Ein Stück Stadtgeschichte: Grabstein wird restauriert
Stadtarchivar Norbert Saul (links) und Steinbildhauer Oliver Schneider zeigen den alten und den neuen Grabstein. Foto: Lache

Ein Stück Stadtgeschichte: Grabstein wird restauriert

Vor über 100 Jahren lebten Johanne Willner und ihr Mann Emil mit ihren drei Kindern in Seelze, wo sie ein Wäschegeschäft besaßen. Im Alter von 46 Jahren, am 8. Februar 1931, verstarb Johanne Willner. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Bothfeld beigesetzt. Auch ihre beiden Söhne verstarben einige Jahre später – ermordet durch Nationalsozialisten. Ihrem Mann und ihrer Tochter gelang die Flucht – auch heute noch lebt ihre Tochter Ilse Grünewald in Buenos Aires, wo sie vergangenes Jahr ihren 100. Geburtstag feierte.
Als Steinbildhauer Oliver Schneider von dem Schicksal der Familie Willner erfuhr und Johanne Willners Grab besuchte, entschloss er sich sofort, einen neuen Grabstein für die Verstorbene anzufertigen. Der alte Grabstein war über die Jahre hinweg stark verwittert, die Inschrift kaum mehr lesbar.
„Früher hat man nicht auf die Schnittrichtung eines Steines geachtet. So kann Feuchtigkeit in den Stein einsickern, wodurch er bei Frost zerspringt“, erklärte Schneider. „Für das Material des neuen Steins habe ich mich für Obernkirchener Sandstein entschieden, welcher dem alten
Deister Sandstein am nächsten ist“, ergänzte er.
Mit der in Buenos Aires lebenden Ilse Grünewald wurde das Vorhaben zunächst abgesprochen – Stadtarchivar Norbert Saul hatte vermittelt. In den kommenden Tagen wolle er ein Bild des neuen, fertigen Grabsteines an Ilse Grünewald schicken. „Sie hatte sich gewünscht, dass man die Inschrift auf dem Grabstein wieder lesen kann“, erzählte Saul.
Die Kosten dafür habe sie übernehmen wollen, für Oliver Schneider jedoch kam das nicht infrage: „Hier handelt es sich um ein Stück Stadtgeschichte. Außerdem hat die Familie selbst keine Möglichkeit mehr, sich um die Grabstelle zu kümmern. Für mich stand sofort fest, dass ich einen neuen Stein anfertigen werde.“ Im kommenden Jahr sollen gemeinsam mit dem Künstler Gunter Demnig Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Willner verlegt werden.

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