Nach 15 Jahren ist Schluss
Christine Kopp ist traurig. Ihr kleines Lädchen hat sie nur unfreiwillig aufgegeben.

Nach 15 Jahren ist Schluss

Tante-Emma-Lädchen in der Kaltenbornstraße schließt am Sonnabend

Barsinghausen. Eines der letzten Tante-Emma-Lädchen Barsinghausens schließt am kommenden Sonnabend für immer seine Türen. Vor 15 Jahren hatte Christine Kopp den ehemaligen Fifo-Laden an der Kaltenbornstraße von der Familie Behnsen übernommen und bot vielen Barsinghäusern eine ganz besondere Einkaufsmöglichkeit. Hier versorgten sich Freunde, Nachbarn und zuletzt auch immer mehr Bewohner des Neubaugebiets Am Bullerbach mit Lebensmitteln, Zeitschriften, Haushaltswaren und allem, was so ein kleiner Supermarkt eben so zu bieten hat.

Doch damit ist am Sonnabend Schluss. Christine Kopp konnte sich die notwendigen Sanierungsarbeiten nicht leisten und hat den Mietvertrag bereits Ende 2015 gekündigt.

Jeder Einkauf eine Zeitreise: Wer bei Christine Kopp einkaufte, schätzte das persönliche Gespräch, den guten Service und die Lebensmittel regionaler Produzenten.Quelle: Mirko Haendel

Jeder Einkauf eine Zeitreise: Wer bei Christine Kopp einkaufte, schätzte das persönliche Gespräch, den guten Service und die Lebensmittel regionaler Produzenten.

 

Es ist Christine Kopp anzusehen, dass sie zu leiden hat unter ihrer Entscheidung, ihr kleines Lebensmittelgeschäft „ella nebenan“ heute Abend für immer zu schließen. In den kommenden Tagen wird sie mit Freunden die verbliebenen Waren ausräumen und das Interieur – eine Kasse, mehrere Kühlschränke, ein Kühltresen für Käse und Wurst, die altmodische Waage, die Kasse und zahlreiche Warenregale – abbauen. Was mit all dem wird, weiß sie noch nicht.
„Ich hätte ja gerne weitergemacht“, sagt sie. Kopp hatte zusammen mit einer Freundin bereits ein Konzept erarbeitet, wie sie ihr Lädchen den modernen Bedürfnissen der Kunden anpassen könnte. Die Abteilung mit hochwertigen Fleisch- und Wurstwaren, mit Fisch und Bio-Käse sollte erweitert werden. Kopp wollte noch mehr frisches Obst und Gemüse sowie Milchprodukte von regionalen Produzenten anbieten. Die Bäckerei Sprengel aus Langreder, von der Kopp die Backwaren bezog und die immer sonnabends für einen knallvollen Laden sorgten, hatte zugesagt, sie beim Ausbau der Back-Ecke zu unterstützen. „Und wahrscheinlich hätte ich auch meinen Lieferservice ausgeweitet“, sagt Kopp.
Doch realisieren wird sie diese Ideen – wenn überhaupt – nicht am Standort in der Kaltenbornstraße. Die Räumlichkeiten, die noch den Charme der „Konsum“- und „Fifo“-Lädchen der 1970er-Jahre verströmen, waren schon lange sanierungsbedürftig. Einfachverglasung, Heizkörper, die von der Wand fielen, zerschliessenes Linoleum am Boden und brökelnder Putz. Christine Kopp wollte nicht mehr an sechs Tagen in der Woche auf diese Mängel schauen. Die Sanierung selbst zu finanzieren, traut sie sich jedoch nicht. Ihr Lädchen ist ein Familienbetrieb, in dem die eigene Tochter seit Jahren am Wochenende aushilft. Eine Angestellte würde sich nicht rechnen, sagt Kopp. Die Barsinghäuserin muss Geld für ihre erwartet kleine Rente zurücklegen. „Ich wäre sogar bereit gewesen, die doppelte Miete zu zahlen, aber eine Summe von mehreren Tausend Euro auf einen Schlag zu investieren, wäre zu viel für mich“, gesteht die 61-Jährige.
Den Großteil ihres Lebens hat sie in der Kaltenbornstraße gewohnt. Sie war Stammkundin im Fifo, übernahm das Geschäft, als das Ehepaar Jutta und Karl-Heinz Behnsen zu alt war, um noch selbst im Laden zu stehen. Die Behnsens hatten 1966 den „Konsum“ übernommen und als Fifo-Markt Behnsen bis 2001 fortgeführt. Sie sind zugleich die Vermieter der Räume und nicht bereit, die Sanierung der Räume zu bezahlen.
„Wir sind immer gut miteinander ausgekommen, und ich habe auch längere Zeit unentgeldlich ausgeholfen“, sagt Jutta Behnsen, „doch ist es für uns zu unsicher, jetzt noch einmal gut 20000 Euro zu investieren. Wir wissen ja nicht, wie lange Frau Kopp den Laden noch führen kann.“
Für Christine Kopp ist jetzt also Schluss. Sie versucht, sich ihre Enttäuschung nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Sie sucht nun nach beruflichen Alternativen – nicht einfach in ihrem Alter. Will sie ihren Laden an anderer Stelle neu eröffnen? Bewirbt sie sich in Supermärkten? Sie weiß es nicht, hat ihre Fühler allerdings schon ausgestreckt.
Die Behnsens werden nach dem Auszug von „elli nebenan“ die Außenmauern im Kellerbereich trockenlegen und sanieren lassen. Ab dem 1. Mai sind die Räumlichkeiten dann an ein Sportgeschäft das Bedarf für den Dart-Sport anbietet, vermietet.bass

 

Bildquelle

  • Hintern Tresen: Mirko Haendel
  • Vorn Geschäft: Mirko Haendel

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