ist das ganz wichtig, da wir auch zwei gesunde Kinder haben“, sagt Emme. Mit ihnen zusammen könne sie dann in Urlaub fahren, wenn Celina im Aegidius-Haus betreut werde.

Im neuen Aegidius-Haus werden die zwölf Kinder bis zu 21 Tage im Jahr betreut. Sie schlafen in Zweibettzimmern und können einen hellen Aufenthaltsraum mit Blick auf die große Rasenfläche hinter dem Haus nutzen. Dort steht auch eine spezielle Schaukel für Rollstuhlfahrer. Außerdem gibt es im Haus einen Snoezle-Raum, in dem die Sinne der Kinder durch Licht und Klänge stimuliert werden. 13 Fachkräfte, wie Krankenpfleger, Heilerziehungspfleger und Pädagogen, kümmern sich um die Gäste. Außerdem übernehmen ehrenamtliche Helfer der Johanniter Teile der Betreuung. Ihr Begleitdienst „Regenbogen“ bietet Freizeitangebote für die Kinder an.

„Es ist ein Modellprojekt, das einzigartig ist“, sagt Chefarzt Hans-Jürgen Christen vom Kinderkrankenhaus auf der Bult, der von Beginn an die Planungen für das Haus begleitete. Einrichtungen für Kurzzeitpflege von Kindern gäbe es in Niedersachsen in dieser Form noch nicht. „Ich glaube, es wird Schule machen“, sagt der Chefarzt. Bereits jetzt hätte es erste Anfragen aus anderen Städten gegeben, die ähnliche Projekte umsetzen wollen.

Ein weiterer Grund für die Einzigartigkeit des Aegidius-Hauses ist die Finanzierung: Es wurde zum großen Teil aus Spenden bezahlt. Die Baukosten für das gesamte Haus mit Einrichtung betragen 2,5 Millionen Euro. Allein der Lions Club Hannover Aegidius, der sich für die Umsetzung des Projektes gründete, steuerte rund 1,2 Millionen Euro bei. „Wir sind sehr froh über die Eröffnung und dass es jetzt endlich losgeht, denn es gab viele Unwägbarkeiten in den zehn Jahren“, sagt der Präsident des Clubs, Carsten Schüler. Doch die Spendersuche soll noch weitergehen: Beispielsweise bräuchten manche Eltern finanzielle Unterstützung, um die Zuzahlungen von 25 Euro pro Tag für den Aufenthalt ihrer Kinder tragen zu können. Auch spezielle Therapieangebote im Haus könnten künftig durch Spendengelder finanziert werden, so Schüler.

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