Schwimmer machen ihrer Wut Luft
Wut und Enttäuschung: Roswitha Just (vorn, von links) und Edelgard Stutzke-Sapich protestieren mit Trauerkranz.Foto: lange

Schwimmer machen ihrer Wut Luft

Die Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung zum neuen Bäderkonzept wurde von zahlreichen protestierenden Garbsenern, vor allem Mitgliedern von Schwimmvereinen, besucht. Es entwickelte sich eine hitzige Debatte.
Schon bei der Vorstellung des von der Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Dienstleister GMF erarbeiteten Konzepts wurde Bürgermeister Christian Grahl ausgebuht und von Trillerpfeifenkonzerten unterbrochen. Er legte dar, dass Garbsen laut der Analyse für die Daseinsvorsorge nur ein Schwimmbad brauche. Grahl plädiert als Standort für die Garbsener Mitte.
Das nun vorgestellte Konzept für ein Bad in der Mitte beinhaltet sechs Wettkampfbahnen á 25 Meter, was laut Grahl acht Trainingsbahnen entspricht. Zudem vorgesehen: ein Nichtschwimmerbecken mit Hubboden, ein Sprungturm mit Ein- sowie Dreimeterbrett und Räumlichkeiten für Vereinsaktivitäten mit der Möglichkeit, an die frische Luft zu gehen. Gesamtkosten: 14,1 Millionen Euro.
Schon der Begriff Wettkampfbahn stößt dem Schwimmverein Garbsen (SVG) sauer auf. „Wir haben bisher allein acht echte Wettkampfbahnen im Freibad Berenbostel“, sagt SVG-Vorsitzende Roswitha Just. Diese seien 2,60 Meter breit und 50 Meter lang. Die Bahnen im vorgestellten Zentralbad hätten die halbe Länge und eine Breite von nur zwei Metern. Insgesamt ist der Schwimmverein Garbsen mit dem vorgestellten Sport- und Funktionsbad nicht einverstanden. Nicht nur wegen dem Wegfall von Wasserfläche.
Sorgen machen sich die Schwimmvereine vor allem um ihre Kinder. Diese können nach dem Abriss des Freibades in Berenbostel nicht mehr allein zum Schwimmen geschickt werden, da es keinen bewachten Garbsener Badeseen gäbe. Auch um die Grundschulkinder sorgt sich der Verein. Zu Fuß könnten diese kaum das Zentralbad in der Mitte erreichen, etwas aus Berenbostel oder Heitlingen, um dort schwimmen zu lernen.
Dass Grahl ein Modell vorstellte, für das statt 24,1 Millionen nur 14,1 Millionen kosten würde, quittierten Zwischenrufer als „Wahlbetrug“. Neben sachlichen Nachfragen zu den Kosten und eventuellen Kostensteigerungen gab es vermehrt unsachliche Zwischenrufe.
Für Grahl steht fest: „Es wäre sozial ungerecht, zwei Bäder zu bauen und darüber andere wichtige Aufgaben zu vernachlässigen“. Als Beispiele zählte er unter anderem die Sanierung von Sporthallen und Schultoiletten auf. Grahl legte dar, dass das Bad in der Mitte einen Startpunkt für eine belebte Stadtmitte bilden könnte – mit vielseitigen Wachstums- und Kombinationsmöglichkeiten.
Eigentlich sollte der Rat am 20. Juli über das neue Bäderkonzept entscheiden – alle Fraktionen haben jedoch bekundet, es prüfen zu wollen und dafür mehr Zeit zu brauchen. Bewertet wurde das Konzept nur von der SPD. Es sei einer Universitätsstadt nicht würdig, sagte Karsten Vogel.

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