Friedhof soll sichtbarer werden
Vom alten jüdischen Freidhof am Ende der Deisterstraße ist derzeit nicht viel zu sehen. lediglich zwei alte, wieder aufgerichtete Grabsteine zeugen von der ehemaligen Begräbnisstätte. Revierförster Dieter Hiller (von links), Klosterkammerdezernentin Friederike Bock, Bürgermeister Marc Lahmann und Michael Fürst, Landesverbandsvorsitzender der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, besichtigen das Areal und besprechen die geplanten Arbeiten.

Friedhof soll sichtbarer werden

Kooperation von Klosterkammer, Stadt und
Landesverband der jüdischen Gemeinden

Barsinghausen. Der alte jüdische Friedhof am Waldrand oberhalb Barsinghausens soll als Begräbnisstätte wieder hergerichtet werden. Der Friedhof wurde 1938 während der Nazizeit vollständig zerstört. Erst 1981 legten Schüler des heutigen Hannah-Ahrendt-Gymnasiums  Fragmente von Grabsteinen frei und bargen diese. Seitdem erinnerten zwei intakte, wieder aufgerichtete Steine an die ursprüngliche Funktion des Ortes. Jetzt wollen die Klosterkammer, die Stadt Barsinghausen und der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen den gut 1000 Quadratmeter großen Friedhof umzäunen, mit einer Zuwegung und einem Eingangstor versehen.

Am Südrand des Geländes soll zudem eine steinerne Mauer errichtet werden, in die die geborgenen Grabsteinreste eingelassen werden. „Auf diesen sind noch hebräische Schriftzüge zu erkennen“, erklärt Stadtarchivar Eckard Steigerwald während einer Besichtigung des Grundstücks.

Steigerwald und der befreundete Historiker Dr. Peter Schulze waren es, die die Idee zur Herrichtung der Begräbnisstätte in ihrer ursprünglichen Ausdehnung hatten. „Der Friedhof hier ist eine herausragende jüdische Stätte“, nennt Schulze den Beweggrund seines Interesses. Bei der Klosterkammer als Grundeigentümerin des Geländes, der Stadt und dem Landesverband der jüdichen Gemeinden gab es sofort Unterstützung. Zunächst durchforsten Mitarbeiter der Klosterforst das Gelände, fällten einige kleinere Buchen und Eichen und entfernten Totholz. „Damit sollten in den nächsten Jahren keine Hiebmaßnahmen notwendig werden“, erklärte Revierförster Dieter Hiller. Zudem wird die Klosterkammer das Nutzungsrecht des Friedhofs an den Landesverband der jüdischen gemeinden überschreiben. Der hölzerne Zaun, das Tor und die Mauer werden von Mitarbeitern der Barsinghäuser Beschäftigungsinitiative BBI errichtet.

Im jüdischen Glauben haben Begräbnisstätten eine besondere Bedeutung. Die Friedhöfe und die auf ihnen begrabenen Menschen genießen ein Ewigkeitsrecht. Daher hab der Landesverband der jüdischen Gemeinden ein großes Interesse an der Wiederherstellung des alten jüdischen Friedhofs, betonte der Landesverbandsvorsitzende Michael Fürst. Entsprechend groß sei auch die Freude über die jüngste Entwicklung: „Friedhöfe und Leben gehören für Juden zusammen. Ein Friehof sollte als solcher zu erkennen und zu finden sein. Ich bin dankbar, dass wir auch diesen Friedhof bald in unserem Bestand haben.“ Die Materialkosten von vermutlich 8500 Euro trägt der Landesverband.

Zum Ende der Besichtigung appellierte Bodo Gideon Riethmüller, Mitarbeiter des Landesverbandes, an Barsinghausens Bürgermeister Marc Lahmann: „Wir wünschen uns eine Bronzetafel mit den Namen aller auf dem Friedhof bestatteten Personen.“ Zudem schlug Riethmüller vor, zum Zwecke der Pflege des Geländes eine Barsinghäuser Schule zu finden, die die Patenschaft übernimmt.

Bildquelle

  • 03_Friedhof Gruppe: Mirko Haendel

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