Stück für Stück zur Gleichberechtigung. Frauen kommen zum Internationalen Frauentag in das Vierständerhaus / „Viel erreicht und noch viel zu tun“
Gehrdener Frauen feiern ein Fest und sprechen über 100 Wahlrecht in Deutschland. Rabenhorst

Stück für Stück zur Gleichberechtigung. Frauen kommen zum Internationalen Frauentag in das Vierständerhaus / „Viel erreicht und noch viel zu tun“

Gehrden. Das Fest zum Internationalen Frauentag stand in diesem Jahr unter dem Zeichen „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“. Eingeladen zu der Veranstaltung in Gehrden hatten die Gleichstellungsbeauftragte Christiane Olbrich und Gisela Wicke vom Frauenstammtisch.

In einem geschichtlichen Rückblick machte Wicke deutlich, wie viel die Frauen auf der ganzen Welt durch ihren Kampf und Mut erreicht haben. Es gelte nun, dies in der heutigen Gesellschaft weiter zu verfolgen und möglichen rückläufigen Tendenzen entgegen zu wirken. Sie verdeutlichte, welche Anstrengungen von Frauen notwendig waren, bevor 1918 das Wahlrecht in der Weimarer Verfassung festgelegt wurde. Schon 110 Jahre zuvor, nach der französischen Revolution, habe es die erste Frauenvereinigung gegeben, die die Gleichstellung von Mann und Frau sowie das Frauenwahlrecht forderten.

„Noch 1850 war es verboten, Frauen, Schüler und Lehrlinge laut Vereinsgesetz in politische Vereine aufzunehmen oder an Sitzungen teilnehmen zu lassen“, berichtete Wicke. 1910 habe die erste internationale Frauenkonferenz in Kopenhagen stattgefunden. Von 1933 bis 1945 wurde der internationale Frauentag abgeschafft und der Muttertag ausgerufen. Auch wurden die Erwerbstätigkeit und die Studienmöglichkeit von Frauen wieder eingeschränkt.

1955 wurde vom Bundesarbeitsgericht entschieden, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit auch für Frauen gezahlt werden soll. „Davon sind wir heute in einigen Berufen noch weit entfernt“, bemängelte Wicke. Der Gehorsamsparagraf von 1900 wurde 1957 abgeschafft. Die Folge war, dass Frauen das erste Mal ein eigenes Konto errichten konnten, ohne den Ehemann oder Vater zu fragen. Erst 1970 habe „die erste Hose am Pult“ gestanden. Trotz Protest der Kollegen im Bundestag sei Lenelotte von Bothmer aus Hannover als erste Frau mit einem Hosenanzug ans Mikrofon getreten, berichtete Wicke.

Die anwesenden Frauen waren sich einig, dass schon eine Menge in der Gleichberechtigung geschafft wurde, aber noch viel zu tun ist. So fehlten mehr weibliche Vorbilder wie Sigrid Hahn, die langjährige Levester Ortsbürgermeisterin. „Vernetzung und gegenseitige Unterstützung können dazu führen, dass Frauen ermuntert werden, sich weiter für die Gleichstellung einzusetzen und Führungsverantwortung zu übernehmen“, fügte Wicke hinzu.

Nahid Nateqi aus Afghanistan berichtete, dass Frauen in ihrem Heimatland noch viele Einschränkungen erleben müssen. „Frauen dürften dort nicht Auto oder Rad fahren. Ich freue mich immer, wenn ich von meinen Besuchen komme und mein Rad aus dem Keller holen kann“, erzählte Nateqi, die seit 37 Jahren in Deutschland lebt.

„Auch in unserer kleinen Stadt gibt es nicht überall die Gleichstellung beider Geschlechter“, berichtete Olbrich. Als Beispiel nannte die Gleichstellungsbeauftragte die häusliche Gewalt. Auch Trennungen, bei denen der Mann sehr oft versuche, keine finanzielle Verantwortung für die Zeit nach der Ehe zu übernehmen – obwohl die Frau jahrzehntelang die Kinder versorgt und seine Karriere gefördert habe –, gehörten dazu. „Es ist schon viel Positives erreicht worden, aber es gibt noch viele Defizite.“

 

 

Bildquelle

  • Frauenfest Frauen vor dem Plakat: Heidi Rabenhorst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.