Benbennek kommt zum TSV Havelse nach Hause
Christian Benbennek

Benbennek kommt zum TSV Havelse nach Hause

Havelse. Christian Benbennek kehrt nach zwei Jahren wieder als Trainer zum TSV Havelse zurück. Im Interview spricht er über die Erfahrungen mit Alemannia Aachen und der SV Ried sowie über die professionelle Arbeit in Garbsen.

Herr Benbennek, wie war es denn zum Trainingsauftakt für Sie „nach Hause“ zu kommen, wie Sie es im Vorfeld nannten?
Der Sonntag war schon toll. Ich kenne noch jeden, der auf der Anlage herumläuft. Damals hatte ich neben den Herren noch die U8 der Havelser trainiert. Am Sonntag waren diese Kinder bei einem Turnier im Stadion und kamen alle sofort auf mich zugelaufen.

Sie wurden mit dem TSV in Ihrer ersten Saison Siebter, das Jahr darauf Vierter. Befürchten Sie, dass die Erwartungshaltungen im Umfeld hoch sind?
Wir wollen natürlich selber das Maximum erreichen, wir sind alle ehrgeizig. Aber ein guter Platz in der Vorsaison bedeutet nicht, dass man automatisch wieder oben dabei ist. Auch wenn ich noch etwa ein Drittel der Spieler von früher kenne, fangen wir wieder ganz neu an. Fußballerisch bringe ich auch ein paar neue Ideen mit.

Was sind das für Ideen?
Ich bin der Auffassung, dass ein guter Trainer das Team inspiriert. Zugleich inspiriert eine gute Mannschaft auch den Trainer. Es geht immer darum, dass das System den Spielern angepasst werden muss. Ohne zu viel preiszugeben: Wir werden offensiven Fußball spielen. Und die Viererabwehrkette bleibt auch bestehen (lacht).

Was für ein Saisonziel geben Sie denn aus?
Manager Stefan Pralle, der Vorsitzende Manfred Hörnschemeyer und ich haben uns sicherlich nicht über die Zusammenarbeit verständigt, weil wir gerne Zehnter werden wollen (lacht). Aber wir wissen, dass wir mit dem neuformierten Team wieder Zeit brauchen. Wir müssen uns finden, müssen uns einspielen. Und – im Gegensatz zu Profiteams – haben wir nicht so viele Trainingseinheiten zur Verfügung. Diese müssen wir effektiv nutzen.

Sie bekommen einige A-Jugendliche dazu. Welchen Spielern trauen Sie denn den Sprung in den Herrenbereich besonders zu?
Mit Melvin und Tim-Alexander Meier sowie Can Gökdemir haben wir drei Spieler, die richtig gute Qualität haben. Sie verkörpern auch die typische TSV-Mentalität und brennen. Die verlieren sogar ein Trainingsspiel extrem ungern.

Sie hatten 2015 Havelse Richtung Alemannia Aachen verlassen, weil Sie unter professionelleren Bedingungen arbeiten wollten. Es lief dort zunächst überragend, doch was passierte dann?
Wir haben mit sechs Siegen den besten Saisonstart seit 58 Jahren hingelegt. Aber es gab im Team einen Klüngel, der mehr am eigenen Wohl interessiert war als am Wohl des Vereins. Der Klub hat extrem große Schwierigkeiten, ist wieder insolvent. Ich finde das sehr schade, weil ich sehr gerne dort Trainer war.

Beim österreichischen Bundesligisten SV Ried hing ihr Ende mit einer anderen Personalentscheidung zusammen …
Mit dem Sportdirektor Stefan Reiter war ich auf einer Wellenlänge. Im Vorstand hatten sich dann die Machtverhältnisse geändert und Reiter wurde entlassen. Es wurde zudem noch ein Schuldiger für die sportliche Talfahrt gesucht, was ich sehr schade fand. Ansonsten war auch das eine schöne Erfahrung, auch wenn ich anfangs mit der Sprache schon meine Schwierigkeiten hatte (lacht).

Fünf Wochen haben Sie übergangsweise noch bei Greuther Fürth II ausgeholfen. Wie kam das zustande?
Ich bewerte das nicht als Trainerstation, es war ein Freundschaftsdienst für Ramazan Yildirim, den Direktor Profifußball. Leider hat die Saison sich nach hinten in den Juni verschoben, so dass ich die Aufgabe vorzeitig beenden musste.

Wie haben diese Erfahrungen Sie geprägt?
Als ich 2013 beim SV Babelsberg entlassen wurde, war ich fix und fertig. An Aachen hing mein Herz, das hat mich schon sehr getroffen. In Ried ließ mich die Entlassung relativ kalt. Ich habe inzwischen verstanden, wie das Trainergeschäft läuft. Ich bin nach diesen Erfahrungen auch ruhiger und klarer aufgestellt.

Sie haben in Ihrem Vertrag über zwei Jahre beim TSV bewusst auf eine Ausstiegsklausel verzichtet. Warum?
Ich wollte ja in Aachen und Ried professioneller arbeiten. Aber ich habe festgestellt, dass die wirklich professionelle Arbeit darin besteht, wenn alle Führungspersonen an einem Strang ziehen und das Beste für den Verein erzielen wollen. Das ist in Havelse der Fall. Ich möchte wieder Spaß an meiner Arbeit haben und wir wollen beweisen, dass wir Erfolg haben können. Ich bin überzeugt, dass das beim TSV möglich ist.

Bildquelle

  • 06_benbennek_B: Bode

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