Wer hat in „Luther Splitter“ den Hut auf? Szenen, Spottgesänge und schwulstige Gedichte
Yorck Heerhorst (von links), Anja Köster, Helga Steffens, Gerd Zietlow und Joachim Jahn proben für ihren Auftritt im Klostersaal. Foto: Rabenhorst

Wer hat in „Luther Splitter“ den Hut auf? Szenen, Spottgesänge und schwulstige Gedichte

Wennigsen. Die Proben für die „Luther Splitter“ laufen auf Hochtouren. Die szenische Lesung mit Musik von Autor und Komponist Volker Grimsehl aus Gehrden wird am Reformationstag in der Wennigser Klosterkirche uraufgeführt.

Natürlich tragen Martin Luther (Yorck Heerhorst), seine Frau Katharina von Bora (Anja Köster) und der ältere Luther (Gerd Zietlow) Gewänder. Viel wichtiger ist allerdings ihre Kopfbedeckung. Sowohl die Sprecherin (Helga Steffens) als auch der Sprecher (Joachim Jahn) müssen im Stück mehrere Personen darstellen. „Deswegen soll der Unterschied betont und klargemacht werden, wer den ‚Hut auf hat‘,“ erklärt Autor und Komponist Volker Grimsehl. Bei einem Lese-Stück sei das nicht selbstverständlich. Eine szenische Lesung sei sozusagen ein Zwitter: mehr als ein Leseabend, aber weniger als ein Schauspiel. „Und sie ist vor allem ein Stück mit viel Musik“, sagt Grimsehl.

Fragt man ihn, warum er ein Luther-Stück zur Aufführung bringt, so mache er das, weil er sich vehement gegen den Hype um Luther wehrt. „Luther wurde immer gegen seinen Willen als ‚Großer Deutscher‘ sogar für politische Zwecke missbraucht. Dass er jetzt in einem bombastischen Musical als Mega-Star gefeiert wird und sogar als Playmobil-Männchen besonders erfolgreich ist, ist total gegen seinen damals geäußerten Willen“, sagt Grimsehl und zitiert den Reformator: „Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi dürfte nach meinem nichtswürdigen Namen nennen?“

Grimsehl weist daraufhin, dass beim Lutherabend im Wennigser Klostersaal nur aus authentischen Dokumenten vorgelesen wird. „Luther wird durch viele widersprüchliche Texte zersplittert. Deswegen heißt mein Stück auch Luther-Splitter“, erläutert Grimsehl. Aus den Splittern setze sich für jeden ein neues, spannendes, individuelles Bild von Luther zusammen. Neben den Originaltexten – unter anderem von Widersacher Tetzel und Luthers Zeitgenossen Hans Sachs – gibt es eine Rarität, die alles zusammenhält: Ein erhaltener, vierstimmiger Chorsatz Luthers wird in einer Bearbeitung für Blasinstrumente zum Leitmotiv mit vielen Variationen, zum roten Faden, der sich durch das ganze Stück zieht. Spottgesänge aus der Lutherzeit und aus dem Kabarett der Achtzigerjahre kommen hinzu. „Schwulstige“ Luther-Gedichten aus dem 19. Jahrhundert würzen das Ganze mit einer Prise Ironie.

Veranstaltet wird der Lutherabend vom Gemeindebeirat der Marien-Petri-Kirchengemeinde. Die Veranstaltung beginnt am Dienstag, 31. Oktober, um 19.30 Uhr im Klostersaal. Der Eintritt ist frei.

Bildquelle

  • Luther Splitter: Heidi Rabenhorst

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