Google hilft dem Miniaturbauer

Google hilft dem Miniaturbauer

In Egestorf entsteht ein fünf Quadratmeter großes Modell des Ortes im Maßstab 1:1000.Egestorf. Mit fast 9000 Einwohnern ist Egestorf der zweitgrößte Stadtteil Barsinghausens. Der im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Ort feiert im Jahr 2016 seinen 800. Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums soll bis dahin ein fast fünf Quadratmeter großes Modell von Egestorf entstanden sein. Dieses wird den baulichen Zustand des Ortes um etwas 1950 zeigen.

Wie Egestorf heute aussieht, das müssen wir nicht darstellen. Das kann jeder bei Google Maps sehen“, sagt Klaus Hildebrandt. Der 76-Jährige muss es wissen. Der Egestorfer ist derjenige, der als Modellbaubegeisterter seit einigen Wochen täglich an dem Mini-Egestorf im Maßstab 1:1000 arbeitet und dafür auch das Luftbildangebot des Internetriesen nutzt. „Wir haben den Zustand im Jahr 1950 gewählt, weil den von den meisten einwohnern kaum noch einer kennt“, erklärt Hildebrandt die Entscheidung.

Diese bringt allerdings einige Schwierigkeiten mit sich: Woher weiß man, welche Gebäude wo im Nachkriegs-Egestorf gestanden haben? Und wie sahen die Wohnhäuser. Höfe, Scheunen und anderen Gebäude aus? Es bedurfte einiger Vorarbeit. Hildebrandt, Dieter Pohl und Fred Wellhausen – die letzten beiden Mitglieder im Festausschuss zur 800-Jahr-Feier – sichteten alte Luftbildaufnahmen, Kartenmaterial aus der damaligen Zeit und sammelten Fotos. Geholfen wurde ihnen unter anderem von Stadtarchivar Eckard Steigerwald. Egestorf war in der 1950er-Jahren noch nicht annähernd so dicht besiedelt wie heute. „Wir müssen circa 400 Gebäude nachstellen“, schätzt Hildebrandt.

Das komplette Modell wird aus sechs Quadraten mit einer Kantenlänge von 88 Zentimetern bestehen. Das erste Quadrat hat Hildebrandt in seinem Wohnzimmer nach gut sehcs Wochen nunmehr fast fertig. Dafür nutzte er maßstabsgetreu hochkopierte Katasterkarten, auf denen der heutige Gebäudestand abgebildet ist.

Die Firma Kluth aus Barsinghausen lieferte die sechs Styroporplaten, die als Basis des Modells dienen. Hildebrandt überträgt nun die Topografie auf das Modell, indem er dünne Styroporplättchen aufklebt und modelliert, um Steigungen und Gefälle zu übertragen. „Schwierig wird es an den Übergängen der Quadrate. Da dürfen natürlich keine Lücken bleiben oder ein Bachlauf plötzlich unterbrochen sein“, erklärt Hildebrandt. Dergebürtige Berliner sitzt täglich etwa drei Stunden an seiner Bastelarbeit. „Ich könnte natürlich auch vor dem Fernseher hocken, aber genau das will ich nicht.“

Ende 2015 soll das Miniatur-Egestorf komplett sein. Ob das Modell anschließend noch beschriftet wird, entscheiden die Initiatoren bis dahin. Fest steht, dass es dauerhaft in einer Vitrine geschützt werden soll, wenn es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Standort ist dann vermutlich die Aula der Ernst-Reuter-Schule. Die Wahl wäre passend, denn das Schulgebäude existiert seit 1909 und taucht im Modell-Egestorf ganz sicher auf.

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