Erinnerung schmerzt, aber schafft Zukunft. Förderverein lädt zum Gedenken an die Reichspogromnacht ein
Peter Hertel (von links), Alon Sariel, Marina Baranova und Martin G. Kunze gestalten den Abend zum Gednken an die Reichspogrommnacht 1938. Foto: Rabenhorst

Erinnerung schmerzt, aber schafft Zukunft. Förderverein lädt zum Gedenken an die Reichspogromnacht ein

Ronnenberg. Der Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Schicksal der Ronnenberger Juden in der Nazi-Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Auseinandersetzung mit dem Terror der Vergangenheit soll auch eine Mahnung für zukünftige Generationen sein.

Rund 70 Besucher sind am Mittwochabend zu einer Lesung mit Vereinsmitglied Peter Hertel in das Gemeinschaftshaus am Weetzer Kirchweg gekommen. Hertel spannte einen Bogen von den Anfängen aus dem Jahr 1845 über die Reichspogromnacht 1938 bis in die Gegenwart.

Als Rezitator konnte Hertel erneut den Schauspieler Martin G. Kunze gewinnen, der unter anderem aus Briefen von überlebenden Juden aus Ronnenberg vorlas. Für musikalische Umrahmung sorgten die international bekannten Künstler Marina Baranova am Flügel und Alon Sariel an der Mandoline. Sie unterhielten die Zuhörer unter anderem mit „Drei jüdischen Tänzen“ sowie mit dem traditionellem „Klemzer Tune“.

 

Im Mittelpunkt der zweistündigen Veranstaltung stand die Erinnerung an die ehemalige Synagogengemeinde Ronnenberg und an ihren Betsaal in der Velsterstraße im heutigen Standesamtsgebäude der Stadt Ronnenberg.

„Im NS-Verbrechen der Reichspogromnacht 1938 sind fünf Ronnenberger Juden verhaftet und ins Konzentrationslager deportiert worden“, betonte Hertel. Unter der Auflage, dass sie und ihre Familien ihren Heimatort sofort verlassen mussten, seien sei entlassen worden. „Auch die wohlhabenden Juden von Ronnenberg verloren ihren Besitz. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihre sieben Häuser und ihr Anwesen unter Wert zu verkaufen“, berichtete Hertel. Das Haus von Siegfried Seligmann in der Velsterstraße, in dem sich der gegen Osten ausgerichtete Betsaal der Synagogengemeinde befand, sei an die Gemeinde Ronnenberg gegangen. Dieser diente bis zur Zusammenlegung der Kommunen als Gemeindehaus. Derzeit betreibt die Stadt Ronnenberg in dem Gebäude ein Bürgerbüro, das Standesamt und ein Trauzimmer. Der frühere Bürgermeister Wolfgang Walther hatte den Plan einer Gedenkstätte im ersten Stockwerk vorangetrieben. Seit 1998 weist eine Gedenktafel am Eingang auf die bewegte Vergangenheit hin.

„An die Naziverbrechen zu erinnern, das schmerzt. Erinnerung ist aber schon deshalb notwenig, um den neu aufkommenden rassistischen Bewegungen, Parolen und Entscheidungen in Europa und Übersee entgegentreten zu können“, so Hertel, der in seinen Ausführungen ausdrücklich die 20-jährige Erinnerungsarbeit der Stadt lobte. So habe sie zum 9. November 2013, dem 75. Jahrestag der Reichspogromnacht, auf Initiative des früheren Bürgermeisters Wolfgang Walther eine Stele und eine Erinnerungstafel für die vertriebenen und ermordeten Juden errichtet. „Der Rat der Stadt Ronnenberg setzt die 1998 begonnene Erinnerungsarbeit zielrecht fort“, erläuterte Hertel. In einem haushaltsbegleitenden Beschluss aus dem März 2017 sei die Verwaltung aufgefordert worden, ein Konzept für den Umbau des früheren Gemeindehauses in der Velsterstraße 2 auszuarbeiten. Dieser sollte zwingend einen Raum zur Erinnerung an die früheren jüdischen Mitbürger in der damaligen Gemeinde Ronnenberg vorsehen. „Dazu soll sie möglichst vorhandenen Sachverstand nutzen, zum Bespiel bei der Gedenkstätte Ahlem und zweitens beim Förderverein Erinnerungsarbeit in Ronnenberg“, betonte Hertel.

Der von engagierten Bürgern vor vier Jahren aus der Taufe gehobene Förderverein hat der Stadt bei dem Vorhaben seine Hilfe zugesagt. „Uns ist es zunächst wichtig, zu erfahren, wie die Stadt den Betsaal gestalten will“, fügte Hertel hinzu. Mehrere gestalterische Konzeptionen seien denkbar und möglich. „Auf jeden Fall ist der Ratsbeschluss zukunftsweisend und freudig zu begrüßen – im Sinne der kontinuierlichen Entwicklung einer 20-jährigen Erinnerungsarbeit, in der die jüdische Geschichte auch im Ortsbild sichtbar wird, eine langjährige städtische Arbeit, die in der Region Hannover zu einem anerkannten  Markenzeichen der Stadt Ronnenberg geworden ist“, sagte Hertel abschließend.

Quelle: Heidi Rabenhorst

Bildquelle

  • Pogrom Hertel und Kunze: Heidi Rabenhorst
  • Pogrom alle: Heidi Rabenhorst

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