Eine „Winterreise“ zum Genießen und Staunen. Das Gehrdener Kammerorchester überzeugt mit einer ganz besonderen Interpretation des Schubertschen Liederzyklusses
Orchester, Sänger und Sprecher nehmen Publikum mit auf Schuberts Winterreise. Foto: Rabenhorst

Eine „Winterreise“ zum Genießen und Staunen. Das Gehrdener Kammerorchester überzeugt mit einer ganz besonderen Interpretation des Schubertschen Liederzyklusses

Gehrden. Eine seltene Variante der „Winterreise“ von Franz Schubert hat die Zuhörer im Bürgersaal begeistert. Das Gehrdener Kammerorchester interpretierte den Liederzyklus gemeinsam mit Bass-Bariton Dietmar Sander und von Gerd Zietlow vorgetragenen Gedichten einmal ganz anders – und erhielt viel Applaus.

„Fremd bin ich eingezogen …“ – so lauteten die berühmten ersten Klänge des Winterkonzerts des Kammerorchesters mit Sänger Sander im voll besetzten Bürgersaal des Gehrdener Rathauses. Wunderbar zart und ungewohnt „fremd“ klang das Werk von Schubert, dessen Liederzyklus man so wohl bisher selten gehört hatte.

Das von Schubert sonst vorgesehene Klavier, dem durchgehend lang angehaltene Töne versagt sind, wurde vom Streichorchester in eine romantische und „schneegedämpfte“ Klangwelt verwandelt. Dadurch konnte Bass-Bariton Sander seine Stimme stark zurücknehmen und seinen gefühlvollen und sonoren Gesang noch mehr zur Geltung bringen.

Mehr als sonst wurden die rund 150 Zuhörer Zeugen eines stillen Zwiegesprächs des einsamen Wanderers in Schuberts Werk – und tauchten noch stärker in seine melancholische Welt ein. Neben der Bearbeitung von 13 Liedern für Streicher, die Dirigent Bernardo Martinez für das Orchester geschaffen hatte, waren die Text-Rezitationen von Gerd Zietlow eine weitere Besonderheit. Die von Orchestermitglied Volker Grimsehl zusammengestellten Texte waren mehr als die notwendigen „Atempausen“.

Die tragische Entstehungsgeschichte des Werkes und eine so anders geplante Winterreise nach Mallorca von George Sand mit Chopin boten Abwechslung und Vertiefung. Nachdenkliche Passagen, besondere Melancholie, sogar leiser Humor, ließen Parallelwelten und ganz andere Bilder entstehen. Das Gedichtwerk zur Winterreise von Wilhelm Müller, das sonst durch die Musik von Schubert etwas in den Hintergrund gedrängt wird, wurde durch die beeindruckende Sprachgestaltung von Zietlow ganz neu vor Augen geführt.

Insgesamt elf Gedichte konnten so für sich wirken. Dadurch wurde die hohe Qualität und eigene Aussagekraft der Dichtung besonders deutlich. Nicht zuletzt durch das umsichtige Dirigat seines Leiters meisterte das Orchester seine dem Sänger folgende, manchmal auch führende Rolle mit Bravour. Und die Zuhörer bedankten sich dafür mit starkem Applaus.

Quelle: Heidi Rabenhorst

Bildquelle

  • Winterreise1: Heidi Rabenhorst
  • Winterreise4: Heidi Rabenhorst

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