Martin Funke singt Biermann-Lieder. 25 Zuhörer beim Liedermacher-Abend im Gemeindehaus
Martin Funke singt Lieder von Wolf Biermann. Foto: Rabenhorst

Martin Funke singt Biermann-Lieder. 25 Zuhörer beim Liedermacher-Abend im Gemeindehaus

Benthe. „Wolf Biermann hat mich fasziniert, seit ich siebzehn war. Ich habe eine Schallplatte geschenkt bekommen und war hin und weg“, beginnt Martin Funke am frühen Sonntagabend seinen Liedermacherabend zu Ehren von Wolf Biermann. Sein ausdrucksvoller und kämpferischer, provokanter Gesang zur Gitarre habe ihn begeistert. „Ich war beeindruckt von dem Mut, mit dem er seine Wahrheit hinaussang trotz Widertands. Seine Texte können auch heute noch zum Nachdenken anregen“, sagt Funke, nachdem er die rund 25 Gäste mit dem Lied „Das kann doch nicht alles gewesen sein“ hat.

Funke wechselt immer zwischen dem jeweiligen Lebensabschnitt und dem dazugehörenden Song.

Und von der ersten Sekunde nimmt das Publikum Funke die Begeisterung zu Biermann ab. Er bezeichnet sich nicht nur Anhänger des 1936 in Hamburg geborenen Liedermachers, sondern ist es auch – in Mimik und im Ton. Den Abend bezeichnet der Benther auch als musikalisches Zeugnis der deutsch-deutschen Geschichte und der DDR im Besonderen. „Seine Eltern waren Kommunisten, und zu so einem wurde er auch erzogen. Für den Kommunismus brannte sein Herz“, so Funke. Noch stärker sei das geworden, weil sein Vater als Kommunist im Widertand gegen die Nazis war, später dafür auch eingesperrt wurde und als Jude im KZ Auschwitz vergast und verbrannt worden sei. „Da war Biermanns brennender Wille, seinen Vater zu rächen. Als im Osten ein sozialistischer Staat gegründet wurde, fühlte sich der 16-Jährige dazu berufen, dorthin zu gehen, um für einen guten Sozialismus einzustehen“, erinnert Funke an das Leben des am 15. November achtzig Jahre alt gewordenen Liedermachers. Passend zu diesem Abschnitt singt Funke „So soll es sein – so wird es sein“.

Er war Sozialist und sah deshalb die DDR als seine neue Heimat, wo der Sozialismus, von dem er träumte, neu aufgebaut wurde. Dennoch schrieb er weiterhin regimekritische Lieder, nahm sie in seiner Wohnung auf und veröffentlichte sie teilweise über den Westen als Schallplatten. Die Lieder wurden unter der Hand auch im Osten verbreitet und bekannt. Seine Lieder stießen immer wieder auf mehr Widerstand, seine Auftritte seien ihm immer schwerer gemacht worden. „Er wollte sich jedoch nicht wegducken oder den Kopf einziehen. Nein, er kämpfe weiter“, so Funke, der mit dem 1963 geschrieben Lied „Warte nicht auf bessere Zeiten“ im Porgramm fortfährt. Nach dem absoluten Auftrittsverbot im Jahr 1965 habe Biermann Konzerte im seinem Wohnzimmer mit Besuchern und Intelektuellen gegeben. Das Ministerium der Staatssicherheit habe daraufhin einen 20-Punkte-Plan zur „Zersetzung“ seiner Person entwickelt, worauf er 1967 mit der Stasiballade reagierte.

Schlussendlich folgte 1976 seine Ausbürgerung, als er nach einem Konzert in Köln nicht wieder in die DDR zurückdurfte. Nach deren Ende kehrte er zurück und sang am 1. Dezember 1989 in Leipzig.

Das Publikum belohnte Funkes Hommage an Wolf Biermann mit lautstarkem Applaus. Martin Funke ist es eindrucksvoll gelungen mit frechen und fröhlichen sowie ernsten und nachdenklichen Liedern auf das ereignisreiche Leben des Achtzigjährigen zurückzublicken.

funke-publikumQuelle: Heidi Rabenhorst

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