Unterkunft kommt nach Kirchdorf
Auf einer Weide oberhalb des Deisterbads wird Barsinghausens dann wohl größtes Flüchtlingsheim entstehen.

Unterkunft kommt nach Kirchdorf

Die Region Hannover baut oberhalb des Deisterbads ein Flüchtlingsheim

Kirchdorf. Die Region Hannover wird in Kirchdorf an der Einsteinstraße oberhalb des Deisterbads eine Flüchtlingssammelunterkunft bauen lassen. Das hatte der Verwaltungsausschuss (VA) der Stadt Barsinghausen vor wenigen Tagen beschlossen, Bürgermeister Marc Lahmann bestätigte die Entscheidung am Dienstagabend vor dem Rat der Stadt. In der Unterkunft sollen bis zu 328 Personen untergebracht werden können. Die für den Bau veranschlagten Kosten von 9,15 Millionen Euro trägt die Region.

In der Bürgerfragestunde brachten zahlreiche Anlieger ihre Bedenken und Ängste vor. Die Anzahl der unterzubringenden Personen sei viel zu hoch. Wie solle da Integration sinnvoll gelingen, war die Frage. Lahmann erklärte, bei der Zahl von 30 neu ankommenden Flüchtlingen pro Woche, fehlten mittlerweile die Alternativen. Es werde zunehmend schwieriger, Flüchtlinge wie bisher in angemieteten Wohnungen und angekauften Häusern unterzubringen. Der Markt dafür sei leer. „Wir halten es für sinnvoller, die Menschen in in einer solchen Sammelunterkunft auf dem Regionsgrundstück unterzubringen, als in Turnhallen“, betonte der Bürgermeister.

Die Stadt Barsinghausen wollte ursprünglich den Bau von Flüchtlingswohnheimen für über 100 Personen vermeiden, sagte der Verwaltungschef, doch komme mittlerweile eine zu massive Zahl an Flüchtlingen, um an dieser Vorgehensweise Plänen festzuhalten. Die Stadt Barsinghausen hat derzeit gut 80 Wohnungen angemietet, in denen Flüchtlinge untergebracht sind.

Kirchdorfer Bürger äußern in der Bürgerfragestunde ihre Bedenken bezüglich des Baus der SammelunterkunftQuelle: Mirko Haendel

Kirchdorfer Bürger äußern in der Bürgerfragestunde ihre Bedenken bezüglich des Baus der Sammelunterkunft

Der Erste Stadtrat Georg Robra sagte, er halte den Standort für das Flüchtlingsheim oberhalb des Deisterbades aufgrund der guten Infrastruktur für geeignet und betonte: „Bitte bedenken Sie, wir haben es hier mit Menschen zu tun, und wir haben eine gemeinsame Verantwortung für die Menschen.“
Eine Anwohnerin sagte, sie und ihre Nachbarn fühlten sich von der Entscheidung überfahren. sie seien fassungslos, ihre Grundstücke seien jetzt wertlos.
Eine zweite Bürgerin fragte: „Wie sollen unsere Kinder von der S-Bahn zu Schule kommen? Die Flüchtlinge nutzen, um zur S-Bahn zu kommen dann ja die gleichen Wege.“ Der Bürgermeister zeigte Verständnis dafür, dass die Situation bei vielen Bürgern Ängste wecke. „Doch wir müssen eine drohende massive Obdachlosigkeit verhindern“, mahnte Marc Lahmann.

Region übernimmt fast alle Kosten und Arbeiten

Die Holz-Modulanlage für die Flüchtlings-Sammelunterkunft in Kirchdorf könnte schon im Juni geliefert werden. Die Regionsverwaltung wird die Anlage nun bestellen, nachdem der Verwaltungsausschuss der Stadt am Dienstagabend dem Standort südlich des Deisterbades an der Einsteinstraße zugestimmt hat.

Die Unterkunft solle bis zum Sommer stehen, sagte am Mittwoch Christina Kreutz, Sprecherin der Region Hannover. Der Region gehört nicht nur das Grundstück, sie übernimmt auch fast alle dem Bau verbundenen Aufgaben, und sie bezahlt. Die Stadt müsse lediglich für die Infrastruktur sorgen, ergänzt Erster Stadtrat Georg Robra. Die Versorgungsanschlüsse gehören dazu. Den Sommer als Fertigstellungstermin für den zweistöckigen Komplex bezeichnete er als sehr ambitioniert. 164 Module werden für 328 Flüchtlinge aufgestellt.

Er sei froh, dass die Region der Stadt das Angebot gemacht hat, sagte Bürgermeister Marc Lahmann im Rat. Der Stadt fehle das Personal, noch mehr zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Zudem müsse die Unterkunft wirtschaftlich betrieben werden. Bewirtschaftung, Sozialpädagogen, Sicherheitsdienst – all dies organisiere die Region. Der Zustrom von Menschen  nach Deutschland müsse endlich begrenzt werden.

Erster Stadtrat Georg Robra (von links) und Bürgermeister Marc Lahmann beantworten während der Ratssitzung die Fragen der BürgerQuelle: Mirko Haendel

Erster Stadtrat Georg Robra (von links) und Bürgermeister Marc Lahmann beantworten während der Ratssitzung die Fragen der Bürger

„Wir müssten eigentlich alle zwei Monate so etwas bauen“, sagte er mit Blick auf die aktuellen Zahlen von 30 Flüchtlingen pro Woche, die Barsinghausen zugewiesen werden. Die für eine Nutzungsdauer von 20 Jahren gedachte Anlage hat den Vorteil, dass eine Nachnutzung möglich sei, sobald die Anzahl der Flüchtlinge wieder abnehme. In der Stadt fehlt günstiger Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen oder niedrigen Renten. „Die Module sind so konzipiert, dass sie bei reduzierter Belegung zu Wohnungen werden können“, erläutert Robra. Die Stadt verhandle mit der Region darüber, dass das Erdgeschoss barrierefrei erstellt wird.

Den Anliegern ist, wie in der Bürgerfragestunde deutlich wurde, die Anlage zu groß. Das Wort Ghettobildung machte zumindest vor der Sitzung die Runde. Inzwischen gibt es eine öffentliche Facebook-Gruppe  „Barsinghausen sagt nein zum Asylantenheim“ mit 187 Mitgliedern.

Bildquelle

  • IMG_9881: Mirko Haendel
  • Dreigestirn: Mirko Haendel
  • Weide für Flüchtlingsheim: Mirko Haendel

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