Der lange Arm der Stasi reichte bis nach Garbsen
Der Ratsvorsitzende Hartmut Büttner hat die Broschüre überarbeitet.Foto: Kiroglu

Der lange Arm der Stasi reichte bis nach Garbsen

Die Aufarbeitung der SED-Diktatur erlebt in Garbsen eine Neuauflage. Ratsvorsitzender Hartmut Büttner (CDU) hat sechs Jahre nach der Veröffentlichung seiner ersten Broschüre „Der lange Arm der Stasi reichte bis Garbsen“ eine zweite überarbeitete Version vorgestellt. Auf 60 Seiten stellt er die Geschichten von Stasiopfern und auch Tätern dar. Brisant war damals wie heute die Aufdeckung von vier Täterzellen in Garbsen, darunter in Heitlingen und Schloß Ricklingen.
Für Furore sorgte damals die Aufarbeitung der Enttarnung des Unternehmers und Stasi-Spions Karl-Heinz-Hedtke. Büttner brachte zu Papier, was ein Garbsener Journalist Mitte der siebziger Jahre bezüglich Hedtke ins Rollen brachte. Die neuesten Erkenntnisse in dieser Sache sind nun auch in der Broschüre aufgegriffen. Ab Seite 41 finden Leser Zusatzinformationen zu Hedtke.
Für alle, die die Broschüre noch nicht kennen, wird es ein kleiner Schock sein, wie weit der Arm der Stasi tatsächlich reichte – nämlich bis nach Heitlingen, in den kleinsten Ortsteil Garbsens. Und alle, die die Broschüre bereits besitzen, werden sicher die zweite Auflage erwerben. Wird doch darin das Leben und die „erfolgreichste deutsche Stasi-Karriere“ überhaupt beschrieben, so Büttner.

Für Büttner war der Fall Karl-Heinz Hedtke 2009 noch nicht abgeschlossen. „Um die vielen offenen Fragen zu lösen“, stellt er einen Forschungsantrag bei der Behörde der damaligen BSTU-Bundesbeauftragten Marianne Birthler. Stolze 481 Seiten wurden ihm per Post in zwei Lieferungen ausgehändigt. So formte sich sein Bild über Karl-Heinz Hedtke. Die Unterlagen brachten „Klarheit über seinen Lebensweg“. Die Ergebnisse seiner Recherchen lassen sich auch in der Betitelung des Täters erkennen. War Hedtke 2009 noch ein gemeiner Wirtschaftsspion aus Schloß Ricklingen betitelt, so musste sich Büttner 2015 im Zuge seiner weiterführenden Arbeit selbst korrigieren. Hedtke taucht nunmehr als „Multispion“ in der Broschüre auf. Hedtke kam 1956 in die Bundesrepublik Deutschland und wohnte für lange Zeit in Schloß Ricklingen. Was danach passierte ist „beispiellos“ und „kriminell“ wie es Büttner so vorher noch nie gesehen hat. „Hedtke war die schillernste Person, die je für die Stasi in Ost und West gearbeitet hat“, sagt er.
Zahlreiche Geheimdienstaktivitäten zwischen 1950 und 1989 zeugen von seinem Engagement in negativem Sinne. Darüber hinaus sind weitere Partei- und Organisationsmitgliedschaften dokumentiert. Über die brisanten Aufdeckungen staunt auch Stadt-Pressesprecher Benjamin Irvin: „Eigentlich denkt man, dass jeder jeden kennt in Schloß Ricklingen“.
Büttner muss es wissen: Er war jahrelang im Bundestag Mitglied im Stiftungsrat der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur aktiv und ist heute einer von sechs Sachverständigen für den niedersächsischen Landtag, die die Machenschaften der Stasi in Niedersachsen aufarbeiten.
Die Stadt Garbsen begleitet die Zeit zwischen dem 25. Jahrestag des Mauerfalls und der Deutschen Einheit mit zahlreichen Aktivitäten. In diesem Zuge soll auch die Broschüre mit einer Auflage von 500 Stück zu erwerben sein.

2 Kommentare zu diesem Beitrag
  1. Kathrin Wiese bei 21:25

    Guten Tag,
    wie komme ich an die Broschüre zu diesem Artikel "Der lange Arm der Stasi reichte bis nach Garbsen" vom Juli diesen Jahres?
    Ich wäre sehr dankbar über eine Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen
    Kathrin Wiese

    • Redaktion Garbsen Autor bei 15:32

      Liebe Frau Wiese,
      wie schon per E-Mail mitgeteilt werden die Broschüren während der Veranstaltungen zu erwerben sein und fünf Euro kosten. Jetzt hat sich Uwe Witte aus der Abteilung Kultur und Sport im Rathaus bereiterklärt, als Ansprechpartner zum Thema zur Verfügung zu stehen. Er ist unter Telefon (0 51 31) 707 304 im Rathaus zu erreichen. Dort gibt es wohl einige Exemplare der Broschüre.
      Beste Grüße
      Ihr Redaktionsteam halloRundblick & halloWochenende

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