„Das ist mein Leben“
Kathrin Rudolph überreicht Edelgard Krüger (links) einen Blumenstrauß zum Jubiläum.

„Das ist mein Leben“

Edelgard Krüger aus Egestorf ist 79 Jahre alt und arbeitet seit 45 Jahren bei Juwelier Speckmann

Barsinghausen. 1972 war das Jahr, als die deutsche Nationalmannschaft Europameister wurde. Es war das Jahr, als in den USA die Wategate-Affäre ans Licht der Öffentlichkeit kam und in Deutschland Andreas Baader und andere Mitglieder der Rote Armee Fraktion nach einer Schießerei verhaftet wurden. 1972 war aber auch das Jahr, in welchem Edelgard Krüger in die Firma Speckmann eintrat. Seit nunmehr 45 Jahren arbeitet die gebürtige Hannoveranerin für den Juwelier aus der Marktstraße und hat in diesen viereinhalb Jahrzehnten Tausende von Kunden freundlich und kompetent beraten.

„Das ist mein Leben – die Menschen, die Beratung und der Verkauf“, sagt die 79-Jährige, die heute noch zwei Tage in der Woche arbeitet. Und das merkt man sofort, wenn man das Geschäft betritt. Edelgar Krüger eilt zur Tür, um sie den Kunden aufzuhalten. Sie hört den Menschen aufmerksam zu und ist immer bemüht, ihnen einen befriedigende Lösung zu präsentieren. Muss ein Ring geweitet oder eine Armbanduhr repariert werden, holt sich die Egestorferin immer auch den fachkundigen Rat der Kollegen aus der Werkstatt.
Nach 45 Jahren ist Edelgard Krüger für viele Menschen das Aushängeschild des Juwelier-Fachgeschäfts. Wenn sie einen Kunden an der Tür verabschiedet, bekommt sie nicht selten zu hören: „Wir kennen uns ja schon ein ganzes Leben. Wie immer vielen Dank für die super Beratung.“

Die Einzelhandelskauffrau für Uhren und Schmuck, die ab 1966 im Kaufhaus von Rudolf Ballin gearbeitet hatte, trat nach ihrem Mutterschutz am 24. April 1972 in den Betrieb des befreundeten Karl-Albert Speckmann ein. Seitdem dokumentiert die Hobbyseglerin, die sich in verschiedenen Vereinen engagiert, die Geschichte des Unternehmens akribisch. Fotos von Betriebsfeiern, Zeitungsartikel und Speckmann-Werbeanzeigen – alles landet in einem aus allen Nähten platzenden dicken Ordner. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten“, erklärt Krüger ihr Tun: „Möglichst alles aufheben oder alles vergessen.“

Dankbarkeit für
die große Treue

Auf nahezu allen Fotos ist Edelgard Krüger lachend zu sehen. Sie bezeichnet sich als Frohnatur. „Natürlich gibt es Tage, da denkt man: ‚Oh, Gott!‘. Das gehört dazu, doch ich habe eine sehr positive Lebenseinstellung, und es folgen ja auch wieder super Tage“, sagt sie. Diese Einstellung wussten ihre frühren Vorgesetzten Karl-Albert Speckmann, Rosemarie Reif und Wolf Holthoff und wissen die aktuellen Georg und Kathrin Rudolph zu schätzen. „Frau Krüger begegnet uns und allen Kunden immer mit absoluter Herzlichkeit und Freude“, lobt Kathrin Rudolph. Stolz ist Edelgard Krüger auf eine Weihnachtskarte, in der ihr die Rudolphs danken, dass sie dem Betrieb bereits seit vielen Jahren so treu zur Seite steht. „Das hat mich sehr gefreut und ist mit Geld nicht aufzuwiegen“, sagt sie. So ist es auch nicht das Geld, das sie nach 64 Berufsjahren weiterhin im Geschäft stehen lässt. „Es ist Berufung und mein Hobby“, sagt sie.

Edelgard Krüger (rechts) steht im Jahr 1976 mit zwei Kolleginnen für dem Juweliergeschäft.

Edelgard Krüger (rechts) steht im Jahr 1976 mit zwei Kolleginnen für dem Juweliergeschäft.

Und dieser Beruf hat sich über die Jahrzehnte verändert. Teilweise sei die Wertschätzung des Schmucks auf der Strecke geblieben – einhergehend mit der Wertigkeit. So werde heute deutlich mehr preiswerter sogenannter Modeschmuck nachgefragt. Doch sei mittlerweile wieder ein entgegengesetzter Trend zu erkennen. „Wir hatten es bereits häufiger, dass ein Großvater für seinen Enkel eine hochwertige Taschenuhr gekauft hat“, sagt Edelgard Krüger.

Erinnerungen an ein aufregendes Arbeitsleben hat die ehemalige Feldhandballspielerin viele. Vor fast 30 Jahren hatten zahlreiche Spieler der zypriotischen Fußballnationalmannschaft, die im Sporthotel einquartiert gewesen sei, als Souvenirs sämtliche Kuckkucksuhren aufgekauft. „Die hängen bei denen wahrscheinlich immer noch an den Wänden“, mutmaßt Edelgard Krüger und muss lachen. bass

Bildquelle

  • Speckmann_Foto_Krüger und Rudolph: Mirko Haendel

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